„Meine Seele preist den Herrn“

„Meine Seele preist den Herrn“

Eine Andacht zum dritten Advent von Pfarrerin Karoline Rittberger-Klas

Maria, die Mutter Jesu, war eine Prophetin. Mit ihrem Loblied Magnificat macht sie den Menschen Mut, selbstbewusst und dankbar zu sein. Und sie fordert sie heraus, sich für andere einzusetzen. So stimmt sie auf Weihnachten ein, sagt Pfarrerin Karoline Rittberger-Klas in ihrer Andacht zum 3. Advent. 

Karoline Rittberger-Klas © privat

Maria, die Mutter Jesu, war eine Prophetin. Von ihr wird an Weihnachten wieder viel erzählt und gesungen. An der Krippe steht das Bild der liebevollen Mutter im Vordergrund, den Säugling an der Brust. Aber die Bibel kennt noch andere Seiten von Maria. Als selbstbewusste, ja kämpferische Frau, als Prophetin, die Gottes Willen verkündet – so zeigt sie das Magnificat, ihr Lobgesang. Sie stimmt ihn an, nachdem sie verstanden hat, mit was für einem Kind sie schwanger ist: „Magnificat anima mea Dominum“ – Meine Seele preist den Herrn.

Mich berührt der Lobgesang Marias nicht nur in der beschwingten Musik des Kanons aus Taizé. Marias Gebet ist im Lukasevangelium der Bibel zu finden. Ihr Psalm – nichts anderes ist das Magnificat – hat auch inhaltlich zwei Seiten, die mich besonders ansprechen:

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan […].

Diese Frau weiß, dass sie Teil von etwas Großem ist. Und sie kann sich selbstbewusst darüber freuen. Das ist das erste, was mich an ihrem Lobgesang beeindruckt. Maria stellt ihr Licht nicht unter den Scheffel, aber sie wirkt dabei nicht hochmütig, sondern dankbar. Sie weiß, dass sie ihre besondere Rolle nicht sich selbst verdankt, sondern Gott.

Aber nicht nur von und für sich selbst spricht Maria in ihrem Gebet. Auch von Gott erzählt sie. Das ist das zweite, was mich beeindruckt. Denn das, was sie über Gott sagt, ist nicht bequem:

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.

Indem sie von Gott spricht, bezieht sie auch die Benachteiligten mit ein: „Hört gut zu, die ihr reich seid an Geld und Einfluss. Überlegt genau, was ihr tut. Denn unser Gott ist auf der Seite der Armen.“ So haben es jahrhundertelang vor ihr die Propheten in Israel gesagt. Maria ist eine von ihnen, eine Prophetin.

Die Maria, die ich im Magnificat finde, macht mir Mut und fordert  mich heraus. Sie macht mir Mut, mich selbstbewusst und dankbar daran zu erfreuen, wer ich bin und welche Aufgaben mir zugetraut sind. Und sie fordert mich dazu heraus, dass ich mich mit der Kraft, die mir daraus erwächst, für andere einsetze. Besonders für die, denen es weniger gut geht als mir.

So stimmt mich Maria auf besondere Weise auf Weihnachten ein – und ich stimme an diesem Adventssonntag gerne in ihren Lobgesang ein: „Magnificat anima mea Dominum“.

Ursprünglich ausgestrahlt als SWR 2 Lied zum Sonntag.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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