Landesbischof July zu Karfreitag und Ostern

Gott hat die Welt auf den Kopf gestellt

Karfreitags- und Osterbotschaft 2017 von Landesbischof July

Zu Karfreitag und Ostern schreibt Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July:

Landesbischof Frank Otfried July © Wilhelm Betz Fotografie

Reihenfolge im Kopf: erst Freud, dann Leid. Schlag nach zum Beispiel in den Familiennachrichten der Zeitungen! Da stehen unter der Überschrift „Freud und Leid“ an erster Stelle die Geburten und an letzter Stelle die Sterbefälle: Auf das Leben folgt der Tod, nach dem Lachen kommen Tränen und Trauer. Das ist die Reihenfolge, wie die Welt sie kennt. Wie wir sie auch selber oft genug kennen. Und das ist die Reihenfolge, die wir in diesen Tagen immer wieder erleben: Terroranschläge in London, St. Petersburg, Stockholm, Ägypten; Kriegsgräuel in Syrien, Tote in Mossul; und, und, und … Das Leid und der Tod, die enttäuschten Hoffnungen und die Vergeblichkeiten so vielen friedvollen Bemühens.

Die Augen des Glaubens aber sehen in all diesen Bedrängnissen noch eine andere Perspektive, und die rührt von Karfreitag und Ostern her: In allem Leid, in aller Bedrängnis, in aller Todeswirklichkeit wird uns die Wirklichkeit des Ostergeschehens zu-gemutet. Freud und Leid, ja – aber jetzt auch und vor allem umgekehrt Leid und Freud! Dabei ist das Zweite das sehr viel Tröstlichere: Nach dem Tod kommt Leben in der Gegenwart Gottes. Die Tränen werden abgewischt und machen einer neuen Wirklichkeit Platz. Anders ausgedrückt: Mit den Augen des Glaubens sieht man besser und erkennt, dass Gott mit Karfreitag und Ostern die Welt auf den Kopf gestellt hat und den Fratzen des Todes, des Hasses und der Vergeblichkeit das Gesicht des Osterfriedens entgegenstellt: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15,55.57)

Dabei bleiben Karfreitag und das Leid und der Tod harte Realität. Niemand wird dies leugnen. Aber Ostern und mit ihm die Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten sagen: Gott will es dabei nicht belassen. Vielmehr sollen Angst, Tod, Tränen und Trauer dem Leben und mit ihm neuer Hoffnung Platz machen. Es liegt an uns, Gott an die Hand zu gehen und Spurenleser der Hoffnung zu werden. Dort, wo Menschen in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens mit Nahrung und Medikamenten unterstützt werden. Dort, wo wir uns gegen Hasssprache und Hetze stellen. Dort, wo wir uns gegen noch mehr Waffen und noch mehr Kriegsinterventionen wenden. Dort, wo wir Menschen von Ostern erzählen und sie sich nicht mehr selbst stark und gewalttätig machen müssen, weil Gott sich für sie stark macht.

Leid und Freud statt Freud und Leid: Ja, seit Jesu Tod und Auferstehung gibt es eine neue Reihenfolge! Oder um mit Brennan Manning zu sprechen: „So wahr der Karfreitag sein mag – wir sind gewiss, dass der Ostersonntag vor uns liegt.“

Einen gesegneten Karfreitag und ein ebensolches Osterfest wünscht

Ihr

Frank Otfried July

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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