Was nützt Ostern?

Was nützt Ostern?

Gedanken über die Auferstehung und das Leben

Ostern hilft sterben und leben. Das hat Hans-Joachim Eckstein an sich und anderen erfahren. Rundfunkpfarrer Wolf-Dieter Steinmann hat sich mit dem emeritierten Professor für Neues Testament in Tübingen getroffen.

Altarraum Albanuskirche in Aichtal © EMH / Dilg

Ostern bedeutet Hans-Joachim Eckstein viel: Als Professor für Neues Testament und persönlich. Schon als Kind war es sein christliches Lieblingsfest.

„Es war für mich immer eine Zeit des Auflebens. Es wird wieder Licht, es wird wieder warm, wir konnten wieder rausgehen und spielen. Die Welt war wieder offen und hoffnungsvoll.“

Etwas nie Dagewesenes

Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass ein Mensch, der gestorben ist, nicht einfach tot bleibt. Aus und vorbei. Schon die Frauen und Männern, die vor 2000 Jahren mit Jesus zusammen waren, konnten das erst nicht fassen, weil sie etwas nie Dagewesenes erlebt haben.

Professor Hans-Joachim Eckstein © Lea Weidenberg

„Wichtig ist, dass Ostern nicht bedeutet: Jesus ist als Scheintoter wieder auferweckt worden. Er bekommt ein neues Leben über diese Sterblichkeit hinaus. Gott braucht die Materie nicht, um uns aufzuerwecken. Damit ist Jesus der Erstgeborene, der ältere Bruder. So wie Gott an ihm handelt, wird er auch an uns handeln.“

Und Hans Joachim Eckstein ist wichtig, Auferstehung bedeutet auch: Jesus ist nicht gescheitert. Seine Gegner haben nicht Recht behalten. Jesus war für Kinder, Kranke und Ausgegrenzte ganz da. Er hat dafür gelebt, die Welt glückselig zu  machen. Nächstenliebe bleibt ein Wert, der ewig zählt.

„Dass Gott tatsächlich alle Menschen gleich lieben soll, Verlorene oder Gerechte, Männer oder Frauen, Israeliten und Nichtisraeliten, das war das Provozierende.  Schließlich ist er dafür auch gekreuzigt worden. Aber Gott hat das Leben, die Verkündigung, die Person Jesu bestätigt.“

Alles verändert sich

Eine Ostergeschichte mag Hans Joachim Eckstein besonders: Da steht Maria, eine von seinen Jüngerinnen, todtraurig am Grab Jesu. All ihre Lebensträume scheinen geplatzt. Sie kommt sich vor, als sei ihr Leben nur noch Vergangenheit. Und dann begegnet ihr der Auferstandene, erzählt die Bibel.

„Dann tritt plötzlich eine Realität in unser Leben, die alles verändert. Christus spricht sie an, warum weinst Du, wen suchst Du? Auferstehung bedeutet nicht ein Ausblenden von Schmerzen, von Altern, von Verlust. Aber es ist eine neue Hoffnung, die mich abholt, wo ich stehe, und die mich einlädt zu einer neuen Begegnung.“

Die ersten Christen haben mit dem Glauben an die Auferstehung auch die Zeit neu erlebt und verstanden: Auf einmal kommt da noch was Neues.

Rundfunkpfarrer Wolf-Dieter Steinmann © EMH

Ein Schub ins Leben

Beweisen kann man nicht, dass Jesus auferstanden ist. Das will Hans-Joachim Eckstein auch nicht. Er hat lange als Professor und Historiker gelehrt. Da versucht man vernünftig und kritisch plausibel zu machen, was gewesen sein könnte. Aber er glaubt auch. Und das ist für ihn kein Widerspruch. „Wir sollten nicht denken, dass unser kleines Hirn die gesamte Wirklichkeit erkennen kann“, findet er.

„Ich bin nicht selbst gespalten als Theologe. Ich kann genau trennen. Wann mache ich eine Aussage aus meinem Glauben heraus und wann mache ich eine Aussage als Historiker.“

Mit 17 hat er den Glauben an Ostern für sich gefunden. Es war ein Schub ins Leben, findet er. Und das beobachtet er auch an anderen Menschen. Es belebt, wenn ein Mensch hofft. Wenn er spürt, ich habe eine Zukunft.

„Einerseits ist in Vorfreude das Unangenehme nicht ganz so unangenehm. Und umgekehrt vor dem Urlaub z.B. erfahren wir, dass wir Dinge, die wir Monate vor uns herschieben, plötzlich in Tagen bewältigen. Hoffnung relativiert und motiviert. So haben auch die ersten Christen gelebt: Mit dem Herzen im Himmel und mit beiden Füßen auf der Erde.“

Auferstehung erleben

Eins spüre ich aus jedem Wort, das Hans-Joachim Eckstein sagt: Auferstehung gibt nicht nur eine Perspektive über den Tod hinaus. Auferstehen, das kann ich auch jetzt schon erleben.

„Wenn ich weiß, ich bin gewollt und wo ich hingehe, werde ich erwartet, dann setzt das etwas frei. Wer an die Auferstehung glaubt, für den beginnt das ewige Leben schon hier. Der hat den Tod schon hinter sich.“

Eckstein denkt dabei vor allem daran, wie wir Beziehungen leben. Ob da etwas von der Liebe für alle Menschen zu spüren ist wie bei Jesus. Christen glauben ja, lieben können. Das verbindet uns Menschen mit Gott. Auch wenn es da diesen Unterschied gibt:

„Gott mag uns vollkommen lieben, aber er ist oft nicht greifbar. Menschen sind für uns greifbar, aber sie können uns nie vollkommen lieben. Aber sie können sich gegenseitig abholen in den Tränen und abholen am leeren Grab und hinführen zum Leben. Sie können Fenster öffnen in die Zukunft.“

Und Eckstein erinnert mich daran, was Jesus über sich gesagt hat: „Er ist wie ein Weizenkorn. Das wird gesät und vergeht. Zuerst. Aber dann wachsen neue Körner draus.“ So könnte es auch sein mit unserem Tod. Dass Neues mit uns geschieht.

Und es ist ein Programm fürs Leben.

„Wenn ich jetzt schon bereit bin meine Einsamkeit, Eitelkeit, meine Verletztheit und meine Kränkung loszulassen, dann mache ich die Erfahrung: ich habe gewonnen.“

Aus der Sendung „Begegnungen“ in SWR 1 vom 1. April 2018

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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