„Was hier geleistet wird, hat es verdient, weiterzuleben“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Die seit hundert Jahren im Adolf-Schlatter-Haus geleistete spirituelle, gesellschaftspolitische und sozialdiakonische Arbeit möge noch viele Jahre weitergehen: Diesen übereinstimmenden Wunsch formulierten führende Repräsentanten der evangelischen Landeskirche, der evangelischen Studierendengemeinde und der Stadt Tübingen im Festgottesdienst am Sonntag, 11. Mai in der Stiftskirche anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums des Hauses der Evangelischen Studierendengemeinde.

 

Im nachösterlichen Jubelruf über die Auferstehung Christi dürfe das Elend der Welt nicht vergessen werden, sagte der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose, der als zuständiger Regionalbischof die Festpredigt hielt: „Das Leid derer, die in Kriegen missbraucht, gefoltert und menschenverachtend ermordet wurden. Und das derer, die heute durch deutsche Waffen umkommen.“ Der Prälat betonte: „Dafür stand und steht hoffentlich die Arbeit der Hochschulgemeinde mit ihren unterschiedlichen Kleingruppen und Arbeitskreisen.“ Deshalb, so Prälat Dr. Rose, brauche es „neben den theologischen Fakultäten und Studienhäusern Orte der Begegnung für Studierende aller Fakultäten, um miteinander über Gott und die Welt zu diskutieren, um Kurrende zu üben, Feste zu feiern, Glaubenserfahrungen auszutauschen, Nächstenliebe zu konkretisieren.“ Seine Glückwünsche verband er mit dem Wunsch „ad multos annos“ – auf viele Jahre.

 

Eberhard Cherdron vom Bundesvorstand der Evangelischen Akademikerschaft zeigte sich als Gast des dreitägigen Jubiläums-Wochenendes „beeindruckt von der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Akademikerschaft, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Tübingen und der Evangelischen Studierendengemeinde.“ Er verlasse Tübingen „mit erfülltem Herzen“. Oberbürgermeister Boris Palmer lobte den sozialen Auftrag, den das Schlatterhaus in und für die Stadt erfülle und bezog sich besonders auf die Sonntagsküche, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern könne. „Das Schlatterhaus wirkt in unsere Stadt und in unsere Gesellschaft hinein“, sagte Palmer: „Ich finde, das, was hier seit hundert Jahren geleistet wird, hat es verdient, weiterzuleben.“

 

Dekanin Elisabeth Hege charakterisierte das Schlatterhaus als einen Ort, für den fünf Dinge charakteristisch seien: „Wohnen und essen, Bibel lesen, Diskutieren und miteinander streiten, feiern, singen und tanzen und schließlich teilen und weitergeben.“ So sei das Schlatterhaus zu einem Freiraum geworden, der phasenweise nicht nur vom Verfassungsschutz, sondern immer wieder auch innerhalb der Landeskirche kritisch beäugt worden sei: Diese kritische Begleitung sei in den vergangenen Jahren nach ihrem Eindruck jedoch weniger geworden, sagte die Dekanin: „Alles scheint nur noch auf Zeit, auf Abruf gedacht.“ 2005 hatte die Landessynode den Verkauf der Immobilie beschlossen, die laut Grundbucheintrag jedoch für die evangelische Studierendenarbeit genutzt werden muss. Dekanin Hege sagte: „Vielleicht gibt´s da auch einen Zusammenhang: Zugleich damit, dass man in der Landeskirche weniger in den Streit um die Arbeit im Schlatterhaus investiert hat – zugleich damit hat man auch weniger in das Haus investiert. Und es sich zunehmend selbst überlassen.“ Beides, so die Dekanin, sei eine Anzeige von Rat- und Sprachlosigkeit: „Es bräuchte den Streit um die Arbeit. Und es bräuchte zugleich die Arbeit am Haus, die auch etwas kostet.“ Zur bevorstehenden Visitation der Evangelischen Studierendengemeinde sagte Dekanin Hege: „Ich wünsche mir, dass es gelingt, hinzusehen und wahrzunehmen, was kirchliche Arbeit an der Hochschule prägt und braucht, was sie herausfordert und welche Chancen sie hat.“

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