Bergpredigt als „glückliche Last der Kirche“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Einen „Gewinn an Freiheit für die Kirchen“ sieht der Hamburger Religionspädagoge Professor Dr. Fulbert Steffensky in der Tatsache, dass diese sich von den gesellschaftlichen Diktaten vergangener Zeiten befreit hätten: „Nie ist die Kirche so engagiert eingetreten für Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung wie heute.“ In seinem Vortrag beim Jahresempfang des Reutlinger Prälaten Professor Dr. Christian Rose am Freitag, 28. Oktober in der evangelischen Stadtkirche Neuenbürg plädierte Steffensky für eine ökumenische, missionarische, diakonische und ökologische Kirche.

 

„Die alte Gefahr der aggressiven Selbstgewissheit der Kirchen ist vorbei“, betonte der zum Protestantismus konvertierte ehemalige Benediktinermönch: „Wir sind klüger und schöner geworden.“ Die Kirchen früherer Jahrhunderte seien religiös gewesen, aber nicht immer christlich: Zu oft hätten sie sich in den Dienst unchristlicher Ideen und Ideologien stellen lassen. Heute gelte dagegen: „Die Kirche muss nicht mehr zwei Herren dienen – sie hat einen.“

 

In ihren Glaubensüberzeugungen seien die Menschen in heutiger Zeit nicht mehr so sicher wie ihre Großeltern, sagte Steffensky: „In der Bibel bin ich Gast von Texten und Bildern. Ich lasse den alten Texten ihre Fremdheit und nehme teil an ihrer Wahrheit und Schönheit.“ Für den öffentlichen Auftrag der Kirche seien neben den Texten von Gottes Gnade auch die sozialkritischen Texte der Propheten oder der Bergpredigt wichtig: „Kirchenleute sind nicht klüger als andere. Aber sie haben biblische Texte, die es ihnen ermöglichen, die Kartelle des Schweigens zu durchbrechen.“ Dies gelte insbesondere für den Einsatz der Kirche für Arme, Leidende und für die Natur: „Der Christus der Bergpredigt ist eine glückliche Last der Kirche.“

 

„Die Ökumene ist da, wenn Sie von unten schauen“, zeigte sich Steffensky überzeugt: „Auf die Diskussionen von oben können wir noch 700 Jahre warten – die Wahrheit kommt von unten. Was die Kirchenleitungen auf Dauer nicht verhindern können, das werden sie irgendwann fördern.“ Den „Schwachsinn von Doppelstrukturen“ könnten die Kirchen auf Dauer nicht mehr aufrecht erhalten, meinte der Religionspädagoge. Ihre wichtigsten spirituellen Aufgaben seien und blieben das Gebet und der Gottesdienst.

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