Engagement für Leprakranke als Lebenswerk

Evangelische Landeskirche Württemberg

Esslingen. Auch wenn er in seinem Lebenslauf für das Jahr 1997 vermerkte „endgültiger Ruhestand“ – so ganz aufs Altenteil zurückgezogen hat sich der Esslinger Arzt Dr. Gottfried Riedel nie. Bis weit über das Rentenalter hinaus engagierte er sich für Leprakranke und noch mit 90 Jahren sichtete er die Dokumente seines ereignisreichen und vor allem erfüllten Lebens, um das Erlebte aufzuschreiben. Jetzt ist Gottfried Riedel mit 93 Jahren „nach einem langen, köstlichen Leben“, wie seine Familie schreibt, gestorben.

 

Bereits als Schüler faszinierten ihn Missionsärzte wie Albert Schweitzer und so studierte Gottfried Riedel, der in Rotterdam geboren wurde und in Esslingen mit zehn Geschwistern aufwuchs, Medizin in Tübingen. Dort lernte er seine Frau Helle kennen. Sein christlicher Glaube hat Riedel motiviert, in die Mission zu gehen. Fast fünf Jahrzehnte hat er sich gemeinsam mit seiner Frau in der Lepra-Mission engagiert. Das Ehepaar war in Indien und Bhutan, aber auch in Nepal, Bangladesch und Tansania im Einsatz für Leprakranke. Riedel ging es nicht nur um die medizinische Versorgung. Ihm lag auch die Wiedereingliederung der Kranken und Geheilten in die Gesellschaft am Herzen.

 

1951 reiste Riedel im Auftrag der Internationalen Lepra-Mission erstmals nach Indien, leitete bis 1966 ein Lepraspital und baute es zum Reha-Zentrum aus. In Esslingen entstand in dieser Zeit aus dem Unterstützerkreis für Riedels Arbeit der deutsche Zweig der Lepra-Mission. In deren Vorstand wie dem der Internationalen Lepramission engagierte sich Riedel viele Jahre. Ab 1966 baute der Arzt in Bhutan im Auftrag der dortigen Regierung die Lepraarbeit und vier Lepra-Krankenhäuser auf. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren wesentlich schwieriger als in Indien. Über die Jahre in Bhutan hat Riedel ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Mit Gott über Mauern springen“. Nach der Rückkehr nach Esslingen eröffnete Gottfried Riedel 1969 eine Arztpraxis in Esslingen-Sulzgries. Doch immer wieder zog es ihn für Monate zurück nach Bhutan. 1982 gab er seine Praxis auf, um für vier Jahre erneut nach Bhutan zurückzukehren. Für die Lepra-Mission baute er eine flächendeckende Versorgung auf dem Land auf.

Auch im nominellen Ruhestand blieb Gottfried Riedel der Lepra-Arbeit treu und absolvierte zwischen 1988 und 1994 immer wieder mehrmonatige Einsätze in Bangladesh, Tansania, der Sowjetunion, Russland und auch Bhutan.
Gottfried und Helle Riedel haben für ihr gemeinsames Engagement im Kampf gegen Lepra ein oft entbehrungsreiches Leben auf sich genommen, das unter anderem zeitweise die Trennung von ihren insgesamt sieben Kindern bedeutete. Und dennoch waren beide überzeugt, dass sie den richtigen Weg gegangen waren: „Wir würden es jederzeit wieder so machen“, sagten beide vor wenigen Jahren.

Der Abschiedsgottesdienst für Gottfried Riedel findet am Montag, 28. Juli, um 12.45 Uhr in der St. Bernhardt-Kirche in Esslingen statt. Die Beisetzung wird um 14.15 Uhr auf dem Ebershaldenfriedhof im Familiengrab sein.

http://www.ev-kirche-esslingen.de

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