„Daumen runter – Daumen hoch“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Karfreitag sei eine Chance zum Neuanfang, sagte der evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose in seiner Karfreitagspredigt in der Reutlinger Marienkirche: Wo Selbstvertrauen oder Vertrauen in Beziehungen zerbrochen sei, da eröffne die Botschaft vom Kreuzestod Jesu einen Weg zur Versöhnung.

 

Sünde sei vor allem als Vertrauensbruch zu verstehen, sagte der Prälat in seiner Auslegung eines Prophetenwortes aus dem Jesajabuch: „ Ohne Vertrauen können wir nicht leben: in unseren Beziehungen, in unserer Familie, unserer Gemeinde, in unserer Stadt, in unserer Welt. Wenn sich Regierungen nicht mehr über den Weg trauen, dann drohen sie einander mit Panzern und Raketen. Wenn Eheleute einander misstrauen, dann wird das Zusammenleben kalt und fröstelnd. Wenn wir einander das Vertrauen entziehen, dann zerbricht vieles. Das Leben wird zur Last, die die Seelen beschwert. Es wird zum Gewissens- und Leidensdruck.“

 

Urteile über andere würden in den modernen Medien öffentlich gefällt, kritisierte Prälat Dr. Rose: „Jeder kann´s sehen: Daumen hoch – ,gefällt mir‘. Oder: Daumen runter – ,gefällt mir nicht‘. Was du sagst, passt mir nicht. Du selber passt mir nicht. Was Du schaffst, ist nicht gut genug. Du kannst nicht mithalten.“ Der Prälat mahnte: „Wie schnell sind Urteile über Menschen gesprochen, wie rasch wird ein Leben zerstört! Wer einmal ins Blickfeld geraten ist, kommt schwer wieder raus. Manchmal erst, wenn eine Existenz zerstört ist.“

 

Die Botschaft von Karfreitag sei schwer zu verstehen und auszuhalten: „Da leidet einer für die anderen“, erklärte der Prälat: „Wir tun uns schwer mit dem Stellvertreter-Tod des Gottesknechts. Und mit den martialischen Szenen, seien sie gemalt oder geschrieben.“ Er führte weiter aus: „Für jüdische und muslimische Glaubende ist es bis heute unvorstellbar, dass Gott stirbt. Es war unvorstellbar und ist unbegreiflich, dass Gott am Kreuz hängt. Aber für das Neue Testament ist genau dies Ausdruck der Liebe Gottes. Jesus ist einen Weg gegangen, den nur er gehen konnte.“

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