Thomas, Hannah, Daniel und Katharina Binder


Wort (Predigtarchiv)


Im Anfang war das Wort

Im Gottesdienst

Das WORT steht im Zentrum meines Dienstes als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, genauer in der Kirchengemeinde Wehingen. Gemeint ist natürlich das Wort Gottes, die Bibel. Sie muß ausgelegt und für Menschen von heute ausgesagt werden, z.B. in der Jugendarbeit, im Konfirmandenunterricht und in der Erwachsenenbildung. Nicht zuletzt auch am Sonntag morgen in der Predigt.

Die hier zum Download bereitgestellten Predigten wurden in den Jahren ab 1995 bis heute geschrieben und z.T. in Predigtdatenbanken und Internetforen übernommen und veröffentlicht.

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Gott bereut nichts Abschiedsandacht Kirchengemeinde Weinsberg, Frühjahr 2000

 „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“(Röm 11,29)

Liebe Gemeindeglieder,

Nach dreieinhalb Jahren Dienst in Ihrer Kirchengemeinde ist für mich als Pfarrer z.A. der Moment gekommen, „Adieu“ zu sagen. In den letzten Tagen hat mich ein Wort beschäftigt, das für mich sehr viel mit dieser Kirchengemeinde und ihren Menschen zu tun hat: Gottes Gaben und seine Berufung an uns. In meiner Zeit hier habe ich viele Menschen mit großen Gaben kennengelernt, viele davon sind mir sehr nahe gekommen – beruflich und menschlich-, deshalb fällt mir der Abschied – trotz neuer und herausfordernder Aufgaben – nicht leicht.

Doch gerade mit den Menschen, die einem nahe stehen, mit denen man eng zusammenarbeiten will oder muss, fällt es manchmal um so schwerer zu leben, weil sie mich eben dauernd angehen, weil sie mir so dicht auf den Leib und auf die Seele rücken. Wie können wir als Christen in der Kirche, in einer Kirchengemeinde so zusammen leben, dass wir einander stehen lassen, so wie wir sind, mit all den Verschiedenheiten, die uns eigen sind, mit all den unterschiedlichen Geschmäckern, Vorlieben, Schwerpunkten, Frömmigkeitsstilen, Gebetsformen, Gedanken, Gebeten und Liedern? In den vergangenen drei Jahren habe ich diese Verschiedenheit oft erleben dürfen und müssen. Oft war sie fruchtbar und anregend, ebenso oft mühsam und lähmend, manchmal ärgerlich.

In der Jugendarbeit, für die ich schwerpunktmäßig zuständig war, sind mir viele engagierte Jugendliche begegnet, die anfangs noch draußen standen, vor den Toren unserer Gemeinde, die sich dann irgendwann getraut haben, hereinzukommen und von denen manche nun einen festen Platz in ihr gefunden haben. Für all die guten und lebendigen Erfahrungen mit euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Jugendmitarbeiterinnen und –mitarbeiter, liebe Godi-Bandler, möchte ich mich herzlich bedanken. Auch für euch gilt der Satz: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Unterschiedlich waren auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Doch eines habe ich lernen dürfen - und das sage ich mit Nachdruck: eine gute Teamarbeit zwischen den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einer Kirchengemeinde ist durch nichts zu ersetzen. Das Pfarrerbild unserer Kirche soll und wird sich wandeln: weg von der Gutsherrenart der altwürttembergischen Pfarrherren, hin zu einem Team verschieden begabter, mit unterschiedlichen Schwerpunkten betrauter Pfarrerskollegen. Davon ist in dieser Gemeinde schon viel zu spüren und auch für euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, gilt dieser Satz: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Ich denke, die Kirchengemeinde in Weinsberg befindet sich auf einem guten Weg, einem Weg, der nicht immer einfach ist und niemals einfach sein wird - Kirche zu sein in einer sich immer rascher ändernden Welt; Kirche zu sein zwischen Tradition und Innovation, mit Menschen aus dem Kern und vom Rand der Gemeinde, mit alten und jungen Menschen, denen allen ein Platz darin zusteht. So ist mein Wunsch für unsere Kirchengemeinde zugleich eine Verheißung, die aber kein Hauptamtlicher dieser Welt, sondern nur Gott selbst erfüllen kann: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 



Zuletzt geändert von Thomas Binder (admin)  am 06.01.2010  um 13:00
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