"Kirche in der einen Welt"

Ethik des Genug

Jahresempfang von Prälat Dr. Christian Rose in der Sindelfinger Martinskirche

„Wie kann es gelingen, dass Menschen überall auf der Welt menschenwürdig leben können?“ fragte der evangelische Prälat Dr. Christian Rose zu Beginn seines diesjährigen Empfangs am Abend des 21. Oktober. Der Reutlinger Regionalbischof hatte Gäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft in die Sindelfinger Martinskirche eingeladen. „Kirchen in der einen Welt“ lautete das Thema des Abends, das von zwei Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wurde: von der Soziologin, Theologin und Politikwissenschaftlerin Dr. Imme Scholz und von dem evangelischen Pastor Dr. h.c. Samuel Yameogo aus Burkina Faso.

Prälat Dr. Christian Rose im Gespräch mit Dr. Imme Scholz. © Andreas Föhl

Die biblischen Traditionen mit ihrer „Theologie des Lebens“ und einer „Ethik des Genug“ seien Leitbilder für ein neues Verständnis von Entwicklung, sagte Dr. Imme Scholz. Der Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten beispielsweise könne ein Vorbild für die Befreiung vom Konsum- und Wachstumszwang sein. Entwicklung dürfe nicht länger bedeuten, dass die armen den reichen Nationen nacheiferten, erklärte die stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn. Angesichts der „ökologischen Grenzen dieses Planeten“ bedürfe es eines „universalen Transformationsprozesses“. Nicht nur die armen Länder, sondern auch die reichen müssten sich verändern. Ziel sei eine nachhaltige Entwicklung, die soziale Gerechtigkeit einschließe und die ökologischen Grenzen der Erde nicht überschreite. Eine solche Nachhaltigkeit könne nur durch weltweite Verständigung erreicht werden. Scholz sah dabei die Kirchen auf einem guten Weg. Die Kirchen führten eine notwendige Debatte über gemeinsame ethische Maßstäbe, attestierte die Soziologin. Die ökumenische Zusammenarbeit von Kirchen aus unterschiedlichen Teilen der Erde stärke zudem die erforderliche internationale Verständigung.  

Pastor Dr. h.c. Samuel Yameogo referierte auf Französisch, Dekan Dr. Bernd Liebendörfer übersetzte. © Andreas Föhl

Eine solche Zusammenarbeit verbindet den Kirchenbezirk Böblingen seit rund 50 Jahren mit der protestantischen Kirchenföderation in Burkina Faso. Deren Präsident, Samuel Yameogo, berichtete vom guten Miteinander der Religionen in seiner Heimat. In Burkina Faso gebe es Protestanten, Katholiken, Muslime und Angehörige animistischer Religionen. Oft verliefen die Grenzen zwischen den Religionen durch die Familien hindurch. So erzählte Yameogo, sein Urgroßvater sei zwar Animist gewesen, von dessen drei Söhnen sei dann aber einer Katholik, einer Protestant und einer Moslem geworden. Dies habe den Zusammenhalt und die Solidarität in der Familie jedoch nicht beeinträchtigt. In Burkina Faso arbeiteten die Religionen eng zusammen. So hätten bereits in den 70er Jahren Muslime und Christen gemeinsam den Opfern einer großen Trockenheit geholfen und 2007 sei ein interreligiöses Bündnis gegen AIDS entstanden. Die Religionen lebten in Burkina Faso auch deshalb friedlich zusammen, weil der interreligiöse Dialog politisch gewollt sei und gefördert werde. Der Staatschef persönlich leite im kommenden Jahr eine Konferenz, die den interreligiösen Dialog zum Thema habe, berichtete Yameogo. Ein wichtiger Faktor für das gute Miteinander sei die Bildung, betonte der Pastor: „Bildung ist eine Festung gegen religiösen Extremismus“. 

Im von Prälat Christian Rose moderierten Podiumsgespräch, sagte Gisela Winkler, die seit 33 Jahren im Kirchenbezirk Böblingen in der Zusammenarbeit mit Burkina Faso engagiert ist: „Das wichtigste Instrument der Partnerschaft ist die persönliche Begegnung“. Die Zusammenarbeit funktioniere, weil man sich auf Augenhöhe begegne, so Winkler. Der reiche Norden gebe nicht einfach dem armen Süden, sondern man profitiere gegenseitig voneinander. Als Beispiel nannte die Vorsitzende des Bezirksausschusses Burkina Faso, die jährliche Mango-Aktion bei der jedes Jahr 90.000 Mangos aus Burkina Faso im Kirchenbezirk Böblingen verkauft werden. Der Erlös kommt Schulen in dem afrikanischen Land zu Gute. 

Musikalisch wurde der Abend von Stefan Charisius und Mori Diubate gestaltet. Das Duo sang afrikanische Lieder und begleitete sie auf den traditionellen westafrikanischen Instrumenten Kora und Balafon. Beim anschließenden Empfang konnten die Gäste miteinander und mit Gastgeber Prälat Rose ins Gespräch kommen. Rose hatte Sindelfingen als Ort seines diesjährigen Empfangs ausgewählt, weil der Prälat den Kirchenbezirk Böblingen, zu dem auch Sindelfingen gehört, im Herbst und Frühjahr im Rahmen seiner Visitation besucht.

Quelle: Pfarrer Andreas Föhl, Medienbeauftragter Prälatur Reutlingen

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
Bitte lesen Sie den ganzen Text auf der Originalseite des Feeds – zur Quelle