Protest gegen unzureichende Finanzierung der Pflege

Evangelische Landeskirche Württemberg

Eine gerechtere Finanzierung, mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und weniger Bürokratie in der Pflege forderten mehrere Hundert Diakonie-Mitarbeitende bei einer Protest-Kundgebung am Montag, 12. Main auf dem Holzmarkt. Mit den Bundestagsabgeordneten Annette Widmann-Mauz und Dr. Martin Rosemann mussten sich zwei Adressaten dieser Forderungen verbitterte Zwischen- und sogar Buh-Rufe gefallen lassen.

 

Pfarrer Frank Wößner, der Vorstandsvorsitzende der Samariterstiftung, sagte an die Pflegenden gewandt: „Sie pflegen diejenigen, die zur Gründergeneration des deutschen Wohlstands gehören!“ Er forderte eine Finanzierung, die der Bedeutung der Pflege angemessen sei. Clemens Miola, Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung, rief: „Gute Pflege kostet Geld! Wie viel Verantwortung eine Pflegefachkraft trägt, das kann sich kaum jemand vorstellen.“ Er forderte zudem bessere Personalschlüssel in Heimen, worauf er von einem Zwischenruf unterbrochen wurde: Es gebe ja gar nicht genügend Pflege-Personal. Die Geschäftsführerin und Fachberaterin für Gesundheit, Alter und Pflege im Diakonischen Werk Tübingen, Cornelia Weber, beklagte, dass ärztlich verordnete Pflegeleistungen teilweise von den Krankenkassen abgelehnt und dann nicht bezahlt würden. Bei ihren Mitarbeitenden wolle die Diakonie keinesfalls sparen, sagte Cornelia Weber: „Die Diakonie zahlt Tarif!“

 

Mit kritischen Zwischenrufen mussten sich insbesondere die Vertreter der Politik auseinandersetzen, an die sich die Forderungen richteten: Die CDU-Abgeordnete und Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz wurde ausgebuht für ihre Bitte um etwas mehr Geduld. „Wir wollen die Leistungen den gestiegenen Kosten anpassen“, versprach sie. Der SPD-Abgeordnete Dr. Martin Rosemann betonte: „Die Pflegepolitik hat einen hohen Stellenwert in dieser Bundesregierung!“ Noch in dieser Legislaturperiode wolle man die Mittel für die Pflegeversicherung um 25 Prozent erhöhen und deutlich mehr Pflegekräfte in den Pflegeheimen zum Einsatz bringen. Künftig werde es zudem fünf statt bisher drei Pflegestufen geben; damit wolle man insbesondere Demenzkranken besser gerecht werden.

 

Die Stimmung auf dem Holzmarkt blieb dennoch weiter aufgewühlt. Auf den Pappkartons, auf denen die Diakonie-Mitarbeitenden ihre Forderungen auf der Stiftskirchen-Freitreppe aufgebaut hatten, fand sich neben besseren Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen auch die Forderung nach Bürokratieabbau. Ein Altenpfleger machte deutlich: „Die Zeit, die wir für die immer umfangreicheren Dokumentationen brauchen, haben wir nicht mehr für die Pflege.“

 

http://www.evangelischer-kirchenbezirk-tuebingen.de

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