Thomas, Hannah, Daniel und Katharina Binder


Wort (Predigtarchiv)


Im Anfang war das Wort

Im Gottesdienst

Das WORT steht im Zentrum meines Dienstes als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, genauer in der Kirchengemeinde Wehingen. Gemeint ist natürlich das Wort Gottes, die Bibel. Sie muß ausgelegt und für Menschen von heute ausgesagt werden, z.B. in der Jugendarbeit, im Konfirmandenunterricht und in der Erwachsenenbildung. Nicht zuletzt auch am Sonntag morgen in der Predigt.

Die hier zum Download bereitgestellten Predigten wurden in den Jahren ab 1995 bis heute geschrieben und z.T. in Predigtdatenbanken und Internetforen übernommen und veröffentlicht.

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Was bin ich wert? Predigt beim Openhouse Jugendgottesdienst 2002

Liebe Freunde,

alle Brosis-Fans wissen es schon längst: es gibt einen neuer Rekord für Bro'Sis! Bro'Sis hat vollbracht, was noch keine andere Band in Deutschland vor ihnen geschafft hat: Aus dem Stand heraus verkauften die sechs neuen Popstars von ihrer Debütsingle "I Believe" innerhalb von nur einer Woche über 800.000 Exemplare.

Das bedeutet: Platz 1 der deutschen Media Control Charts! dreifaches Gold! und neuer Rekord!  Die Band freut sich sehr über diesen Mega-Erfolg und sagt allen Fans: DANKE! Der Chart-Entry war Grund genug, in Hamburg eine lange Nacht lang abzufeiern. Bro’Sis bekamen schon jetzt ihre erste Platin-Schallplatte.

Einer von Brosis ist Giovanni, 24, geboren in Hechingen. Sein Herz schlägt für Italien, die Heimat seiner Eltern, sein Geburtsort liegt jedoch in Baden-Württemberg. Damit sagte Giovanni im Stuttgarter Casting nicht ganz die Wahrheit, als er stolz verkündete: „Ich bin Italiener aus Rom!“

Übel genommen hat die kleine Lüge dem Latin-Lover niemand, schon gar nicht Jury-Mitglied Noah. Sie fand Giannis Performance klasse und ihn einfach nur „süß“. Süß war auch das bisherige Leben von Giovanni. Gutes Essen, schnelle Autos, schöne Frauen und coole Klamotten – das sind die Dinge, die für ihn das Leben lebenswert machen.

In der Praxis heißt das: Essen im „Schwan“, dem deutsch-italienischen Restaurant seiner Eltern in Hechingen und gelegentlich mit Freunden im Turbo-Fiat eine Spritztour nach Rom zum „Mädels schauen“ machen. Doch Giovanni kann auch anders. Weil er nach der Schule feststellte, zu wenig Ahnung von Computern zu haben, ließ er sich zum Computer-Fachmann ausbilden. Und für Brosis musste Giovanni lange zittern. Sein Name fiel bei der Endauswahl erst als sechster und letzter.

Giovanni trägt ein großes Jesus-Tattoo auf dem linken Oberarm. Ihm ist der Glaube an Jesus wichtig. Er sagt: „Ich bete nicht nur zu Jesus, wenn ich etwas will. Im Gegenteil. Trotzdem habe ich ihm in der entscheidenden Phase ein paar Stoßgebete auf italienisch geschickt. Er wird gemerkt haben, dass mir die Band echt wichtig ist.“

Liebe Freunde, Giovanni wurde mit Brosis zum Star. Er führt ein Leben, das sich viele Menschen, Jugendliche und Erwachsene, heute wünschen: Gutes Essen, schnelle Autos, schöne Frauen und coole Klamotten und gelegentlich mit Freunden im Turbo-Fiat eine Spritztour nach Rom zum „Mädels schauen“ machen. Und er betet sogar zu Jesus. Das ist cool. Das ist geil. Das ist voll fett.

Geben wir es doch zu: Es ist gut, dass es Brosis und Giovanni gibt. Denn dann wird uns direkt vor Augen geführt, was wir alles nicht haben. Dann entdecken wir am schnellsten, wie weit wir selbst oft von einem solchen voll fetten Leben entfernt sind.

Wir brauchen dich, Giovanni – wir brauchen Stars, die gut sind, super aussehen, besser sind als wir selbst. Wir brauchen euch alle bei VIVA und bei MTV, wir brauchen die Boygroups und die Girliebands. Jeder Mensch hat seinen Star, den er bewundert, an dem er sich messen lassen will. Vielleicht heißen meine Stars nicht Giovanni oder Brosis, sondern es sind bekannte Sportler oder Filmschauspieler, oder Künstler. Vielleicht sind es auch ganz normale Menschen, Lehrer, Freunde oder Freundinnen, die ich bewundere.

Egal, wer meine Stars sind: Eine Frage muß ich ihnen allen stellen! Giovanni, frage ich, wer bist du? Bist du wirklich das, was du selbst von dir sagst? Oder bist du das, was andere von dir sagen? Deine Bandmitglieder? Dein Plattenproduzent? Ist Dein Leben echt oder ist alles nur Show? Machst du bei der Show mit, weil wir dich so sehen wollen? Ist dein Lächeln echt oder trägst du eine Maske, hinter der du deinen ganzen Zweifel, deine Angst und dein Versagen verbergen kannst? Ist alles nur Maskerade, super ausgedacht von der Medienindustrie, die am laufenden Band Stars produziert, Big Brother, Zlatko, Brosis? Stars, die heute in sind und morgen megaout? Gibt es nicht zu viele Masken in dieser Show, die man Leben nennt? Trägt nicht jeder eine, jeden Tag. Darum frage ich auch mich selbst:

Wer bin ich? Wer bin ich, wenn ich nicht so bin, wie die anderen? Wer bin ich, wenn ich nicht so reich, nicht so gescheit, nicht so schön bin wie sie? Wenn ich kein Star bin, wenn ich Schweißfüße habe und einen dicken Bauch, wenn ich meine Zähne eher gelb als weiß sind und ich schon in der Schule im Sport meistens von den anderen ausgelacht wurde? Wenn meine Schulnoten immer zwischen 3 und 4 pendeln und meine Lehrer nicht viel von mir halten. Wenn ich nur wenig Talente habe und sehr oft dafür zwei linke Hände. Wenn ich ganz im Stillen neidisch bin auf meine Klassenkameradin, die sich immer die besten und angesagtesten Typen abschleppt.

Diese Gedanken kennen nicht nur Teenager und Jugendliche, diese Gedanken kennen genauso unsere lieben sogenannten Erwachsenen, wenn sie versuchen, auf der Karriereleiter immer höher zu steigen und dabei in Kauf nehmen, dass andere unter die Räder kommen. Wer bin, Jugendlicher, dass ich dies alles in mir habe? Wer bin ich, Erwachsener, dass ich mir dies eingestehen muß?

Ein Jugendlicher hat geschrieben:

Ich sehe Typen, die versagen in dieser Gesellschaft, die sind unerwünscht in dieser Gesellschaft, die stehen außerhalb der Norm in dieser Gesellschaft, in der nur gilt, wer leistet, wer Erfolg hat, wer es schafft. Ich sehe Alkis und Hush-Puppies, und solche, die ewig am Stock gehen, alte Menschen, die keine Leistung mehr bringen, jetzt haben sie ein Heim und knirschen mit den Zähnen wie in der Hölle.

Ich sehe Typen, die sitzen ewig zwischen zwei Stühlen, nämlich den Stühlen von Vater und Mutter, welche sich plötzlich nicht mehr riechen können; und ich denke und wünsche: Gott, gib ihnen den Trost, daß es in deiner Gesellschaft keine Versager gibt, keiner abgestempelt, gebrandmarkt, vergessen, schikaniert fertig gemacht wird.

Wer bin ich? Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen? Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Liebe Freunde,

Die Bibel beschreibt Gott als einen, der mir ganz nahe kommt, der mich besser kennt, als ich mich selbst, der auch dann bei mir ist, wenn ich mich selbst nicht leiden kann, wenn ich neidisch werde und das Gefühl habe, dass mich keiner ernst nimmt:

Eingehüllt wie in eine warme Decke, geborgen, sicher und geschützt, umgeben von dir, von deiner Hand, Gott, so kann ich leben ein Leben lang. Du lässt mich nicht fallen, birgst mich in deiner Hand, gibst Schutz, Kraft und Segen, so kann ich leben ein Leben lang. Du lässt mich frei gehen, engst meinen Weg nicht ein, und bleibt doch neben mir als Freund, so kann ich leben ein Leben lang.

Liebe Freunde, Jesus hat uns gezeigt, wie Gott ist, er hat uns gezeigt, was Gott von Stars hält – Jeder ist für Gott ein Star, sagt Jesus, denn er will allen Menschen helfen, dass sie die Wahrheit erkennen, über sich selbst, über diese Welt und über Gott.

Jesus hat uns gezeigt: für Gott sind die Meinungen der Leute kein Hindernis, er fragt nicht nach dem, was megain oder megaout ist. Bei Gott steht wirklich der Mensch im Mittelpunkt, kein Getue, kein Rummel um Personen, keine Halbwahrheiten. Gott, sagt Jesus, fragt nicht zuerst nach deinem Bankkonto oder deinem Beliebtheitskonto. Er liebt dich so wie du bist kennt deine Art, er stellt keine Bedingungen, denn er sieht in dir ein wertvolles Geschöpf Gottes. Jesus fragt nicht nach deiner Intelligenz oder deinen Schulnoten oder deinem Arbeitszeugnis.

Nein, Jesus fragt: Wer bist du? Er trägt keine Maske, er lügt uns nicht an und deshalb können wir bei ihm auch alle unsere Masken fallen lassen. – Also: bei Gott ist der ein Star, der in der Begegnung mit Jesus gelernt hat, seine Masken fallen zu lassen und so die Wahrheit erkannt hat über sich selbst, über sein Leben und über Gott. Die wahren Stars sind die Menschen, die erkannt haben, dass sie von Gott geliebt werden, bedingungslos.

Darum -  vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und das du atmest, kein Entschluß von dir. Vergiss es nie! Dass du lebst, war eines anderen Idee, und das du atmest, sein Geschenk an dich. Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du, und niemand lächelt so, wie du`s grad tust. Vergiss es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du, und niemand hat je, was du weißt, gewusst. Vergiss es nie: Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast nur du. Vergiss es nie: Du bist reich, egal, ob ohne Geld, denn du kannst leben! Niemand lebt wie du. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. DU bist DU.

Amen.

 



Zuletzt geändert von Thomas Binder (admin)  am 07.01.2010  um 12:21
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