Stiften macht Sinn

Stiften macht Sinn

Pfarrer Helmut Liebs zum 10-jährigen Jubiläum der Landeskirchenstiftung

Die Bilanz der Landeskirchenstiftung kann sich sehen lassen: 81 neue Stiftungen sind in den vergangenen zehn Jahren im Bereich der Landeskirche neu entstanden, 142 gibt es nun insgesamt. 2.600 Menschen haben 29 Millionen Euro für kirchliche und diakonische Zwecke gestiftet. Warum sind Stiftungen so erfolgreich? Pfarrer Helmut Liebs, in der Landeskirche zuständig für Fundraising und Stiftungsmanagement, erklärt das im Interview mit Ute Dilg. 

Pfarrer Helmut Liebs © EMH/Gottfried Stoppel

Warum engagiert sich die Landeskirche im Bereich Stiftungen?
Wenn wir als Kirche Menschen das Angebot machen, sich mit ihren finanziellen Möglichkeiten an sinnhaften Anliegen zu beteiligen, dann tun sie das beim Thema Stiftung in sehr großzügiger Weise. Das hat mir ein Gespräch bei der Gründungsfeier der Stiftung für die Stadtkirche in Nürtingen vor einigen Jahren klar vor Augen geführt. Ich habe damals eine Unternehmerin gefragt, die 10.000 Euro gestiftet hatte: „Wie kommt es, dass Sie so viel Geld geben?“ Ihre Antwort: „Ich habe wenig Zeit, mich am Gemeindeleben zu beteiligen. Mit meinem Beitrag kann ich meine Verbundenheit zur Kirche ausdrücken.“

War das der Anstoß, die Landeskirchenstiftung zu gründen?
Das war ein Aspekt. Außerdem haben sich immer mehr Kirchengemeinden, Einrichtungen und Einzelpersonen an die Kirchenleitung gewandt, weil sie eine Stiftung gründen wollten, aber nicht genau wussten, wie das geht. Das war Anfang der 2000er Jahre. Um diese Beratung systematischer zu organisieren, hat man schließlich zum 1. Januar 2008 die Landeskirchenstiftung gegründet. Wir bieten Erstberatung an, Unterstützung beim Marketing, bei der Verwaltung, der Geldanlage und der Rechnungsprüfung. In dem Maße, in dem diese Serviceangebote bekannt wurden, nahm auch die Nachfrage zu. So sind in den vergangenen zehn Jahren 81 neue Stiftungen im Bereich der Landeskirche gegründet worden. Insgesamt gibt es derzeit 142.

Die Landeskirchenstiftung fördert aber auch eigene Projekte.
Das ist neben dem Serviceangebot ihre zweite Aufgabe. Kirchengemeinden, kirchliche Einrichtungen und Initiativen können bei uns einen Förderantrag stellen; ein Kuratorium sichtet und bewertet die Anträge und macht der Kirchenleitung einen Vorschlag, welche Projekte gefördert werden sollen.

Welche Projekte sind das zum Beispiel?
Das ist zum Beispiel eine Initiative der Mitternachtsmission in Heilbronn für ausstiegswillige und ausgestiegene Prostituierte oder ein Projekt in Villingen-Schwenningen für Familien in prekärer Lebenssituation. Gefördert wurden auch die Sanierung einer sehr alten, nahezu baufälligen Kirche in Herrenberg oder ein Projekt des Pädagogisch-theologischen Zentrums zur Entwicklung digitaler Arbeitsmaterialen für die Konfirmanden- und Jugendarbeit. Wichtig ist, dass die Projekte den Charakter des Besonderen haben. Wir wollen nicht die Regelarbeit fördern. Dafür erhalten die Kirchengemeinden Kirchensteuern. 


Jubiläumsprogramm
Anlässlich des 10jährigen Bestehens der Landeskirchenstiftung lädt die Evangelische Landeskirche in Württemberg zu verschiedenen Veranstaltungen zwischen Februar 2018 und Januar 2019 ein.

Das Festprogramm beginnt mit der Jahresfeier am 5. Februar 2018 mit einem Festvortrag von Prof. Andreas Barner, dem Präsidenten des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.

Weitere Höhepunkte sind eine „Nachtschicht“ mit Esther Schweins in der Stuttgarter Johanneskirche, ein Gospelkonzert der 500 Stimmen in der Stuttgarter Liederhalle, ein Brunch auf Schloss Stetten bei Künzelsau, eine Stiftungstour und ein Stiftungscafé sowie eine Benefizauktion. Deren Schirmherrin ist die Germanistin Dr. Auma Obama, Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barak Obama.

Die Feierlichkeiten enden mit der Jahresfeier am 16. Januar 2019 mit einem Stummfilmkonzert von Attila Kalman.


Wann berät die Landeskirchenstiftung eine Stiftungsinitiative? Gibt es Kriterien dafür?
Wir unterstützen ausschließlich kirchliche Stiftungen im Bereich der Landeskirche bzw. Privatpersonen, die eine Stiftung mit kirchlichem Zweck errichten wollen. Es muss also um Verkündigung, Seelsorge, Jugendarbeit, Diakonie, die Erhaltung von Kirchen oder beispielsweise Kirchenmusik gehen.

Viele Stiftungen haben wegen des seit Jahren herrschenden Zinstiefs zu kämpfen. Gefährdet das die Stiftungsarbeit der Landeskirche?
Es ist sicherlich schwerer geworden zu vermitteln, dass eine Stiftung etwas Sinnvolles sein kann – auch in Zeiten von Niedrigzinsen. Das zeigt sich an der sinkenden Anzahl der Neugründungen in den vergangenen Jahren. Allerdings sind Stiftungen auf Dauer angelegt. Sie sind nicht dazu da, maximale Rendite zu erwirtschaften, sondern einen Stiftungszweck zu verwirklichen. Für Menschen, die langfristig denken, wird das Thema Stiften deshalb weiterhin interessant bleiben. Und was das Vermögen der Landeskirchenstiftung und der von ihr verwalteten Stiftungen angeht: Wir hatten auf die zehn Jahre gesehen immerhin einen durchschnittlichen Zinsertrag von knapp drei Prozent.

Welche Zwecke fördern die Stiftungen im Bereich der Landeskirche?
Etwa die Hälfte fördert den Erhalt von Kirchengebäuden und das Gemeindeleben, das darin stattfindet. Meistens handelt es sich dabei um große, oft mittelalterliche Kirchen mit dauerhaftem Renovierungsbedarf. Dieses Anliegen lässt sich sehr leicht vermitteln, denn die Kirche soll ja im Dorf bleiben. Etwa ein Drittel der Stiftungen haben einen diakonischen Zweck. Die weiteren fördern die Kinder- und Jugendarbeit, Bildungsangebote oder Kulturelles.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Worüber werden wir in zehn Jahren reden, wenn es um das Stiftungswesen der Landeskirche geht?
In zehn Jahren werden wir verstärkt sehen, dass Menschen, die sich schon zu Lebzeiten für eine Stiftung engagiert haben, diese in ihrem Testament bedacht haben. Anfragen zum Stiften per Nachlass nehmen zu. Und das macht auch Sinn. Denn eine Stiftung zu bedenken, ist für viele auch deshalb interessant, weil das Stiftungsvermögen – schwäbisch gesprochen – nie vervespert wird, sondern dauerhaft wirkt. Das ist eine schöne Vorstellung. Viele Menschen freuen sich, wenn sie etwas entdeckt haben, das ihr Vermögen langfristig und über den Tod hinaus mit einem Sinn verbindet.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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