"Das Wunder von Barmen"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Hitlers ,,Machtergreifung“ am 31. Januar 1933 wurde von nationalkonservativen Christen bejubelt. Er galt ihnen als Garant einer Regierung, welche die Kirche in ihren Schutz nimmt und ihr zu neuem Einfluss verhilft. Die Rolle des Führers Adolf Hitler bestärkte viele Protestanten, das ,,Führerprinzip in der Kirche“ zu fordern. Sein rassisch begründeter Antisemitismus wurde von vielen Christen – besonders im ,,Luther-Jahr 1933″ – mit dem ,,theologisch“ begründeten harten Antijudaismus des alten Luther zusammen gesehen: Kein ,,Judenstämmling“ vor ,,deutschen“ Altären!

Die „Deutschen Christen“ (DC) überschwemmten 1933 mit ihren Stichworten – Blut und Boden, deutsche Frömmigkeit, christlicher Glaube im Dienst der ,,Schöpfungsordnung“  Volk, das Alte Testament als „Judenbuch“, Entjudung des Neuen Testaments, ein germanisierter, heldischer Jesus, die Juden das Volk der Gottesmörder – die Kirche. Ihr Ziel war eine Nationalkirche mit einem Reichsbischof an der Spitze, Gleichschaltung der Landeskirchen, welche den Führer rückhaltlos unterstützt.

Gegen alles Recht erzwang Hitler für den 23. Juli 1933 eine schnelle Kirchenwahl, bei der die DC in den Landeskirchen zwischen 49 und 80 % erhielten und danach die Konsistorien und Bischofsstühle weitgehend deutsch-christlich umbesetzten. Ludwig Müller, der „Vertrauensmann des Führers“, wurde am 27. September in Wittenberg zum Reichsbischof gewählt. 

Schon am 13. September 1933 hatte Martin Niemöller gegen das Unrecht der DC-bestimmten Kirchenleitungen den Pfarrenotbund gegründet, aus dem im Jahr 1934 die Bekennende Kirche (BK) wurde.

Ende 1933 hat Reichsbischof Müller dem Führer die evangelische Jugend ,,geschenkt‘, indem er die evangelischen Jugendorganisationen in die Hitler-Jugend eingegliedert hat. Protest von den Kanzeln verbot er. Gegen diesen „Maulkorberlass“ formulierte die werdende BK in einem Kanzelwort: „Gott mehr gehorchen als dem Reichsbischof“.

Anfang der Jahres 1934 wehrten sich verschiedene „Freie Synoden“ gegen den totalen Anspruch des Staates auf den Menschen. Sie bekannten sich zu Gottes einmaliger Selbstoffenbarung in Jesus Christus, so am 3./4. Januar die Synode reformierter Gemeinden, am 18./19. Februar die „Erste Freie Evang. Synode im Rheinland“ mit der Feststellung: „Die Kirche ist regiert vom  Rasseprinzip, vom Führerprinzip, vom Machtprinzip. Ungehorsam gegen ein Kirchenregiment, das wider Gottes Wort regiert, ist Gehorsam gegen Gott“. Der „Ulmer Tag“, an dem erstmals die BK als die rechtmäßige ev. Kirche Deutschlands proklamiert wurde, gilt als die „Geburtsstunde der Bekennenden Kirche“.

Die „Theologische Erklärung von Barmen“, die von Hans Asmussen, Thomas Breit und Karl Barth vorbereitet wurde, trägt vor allem die Handschrift Karl Barths. Es gelang das „Wunder von Barmen“: Die 139 Abgeordneten der evangelischen BK aus reformierten, lutherischen und unierten Kirchen aus ganz Deutschland stimmten der Erklärung einstimmig zu.

Prälat i. R. Paul Dieterich

Weitere Informationen zur Theologischen Erklärung finden Sie http://hier.

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