Evangelischer Religionsunterricht ist „erste Sahne“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der evangelische Religionsunterricht genieße eine hohe Attraktivität, sagte Schuldekan Hans-Joachim Heese vor der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen: Nur 2,4 Prozent der evangelischen Schüler hätten sich im laufenden Schuljahr vom Religionsunterricht abgemeldet, umgekehrt nähmen aber 20 Prozent nicht-evangelische Schüler teil, erklärte er in seinem Bericht vor den 124 Delegierten aus allen Kirchengemeinden am Montag, 14. Juli im Gemeindehaus Lustnau.

 

Heese dankte den Pfarrern, Diakonen und Religionspädagogen für ihr Engagement: „Ich weiß, es ist oft nicht einfach, aber das, was Sie hier leisten, ist erste Sahne!“ Im Religionsunterricht habe die Frage der Schüler nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens Unschuldiger an Brisanz verloren, berichtete Heese: Zwar sei die Gottesfrage nicht erledigt, aber ein Transzendenzverlust sei unübersehbar. Der Schuldekan betonte, der Religionsunterricht sei keine kirchliche Unterweisung, sondern eine vom Grundgesetz vorgeschriebene Aufgabe des Staates: „Der Staat lebt davon, dass die Menschen mit den Grundfragen der Orientierung umgehen können, mit den Fragen nach Sinn und Verantwortung, nach Recht und Barmherzigkeit, nach Freiheit und Schuld“, betonte der Schuldekan: „Dieser Staat will um seiner Bürger und um seiner selbst willen den Religionsunterricht – und kann ihn doch aufgrund seiner religiös-weltanschaulichen Neutralität nicht selbst leisten.“ Deshalb dienten die Kirchen dem Staat in der Erfüllung dieser Aufgabe. Mit der evangelischen Schulseelsorge und der Fachstelle „Schule –  Jugendarbeit“ habe die evangelische Kirche in den vergangenen Jahren weitere Angebote geschaffen, die in den Schulen dankbar nachgefragt würden, berichtete Heese.

 

Der Tübinger Landrat Joachim Walter stattete der zu Jahresbeginn neu konstituierten Bezirkssynode bei deren zweiter Sitzung einen Antrittsbesuch ab. Sein Grußwort nutzte er zu einem Aufruf an die Delegierten, bei der Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge und Asylbewerber zu helfen: Gegenwärtig bekomme der Landkreis monatlich zwischen 50 und 60 Flüchtlinge zugewiesen, für die er Wohnraum zur Verfügung stellen müsse. Daran mangle es aber. Mit einer Behelfsunterkunft direkt hinter dem Landratsamt wolle man bewusst ein Zeichen setzen, doch suche der Landkreis fieberhaft nach Wohnungen, die er für Flüchtlinge anmieten könne: „Ich fühle mich in dieser Situation nicht nur als Verwaltungsmensch, sondern auch als Christ“, betonte der Landrat: „Wir müssen diesen Menschen ein Dach über dem Kopf geben! Bitte helfen Sie uns dabei!“

 

Dekanin Elisabeth Hege begrüßte die Hagellocher Pfarrerin Gudrun Bertsch als neue Bezirks-Diakoniepfarrerin in der Nachfolge von Pfarrer Christoph Cless. Nach dem von der Bezirkssynode 2012 beschlossenen Pfarrstellenstrukturplan übernimmt Pfarrerin Bertsch die Bezirksaufgabe mit einem Stellenanteil von 25 Prozent; die restlichen 75 Prozent ihres Dienstauftrags gehören weiterhin der Kirchengemeinde Hagelloch. Die Dekanin berichtete weiter, der Kirchenbezirkausschuss habe eine Anfrage des evangelischen Diaspora-Hilfswerks „GAW – Gemeinden weltweit helfen“ (früher: Gustav-Adolf-Werk) mit einer Einladung beantwortet: Der Kirchenbezirk Tübingen werde im Sommer 2016 Gastgeber des GAW-Jahresfestes sein. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

 

Kirchenbezirksrechner Matthias Röckle konnte sich in seinem Bericht über steigende Kirchensteuereinnahmen freuen. Gründe dafür seien die gute konjunkturelle Entwicklung und der geringe Mitgliederrückgang von jährlich rund einem Prozent, der nicht nur durch Austritte, sondern auch durch die Demographie bedingt sei. Eine überdurchschnittliche Austrittsrate in den vergangenen Wochen führte Röckle auf eine Verunsicherung der Kirchenmitglieder durch einen Brief ihrer Banken und Finanzinstitute zurück: Der darin angekündigte „automatisierte Ablauf der Einbehaltung der Kichensteuer auf die Abgeltungssteuer“ sei keineswegs eine neue Steuer, sondern lediglich ein einfacherer, weil automatisierter Verfahrensweg. Die Summe der von der Landeskirche an den Kirchenbezirk Tübingen überwiesenen Kirchensteuer erhöhe sich von 8,49 Millionen Euro im Jahr 2014 um drei Prozent auf 8,67 Millionen Euro im Jahr 2015 und innerhalb der folgenden drei Jahre voraussichtlich nochmals um insgesamt sechs Prozent auf fast neun Millionen Euro im Jahr 2018. Diese Kirchensteuereinnahmen verteilt der Bezirk an die 44 Kirchengemeinden. Die Bezirksaufgaben – insbesondere Diakonie, Jugendarbeit und Seelsorge – werden über die Bezirksumlage finanziert, die die Gemeinden wieder an den Bezirk überweisen. Für 2015 beschloss die Bezirkssynode eine Erhöhung der Bezirksumlage um 1,25 Euro auf jetzt 27,50 Euro pro Gemeindeglied. Von den Mehreinnahmen in Höhe von 89.400 Euro benötigt der Kirchenbezirk rund 80.000 Euro, um die Tarifsteigerungen aufzufangen.

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