Im Anfang war das Wort
Das WORT steht im Zentrum meines Dienstes als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, genauer in der Kirchengemeinde Wehingen. Gemeint ist natürlich das Wort Gottes, die Bibel. Sie muß ausgelegt und für Menschen von heute ausgesagt werden, z.B. in der Jugendarbeit, im Konfirmandenunterricht und in der Erwachsenenbildung. Nicht zuletzt auch am Sonntag morgen in der Predigt.
Die hier zum Download bereitgestellten Predigten wurden in den Jahren ab 1995 bis heute geschrieben und z.T. in Predigtdatenbanken und Internetforen übernommen und veröffentlicht.
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| Gott, wo bist du? | Predigt im Open-House Jugendgottesdienst am 5.12.2009 in Deißlingen |
Wo bist du, Gott? ist unser Thema heute abend … - Wenn wir so fragen, dann setzen wir zumindest schon voraus, dass es einen Gott gibt. Das ist für viele Jugendliche nicht mehr selbstverständlich.
„Ich würde an Gott glauben, wenn er sich mal richtig zeigen würde“, sagt eine 14jährige Schülerin. Ein 18jähriger sagt: „Gott ist eine Erfindung von Menschen, die Angst vor dem Tod haben.“
Andere meinen: „Ich glaube an Gott, denn irgend einer muss doch alles gemacht haben“ – ein 15jähriger sagt: „Ich glaube, dass es Gott gibt, das zeigt doch, die ganze Geschichte mit Jesus.“
Sicher ist nur: Bisher hat es kein Volk auf der Erde gegeben, das keine Religion gehabt hat. Offenbar konnten die Menschen von Anfang an nicht leben, ohne zu fragen: „Wer hat die Welt geschaffen?“ – „Wem bin ich mit meinem Leben verantwortlich?“ – „Welchen Sinn hat mein Leben?“
Der alte Mann aus Afrika hieß Daniel. Er glaubte an Gott. Jemand wollte sich über ihn lustig machen. Er sagte: “Woher weißt du, dass es einen Gott gibt?“ Daniel antwortete: „Woher weiß ich, ob ein Mensch oder ein Huhn oder ein Esel nachts um meine Hütte gegangen ist? An den Spuren im Sand sehe ich es: Auch in meinem Leben sind Spuren eingedrückt, die Spuren Gottes.“
Die Frage: Gott, wo bist du, stellt sich jeder Mensch früher oder später in seinem Leben. Heute abend habt ihr aufgeschrieben, in welchen Situationen ihr nach Gott gefragt habt.
II Wann fragen wir nach Gott?
Erstaunlich ist: viele Menschen fragen immer dann nach Gott, wenn Sie seine Hilfe brauchen, wenn sie das Leben nicht im Griff haben, wenn etwas Schlimmes passiert.
Viele Jugendliche beten zu Gott vor einer Klassenarbeit oder einer Prüfung. Sie leben nach dem Motto: "Wir nehmen einmal an, dass es dich, Gott, gibt. Aber habe bitte Verständnis dafür, dass wir uns um dich nicht kümmern können. Wir haben einfach keine Zeit dafür. Die Schule, die Ausbildung, die Arbeit, unsere Hobbys und unsere Vereine erlauben uns nicht, dass wir uns auch noch mit dir beschäftigen können. Unser Leben ist etwas Irdisches - du, Gott, bist für den Himmel und die religiös besonders Interessierten zuständig - in unser Leben passt du einfach nicht rein. Nichts für ungut. Wir wissen, dass es eine höhere Macht gibt. Aber bitte misch dich nicht in unser Leben ein. Wir wissen schon allein, was für uns gut ist."
Andere haben den Irgendwie-Glauben. Wißt ihr, wie der geht? Sie sagen: Irgend ein höheres Wesen wird es schon geben. Irgendwie, irgendein. Irgendwie wird es schon gut gehen. Irgendwie wird Gott mich schon nicht im Stich lassen. Irgendwie werden wir später alle in den Himmel kommen. Denn irgendeiner muss doch letztlich für alles zuständig sein.
Der Irgendwie – Glaube ist ein bequemer Glaube. Irgendwie wird alles schon gut werden, aber mit mir hat das Ganze nichts zu tun. Ich selbst brauche mich nicht um Gott zu kümmern, das passiert alles automatisch. Gott wird mir erst dann wichtig, wenn es in meinem Leben nicht gut läuft, wenn ich Probleme habe, wenn ich in einer Krise stecke, dann frage ich nach ihm, dann bete ich, dass er mir hilft, dann ist er mir wichtig. Ansonsten brauche ich ihn ja nicht so dringend, da kann ich mein Leben auch ohne ihn leben.
>> Hast Du schon mal darüber nachgedacht, wann Du nach Gott fragst? Wann Gott dir wichtig ist? In welchen Situationen kommt das vor? Und noch wichtiger: Ist dir schon aufgefallen, wann du NICHT nach Gott fragst?
Die Bibel sagt: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ Jeremia 29,13-14
Ich denke, es kommt darauf an, dass wir uns auf die ernsthafte Suche nach Gott machen, dass wir anfangen, immer wieder, regelmäßig, nach ihm zu fragen. Gott will, dass wir nach ihm suchen und dass wir ihn nicht nur an ihn denken, wenn es uns gerade reinläuft.
Rabbi David, liebte es, als er noch Kind war, Verstecken zu spielen. Eines Tages spielte er wieder mit seinem Freund Henoch. Er versteckte sich, wartete lange in seinem Versteck, denn er meinte, sein Freund suchte ihn und könne ihn nicht finden, und sein Herz freute sich gar sehr. Lange wartete er so, aber vergebens; sein Gefährte suchte ihn nicht.
David kam aus seinem Versteck, fand aber den Freund nicht mehr und wurde gewahr, dass er ihn gar nicht gesucht hatte. Er lief in die Stube seines Großvaters, weinte und klagte: Ich habe mich versteckt, und der böse Henoch hat mich nicht gesucht!
Da sagte Rabbi Baruch: "Schau, so klagt Gott auch. Er hält sich verborgen, damit wir ihn suchen und finden - aber wir suchen ihn nicht."
Gott hält sich verborgen, damit wir ihn suchen und finden - aber wir suchen ihn nicht. - Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Die erste Frage heute abend lautet: Wartest du noch oder suchst du schon? Der erste Schritt ist: Ich fange an, nach Gott zu fragen in allen Bereichen meines Lebens. Dort, wo alles in Ordnung ist und auch dort, wo ich Probleme habe.
III Welchen Gott suchen wir?
Die nächste Frage, die ich mir stellen muss: Welchen Gott suche ich eigentlich? Arabella Kiesbauer, die RTL-Moderatorin, sagte einmal: „Sicher ist, da oben ist etwas. Für mich ist Gott ein sehr alter Mann mit langem weißen Bart.“
- Ist es der alte Opa: der harmlose alte Mann mit dem weißen Haar und dem langen Bart, der den Anschluss an die moderne Zeit verpasst hat, der nur altmodische Ansichten von gestern vertritt und uns deshalb kaum noch etwas zu sagen hat?
- Oder vielleicht der „Ach-das-ist-nicht-so-schlimm"-Gott: Der Gott, der alles versteht, der alles verzeiht, der nichts krumm nimmt und all Versagen milde lächelnd mit dem Mantel der Nachsichtigkeit zudeckt. Also ein Gott, der keinen besonderen Anspruch an uns stellt. Er ist sehr beliebt, weil er sehr bequem ist.
Vielleicht ist dein Gott ja auch der
- Höchstes-Wesen-Gott: das ist der Gott, den es geben muss als Ergebnis unseres Denkens, der aber keine Beziehung zu uns hat, den man nicht anrufen kann und von dem man auch keine Hilfe erwarten kann. – oder der
- Aufpasser- und Kontrolleur-Gott: der Gott, der uns ständig beobachtet, ob wir etwas falsch machen, und der sich sogar noch freut, wenn er uns bei einem Fehler erwischen kann.
- Klempner-Gott: man ruft ihn, wenn etwas nicht funktioniert. Dann hat er eiligst zu kommen um zu helfen. Sonst aber lässt man ihn in Ruhe. – oder auch der
- Ordnungs- und Leistungs-Gott: das ist der Gott der Erfolgreichen, der Tüchtigen, der Ordentlichen. Für Gescheiterte und für Versager, für Kranke und für Schwache hat er nicht allzuviel übrig.
Manche glauben aber lieber an den
- Mitmenschlichkeits-Gott: dieser Gott ist zur Zeit der modernste und gefragteste Gott. Er ist zuständig für Gastarbeiter und Obdachlose, für Unterdrückte und für die „dritte Welt". Dieser Gott ist zusammengeschrumpft auf Beziehung zum Mitmenschen.
Sehr häufig angefragt wird immer
- der Weihrauch-Gott: er kommt besonders gern zu Gast bei Hochzeiten, bei Kindstaufen und bei Beerdigungen. Man sieht ihn dann wirklich gern, auch wenn man sonst keinen besonderen Verkehr mit ihm pflegt. - Wenn er kommt, wird es immer so schön feierlich. Gelegentlich tritt er auch als Trachtenvereins-Gott auf.
Also, welcher Gott darf es denn für dich sein? Welcher passt besser in dein Lebenskonzept? Mit welchem Gott kannst Du dir dein Leben am besten vorstellen?
Eigentlich hat jeder so etwas wie einen Gott, auch wenn dieser Gott gar nichts mit Glauben und Kirche zu tun hat. Jeder hat einen Gott, dem er oder sie Geld, Zeit und manchmal auch das ganze Leben opfert. Linda hat alle CDs von Anastacia. Tobias steckt sein ganzes Geld in sein Motorrad. Lindas Vater verpasst kein Spiel von Schalke 04. Bei Tobias Mutter dreht sich alles um Wellness und Gesundheit.
Martin Luther hat einmal gesagt: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“
IV Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott - (Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein! Matthäus 6,21)
Christiane hat sich frisch verliebt. Sie kennt sich fast nicht wieder. Flugzeuge im Bauch. Die Gefühle fahren Achterbahn. Christianes Gedanken kreisen nur um Einen: so nett, so verständnisvoll, so zärtlicher Blick, er hat so schöne Hände ...
„Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz." Christiane kann das nur bestätigen.
Christian freut sich auf die Konfirmation. Dann wird er sich endlich seinen Wunsch erfüllen können. Höchstwahrscheinlich jedenfalls. Viele Zeitschriften hat er gewälzt, viele Seiten im Internet aufgerufen, mit vielen freunden hat er darüber geredet. Er weiß jetzt genau, welcher Rechner es sein soll und was der kostet. Endlich eine eigene Maschine und vor allem eine, auf der auch aktuelle Spiele laufen. Christian hat den meisten Verwandten schon bedeutet, dass sie mit leichtem Gepäck anreisen können: ihm sind Umschläge mit entsprechendem Inhalt am liebsten. Und jetzt kann er es kaum erwarten. Ob die Summe zusammen kommt? Was, wenn nicht?
„Dinge, die euch wirklich wichtig sind, bestimmen euer Leben", sagt Jesus. „Na und", meint Christian, „man schafft sich so was doch nicht alle Tage an, ich bin doch nicht blöd. Mir ist schon wichtig, dass ich mir im Laden nicht einfach irgendwas aufschwatzen lasse." Recht hat er. Und Recht hat auch Christiane.
Es gibt Menschen, Sachen, Ereignisse, die nehmen uns ganz in Anspruch. Wir denken manchmal Tag und Nacht daran, drehen die Sache hin und her. Am liebsten natürlich angenehme Dinge: verliebt sein, etwas Schönes kaufen, eine Reise in die Ferne, ...
„Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz." Jesus spricht so zu seinen Jüngerinnen und Jüngern, Freundinnen und Freunden, „ich hoffe, euer Herz schlägt auch für etwas, das sich über ein paar Tage oder Wochen hinaus lohnt. Ich hoffe, ihr könnt unterscheiden zwischen der einen Hauptsache und den vielen Nebensachen."
Nebensachen?
„Was macht ihr euch eigentlich so oft Gedanken über Geld, Klamotten, Aussehen, wie ihr auf andere wirkt und so weiter und so weiter", höre ich ihn sagen, „ wenn das überhand nimmt, dann verschwendet ihr eure Energie auf lauter Nebensachen."
Für Jesus gibt es eine Hauptsache. Petrus und Maria Magdalena und die anderen damals und Christiane und Christian und du und ich und alle die anderen heute sollen tief im Herzen wissen:
Gott, der Grund des Lebens, hat uns alle bei unserem Namen gerufen. Er stattet uns mit einer lebendigen Seele aus, mit einer reichen Gefühlswelt und mit einem Leib, der uns in Kontakt treten lässt mit allem, was geschaffen ist.
Dieser Gott vertraut uns an, gut mit dem umzugehen, was er ins Leben gerufen hat - mit uns selbst und mit den anderen- Gott traut uns zu, seine Schöpfung zu bewahren, allen Menschen gerecht zu werden und miteinander in Frieden zu leben. Das ist die Hauptsache.
Die Welt ist voller Götter. Die entscheidende Frage lautet: Wer ist in Wahrheit Gott? Auf wen kann ich mich wirklich verlassen? Wer hilft mir, einen Sinn im Leben zu finden?
Ein junger Erwachsener schreibt:
„Früher habe ich mich von meinen Freunden mitziehen lassen, nicht an Gott oder an ein höheres Wesen zu glauben. Ich machte mir auch keine weiteren Gedanken darüber. Doch eines Tages lernte ich eine Jugendgruppe kennen, die fest im Glauben an Gott stand. Sie brachten mich Gott nahe. Als ich dann mit 17 Jahren einen schweren Autounfall hatte und nur mit leichten Verletzungen „davonkam", - während mein Nebensitzer tödlich verletzt wurde -wurde mir bewusst, dass Gott noch viel mit mir vorhatte. Seither bin ich noch gefestigter in meinem Glauben an Gott geworden. Ich hatte Gott gesucht und er ließ sich von mir finden."
V Gott hat nach uns gesucht und in Jesus hat er uns gefunden
In allen Religionen der Welt suchen die Menschen nach Gott. Die Bibel sagt: Jesus ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten. Stellt dir mal vor, dass nicht du dich aufmachen musst, Gott zu suchen, sondern dass Gott dich sucht – schon dein ganzes Leben lang! Noch bevor du überhaupt an Gott denken kannst hat er schon angefangen, dich zu suchen und mit dir in Kontakt treten.Wo bist du, Gott, haben wir heute abend in diesem GD gefragt. Die Bibel gibt darauf eine einfache und klare Antwort: Wenn du wissen willst, wo Gott ist, besser noch: wie Gott ist, dann musst du auf Jesus schauen. Jesus ist unser Bruder. Er hat auf dieser Erde gelebt und gelitten. Er war den Menschen nahe, auch denen, die so waren wie du und ich. Er zeigte ihnen ihren Weg und er wird auch dich begleiten. Jesus ist unser Meister, er lebt uns vor, wie wir leben sollen. Er zeigt uns, wie ein Leben aussieht, das Sinn hat und gut ist und was ein Mensch tut, der liebt. Jesus ist unser Befreier. Er macht unsere Gedanken frei, so dass wir Gott erkennen können. Gott kommt dir in Jesus ganz nahe.
Eine Schülerin schreibt:
„Gott macht uns das Angebot, dass wir ihn durch Jesus finden können. Wenn ein Mensch sich für Gott entscheidet, ihm alles anvertrauen will, sich in seine Hände geben will, dann ist er da und behütet und sorgt sich um diesen Menschen. Ich selbst vertraue auf Gott und bin froh darüber, dass er dieses Angebot macht. Hoffentlich nehmen dieses Angebot noch viele Menschen an und können sich von der Güte Gottes überzeugen! Denn ich finde, dass es sehr großzügig von ihm ist, wie er sich den Menschen, allen Menschen, anbietet, auch denen, die ihn verachten. Also, sucht ihn!!"
Amen.
Zuletzt geändert von Thomas Binder (admin) am 08.01.2010 um 10:06
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