Juel, Iliyas und Tasnim lernen spielerisch Deutsch

Evangelische Landeskirche Württemberg

Spracherwerb schon im frühen Kindesalter zu fördern, ist das Ziel der Offensive "Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration". Diese wurde vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen. Dabei werden bis zum Jahr 2014 bis zu 4.000 Einrichtungen mit insgesamt 400 Millionen Euro gefördert. Der  Evangelische Schelztor-Kindergarten in Esslingen ist eine dieser Schwerpunkt-Kitas und bislang die einzige in der Stadt. 

Seit gut einem halben Jahr arbeitet die Sprachwissenschaftlerin Katja Drescher als zusätzliche Fachkraft für Sprache und Integration in der von der Evangelischen Stadt- und Frauenkirchengemeinde getragenen Einrichtung.
Die 58 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren kommen aus vielen Nationen und Kulturen. "Das ist eine große Chance, dass Deutsch die gemeinsame Verständigungssprache ist", sagt Kita-Leiterin Ute Stoye. Ganz spielerisch sollen die Kinder die deutsche Sprache erlernen – "alltagsintegrierte Sprachförderung", nennt das die Fachfrau Katja Drescher.

Juel, Iliyas und Tasnim sitzen um einen Tisch und spielen "Mausefalle". Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass es dabei um mehr geht als den Wettlauf der Mäuse um den Käse. Immer wieder wiederholt Katja Drescher Zahlen, Farben oder Fragen wie "Wer ist dran?" Auf diese Weise werden Wörter, Verbformen und Satzkonstruktionen trainiert. So will sie Neugierde und Interesse an der Sprache wecken.

 

Von der Sprachförderung profitieren alle Kinder

Macht ein Kind lieber Sport, als zu reden, werden im Turnraum oder Garten eben spielerisch Verben wie "springen, rennen, krabbeln, gehen, hüpfen oder laufen" eingeübt. Manche Kinder brauchten mehr, andere weniger Sprachförderung. Das hänge aber weniger von der Herkunft, als vielmehr von den Sprachkontakten ab, erklärt die Linguistin. "Von der Sprachförderung profitierten alle Kinder", ist sie überzeugt. Kinder mit Migrationshintergrund sollten aber auch ihre Muttersprache nicht vernachlässigen. Wer diese gut beherrsche, lerne auch leichter eine zweite Sprache.

"Konsultations-Kita"

Drescher schult auch die Erzieherinnen im Schelztor-Kindergarten. Sie sollen zu Sprachexpertinnen und Sprachvorbildern werden und die Arbeit nach Auslaufen des Modells 2014 weiterführen. Ihr dritter Aufgabenbereich ist die Zusammenarbeit mit den Eltern in Fragen der Sprachförderung. Ab 2013 ist der Kindergarten zudem eine von bundesweit 390 "Konsultations-Kitas" und steht damit als modellhafter Ort der Praxis zur Verfügung, um andere Einrichtungen  und Träger zu beraten.

Bildung für faire Chancen im Leben

Dekan Bernd Weißenborn ist glücklich, dass der Schelztor-Kindergarten in das Modellprojekt aufgenommen wurde. "Es ist uns ein großes Anliegen, Bildung und damit auch Sprachförderung voranzutreiben, damit Kinder faire Chancen in ihrem späteren Leben haben. Wir legen so die Grundlagen für einen guten Bildungsweg und leisten einen Beitrag zur Integration."

Sprachförderung geht weiter

Dass die im Alltag verortete und altersgerechte Sprachförderung im Kindergarten auch nach dem Auslaufen des Modells weitergeht, steht für Peter Schaal-Ahlers, Pfarrer an der Evangelischen Stadt- und Frauenkirchengemeinde Esslingen und für die Kindergartenarbeit zuständig, außer Frage. Kinder mit Migrationshintergrund sollten ihre Muttersprache pflegen, sich aber auch gut auf Deutsch verständigen können.

Info: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterstützt Kinder mit sprachlichem Förderbedarf durch eine in den Kita-Alltag integrierte, altersgerechte Förderung. Mit der "Offensive Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration" stellt der Bund von März 2011 bis Ende 2014 rund 400 Millionen Euro zur Verfügung, um ca. 4.000 Einrichtungen – insbesondere in sozialen Brennpunkten – zu fördern.

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