Thomas, Hannah, Daniel und Katharina Binder


Wort (Predigtarchiv)


Im Anfang war das Wort

Im Gottesdienst

Das WORT steht im Zentrum meines Dienstes als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, genauer in der Kirchengemeinde Wehingen. Gemeint ist natürlich das Wort Gottes, die Bibel. Sie muß ausgelegt und für Menschen von heute ausgesagt werden, z.B. in der Jugendarbeit, im Konfirmandenunterricht und in der Erwachsenenbildung. Nicht zuletzt auch am Sonntag morgen in der Predigt.

Die hier zum Download bereitgestellten Predigten wurden in den Jahren ab 1995 bis heute geschrieben und z.T. in Predigtdatenbanken und Internetforen übernommen und veröffentlicht.

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Jesus in seinen Milieus Andacht im Fachausschuss Konfirmanden- und Jugendarbeit des ejw Württemberg, November 2009

Und es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus vor die Füße. Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn und er heilte ihre Kranken, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an. Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Ich staune, Jesus, wie Du die Milieus Deiner Zeit erreicht hast. Scheinbar mühelos dringst Du zu ihnen durch. Ja, besser noch, du brauchst nicht mal eine Geh-Struktur aufbauen: sie kommen sogar zu dir und legen Dir ihre Probleme hin: ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Fragen nach Zukunft und Sinn.

Wie hast du das gemacht, Jesus? Was war der Trick? Ich beobachte, dass du dir deinen Jünger ganz bewusst aus möglichst vielen verschiedenen Milieus ausgesucht hast. Mit deiner Entscheidung für einen Zwölferkreis hattest du alle 12 Stämme Israels mit ihren jeweils verschiedenen Gebieten und Traditionen im Blick. Du hast also in deinen Mitarbeiterstab sowohl Menschen unterschiedlicher geografischer Herkunft und kultureller Verwurzelung aufgenommen, als auch Vertreter von gegensätzlichen Lebensentwürfen und Gesellschaftsmodellen. Deine Zwölf hatten Multiplikationsfunktionen auch in ihre jeweiligen Herkunftsmilieus hinein.

Ich staune, Jesus, wie Du das einfach so hingekriegt hast, ohne vorher eine Studie in Auftrag zu geben. Du hast damit, so könnte man sagen, den Grundstein für eine „milieusensible Kirche“ gelegt.

Du hattest Umgang mit

  • herrschenden Etablierten (Pharisäern, Schriftgelehrten) und mit
  • fremdherrschaftlich legitimierten jungen Performern (römischer Hauptmann [Lk 7, 1-10], Zachäus [Lk 19,1-10], Levi, Zöllner [Mk 2,13-17])

Du berufst sowohl

  • junge Performer
  • als auch Angehörige der bürgerlichen Mitte (Fischer) als Jünger,

Du hast Kontakt zu einer

  • ökonomisch prekären Witwe (Mk 12,41-44),
  • und bist Tischgenosse ehemaliger “HedonistInnen” (Huren, SünderInnen: Lk 7,36-50)

Du vertreibst diejenigen, die mit Religion Geschäfte machen, mit Stricken aus dem Tempel (Mk 11,15-19). Du heilst sowohl Reiche - wie durch jahrzehntelange Arztrechnungen völlig Verarmte (Mk 5,26).

Jesus, ich staune. - Dann tauche ich auf aus den Seiten meiner Bibel und werfe einen Blick in eine andere Schrift, die mir die Realitäten meiner Gegenwart vor Augen führt:

In der Mitgliederstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland von 2006 werden die „Lebensstile“ der Menschen, die sich in der evangelischen Kirche engagieren, in den Blick genommen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass wir nur noch wenige dieser „Glaubensstile“ erreichen. Faktisch richtet die Evangelische Kirche damit ihr Wirken nicht an „alle Welt“, sondern lediglich an einige Glaubenswelten.

Klar, wir erreichen mit den Angeboten der ev. Jugendarbeit zwar überraschend viele Jugendliche, sind erfolgreich - das hat die evangelische Jugendstudie ergeben und das kann nicht häufig genug betont werden - aber wir erreichen zunehmend auch nur einen recht schmalen Ausschnitt der verschiedenen Jugendmilieus und Lebenswelten.

Da geht es uns hier im FA KA-JA besser. Denn immerhin 93% aller evangelischen Jugendlichen in Deutschland nehmen am Konfirmandenunterricht bzw. der Konfirmandenarbeit teil. In keinem anderen Arbeitsgebiet finden sich so viele unterschiedliche Jugendlichen aus fast allen vorhandenen Milieus wie in diesem Bereich.

In 84% der Gemeinden sind neben Pfarrerin bzw. Pfarrer weitere Personen in der Konfirmandenarbeit aktiv, zumeist Ehrenamtliche (landeskirchenweit insgesamt 5500).

Hier liegen große Chancen, aber auch noch große Herausforderungen. Denn verwunderlich ist doch, dass Diakone bzw. Jugendreferenten in 69% der württembergischen Kirchengemeinden nicht einmal punktuell Kontakt zur Konfirmandenarbeit haben. Auch in anderer Hinsicht, zum Beispiel im Blick auf gemeinsame Aktionen von Konfirmanden- und Jugendarbeit vor Ort, sind die Verknüpfungen zwischen den Arbeitsfeldern noch längst nicht überall in Gang gekommen. Dies ist vor allem deshalb bedauerlich, weil das steigende Interesse, sich an einer christlichen Jugendgruppe zu beteiligen, zu den wenigen sehr deutlichen Folgen der Konfirmandenzeit zählt.

Die Aufgaben des FA sind also alles andere als erledigt. Zu fragen ist:

  • Was sind die spezifischen Aufgaben von Jugendarbeit heute?
  • Welche Ziele sind lohnend, welche Ziele sind SMART genug, um uns neu und nachhaltig in Kontakt mit den verschiedenen Milieus von Jugendlichen innerhalb und vor allem außerhalb unserer Kirche zu bringen?
  • Was kann gerade eine gelungene Verknüpfung von KA und JA dazu beitragen? 

Als Jesus das hörte, fuhr er von dort weg in einem Boot in eine einsame Gegend allein. Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten. Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Das Volk jammert mich; denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege.




Zuletzt geändert von Thomas Binder (admin)  am 06.01.2010  um 12:51
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