„Beispiel gelungener Ökumene“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Die ökumenische Telefonseelsorge Neckar-Alb hat am Freitag, 4. Juli im Adolf-Schlatter-Haus mit rund 150 geladenen Gästen das Jubiläum ihres 50-jährigen Bestehens gefeiert. „Sorgen kann man teilen“, sagte die evangelische Dekanin Elisabeth Hege und bezog sich damit auf das Motto der Telefonseelsorge. Mit Blick auf das Jubiläum ergänzte sie: „Freude zum Glück auch!“ Ihren besonderen Dank sprach sie den 74 ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus: „Sie sind es, die das Gros der Telefondienste abdecken – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr!“

 

„Die Telefonseelsorge ist das hörbereite Ohr der Kirche“, erklärte der katholische Dekan Dr. Tomas Begovic. Das „lebenswichtige Angebot“ sei ein „Dienst in der Nachfolge Jesu“. Viele Menschen seien heute einsam und alleine, deshalb sei das offene, anonyme und kostenlose Gesprächsangebot so wichtig, sagte Begovic. Die Leiterin der ökumenischen Telefonseelsorge Neckar-Alb, Ute von Querfurth, betonte, die Telefonsselsorge sei wichtig, „weil es Situationen gibt, die kaum auszuhalten sind und in denen es nicht weiterzugehen scheint.“ Die Telefonseelsorge könne nicht immer eine einfache Lösung bieten, aber wer mit anderen in Kontakt käme, könne auch mit sich selbst wieder besser in Kontakt kommen: „In einer Begegnung kann Kraft liegen“, zeigte sich die Psychologin und Theologin überzeugt. Dass die ökumenische Telefonseelsorge Neckar-Alb seit 1986 gemeinsamen von der evangelischen und der katholischen Kirche getragen werde, sei ein „Beispiel gelungener Ökumene“, sagte Ute von Querfurth.

 

Die Telefonseelsorge in Tübingen wurde am 7. August 1963 gegründet vom Ärzte-Ehepaar Dr. Margarete und Dr. Bernhard Hermelink. Die Gründungsurkunde beschreibt die Aufgabe, „einsamen, hilfsbedürftigen und verzweifelten Menschen Hilfe anzubieten durch Beratung, Vermittlung von praktischen Hilfen und Seelsorge. Der Dienst geschieht auf der Grundlage des christlichen Glaubens.“

 

In den mehr als 50 Jahren ihres Bestehens haben sich der Bedarf und das Angebot stark ausgeweitet: Zum Einzugsgebiet der ökumenischen Telefonseelsorge Neckar-Alb gehören heute Tübingen, Reutlingen, Rottweil und Zollernalb, zudem werden Anrufe aus den bundesweiten Mobiltelefonnetzen aufgeschaltet. Inzwischen ist die Telefonseelsorge kostenlos erreichbar und rund um die Uhr besetzt – auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Im Jubiläumsjahr 2013 kamen rund 16.000 Anrufe an, das entspricht rund 50 pro Tag. Nur 65 Prozent der Anrufe erwiesen sich als ernsthafte Gespräche, der Rest waren Aufleger-, Test-, Schweige-, Scherz- und verbalerotische Anrufe. Bei den ernsthaften Anrufen standen die Beziehungsprobleme mit einem Anteil von 37 Prozent an erster Stelle, gefolgt von psychischen Krankheiten mit 25 Prozent, anderen Krankheiten mit 15 Prozent und der Problematik von Einsamkeit und Isolation mit 13 Prozent. Bei vier Prozent der Anrufe, also immer noch ein bis zwei Mal täglich, ging es um die Themen Suizid, Tod, Sterben und Trauer.

 

Die ökumenische Telefonseelsorge Neckar-Alb hat ein Haushaltsvolumen von rund 240.000 Euro. Davon finanziert die evangelische Kirche einen Anteil von 38 Prozent und die katholische Kirche 28 Prozent. Die Landkreise geben Zuschüsse in Höhe von 20 Prozent. Zusätzlich sind jährliche Gottesdienstkollekten und Spenden in Höhe von 30.000 Euro erforderlich.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar