Licht, Luft und klare Linien

Evangelische Landeskirche Württemberg

Vertreter der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart und des Architekturbüros haben am 8. April den neuen Hospitalhof der Presse vorgestellt. Er ist Bildungs-, Begegnungs- und Verwaltungszentrum der Evangelischen Kirche in Stuttgart und Tagungsort der Landessynode.

„Wir glauben, es ist ganz schön geworden“, sagt Architekt Arno Lederer verschmitzt über den von seinem Büro gestalteten Hospitalhof-Neubau. Und ist voll des Lobs über die Bauherrschaft der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart, mit der gemeinsam das 23-Millionen-Bauprojekt in einem intensiven Prozess realisiert wurde.

Evangelisch, offen, mittendrin

Stadtdekan Søren Schwesig charakterisiert das neue Evangelische Zentrum mit drei Worten: „Evangelisch, offen, mittendrin.“ Der Hospitalhof stehe dafür, dass die Kirche ihre Inhalte ins Gespräch bringe.  Schwesig freut sich über die moderne, luftige und lichte Architektur des Neubaus, „die wirklich Lust darauf macht, hierherzukommen“. Der geschützte Innenhof mache deutlich: „hier geht es nicht nur um Business und Gewinnoptimierung wie an vielen anderen Orten in der Innenstadt. Sondern hier ist so etwas wie eine Oase, an welcher der ganze Mensch zu sich kommen kann.“ Mitten in der Stadt gelegen, sei der Hospitalhof nah am Puls der Stadtgesellschaft. Im neuen Hospitalhof ist auch das Dekanatamt angesiedelt, Kirchenkreis- und Landessynode treffen sich hier. Damit werde deutlich, dass hier die Fäden der evangelischen Kirche in Stuttgart und darüber hinaus zusammenlaufen.

Kirchenpfleger Hermann Beck, der Verwaltungs-Chef der Gesamtkirchengemeinde, freut sich darüber, dass Zeit- und Kostenplan eingehalten wurden. „Das ist bei einem Bauprojekt in dieser Größenordnung alles andere als selbstverständlich“, sagt er. Dass der Hospitalhof nicht allein ein Haus für Bildung und Spiritualität ist, sondern hier auch Verwaltung und Entscheidung angesiedelt sind, stehe in bester klösterlicher Tradition. Schon das mittelalterliche Dominikanerkloster, auf dessen Grundriss der Hospitalhof wieder erstanden ist, habe wirtschaftliche Aktivitäten und eine Verwaltung gehabt. Arbeiten, lernen und beten finden so unter einem Dach zusammen.

Der Neubau entspricht hohen ökologischen und sozialen Standards

Beck betont, dass der Neubau den hohen ökologischen und sozialen Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen entspricht. Die Baumaterialien kommen aus einheimischer Produktion, die Baufirmen hätten mit eigenen Leuten gearbeitet, nicht mit Subunternehmern. Ulrich Hangleiter, der Vorsitzende des Bauausschusses der Gesamtkirchengemeinde, ist mit dem Neubau ebenfalls hoch zufrieden. Die Wahl des Architekturbüros Lederer Ragnarsdóttir Oei sei ein Glücksfall, die Zusammenarbeit von gegenseitiger Inspiration und Vertrauen geprägt gewesen.

Die Ausgangs-Idee des Neubaus sei eine städtebauliche gewesen, erläutert Architektin Jórunn Ragnarsdóttir. Der Vorgängerbau aus den 1950er-Jahren habe städtebaulich „falsche Signale“ gesendet, indem er beispielsweise die zum Ensemble gehörende Kirche weitgehend ignorierte. „Für uns war klar: Das Zentrum des Ensembles ist die Kirche, sie muss einbezogen werden“. Durch eine leichte Drehung des Ensembles aus dem schachbrettförmigen Straßenraster heraus sind platzartige Straßenräume entstanden.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Architekt Arno Lederer ist beseelt von der Idee, ein kirchliches Zentrum so zu bauen, dass „der Mensch im Mittelpunkt steht“. Deshalb viel Tageslicht, oft mit einer indirekten Lichtführung, die Licht hereinlässt, ohne zu blenden. Deshalb klare Rhythmen und Linien, die dem Auge wohltun. Die Aufgabe sei auch gewesen, mit günstigen Lösungen und Materialien „was zu erreichen“. Deshalb gibt es Natursteinböden nur im Eingangsbereich. In den weitläufigen Sälen, Foyers und Bürofluchten dominiert ansonsten ein warm-roter Linoleumboden. Daneben bestimmen weiße Wände, Holz und Sichtbeton das Bild. Und immer wieder Licht – in Gestalt von Fenstern in diversen Formen, mal rund, mal gebogen, mal klassisch rechtwinklig. Und auch in Gestalt von Leuchten, die teils vom Architekturbüro eigens für den Hospitalhof entworfen wurden. „Diese Aufgabe hat uns Spaß gemacht“, gesteht Architekt Lederer. Außen ist der Bau rundum mit hellem Klinker versehen.

„Für die Kirche bauen heißt für uns ganz klar: Es muss ein Gebäude aus Stein sein. Man muss sich erden und Wurzeln schlagen können“, kommentiert Jórunn Ragnarsdóttir die Materialwahl. Im Innenhof, der von 8 bis 20 Uhr für jedermann offen ist, zitieren neu gepflanzte Bäume die Standorte der früheren Kirchensäulen. Er soll ein geschützter Ort sein, zugleich „Offenheit und Geborgenheit“ symbolisieren, wie Stadtdekan Schwesig betont. Deshalb kann er nur durch das Foyer des Hospitalhofs betreten werden.

Rundum fertig wird das gesamte Ensemble erst sein, wenn auch die Hospitalkirche saniert ist. „Wir wollen das Vorhaben noch vor der Sommerpause 2014 durch unsere Gremien bringen“, sagt der Bauausschussvorsitzende Hangleiter zur Marschrichtung. Das Umbaukonzept sei weitgehend mit dem Denkmalamt abgestimmt. Nach dem Kirchentag 2015 könne mit dem Umbau begonnen werden. Das Ziel sei, die ursprüngliche Dimension des Chorraumes der ehemaligen Hospitalkirche wieder erfahrbar zu machen, sagt Architekt Lederer, der auch dieses Projekt betreuen wird. Aktuell ist diese Raumerfahrung durch eingebaute Emporen und enge Bankreihen verstellt. Bis zum Umbaubeginn soll die Kirche zumindest in den Sommermonaten gelegentlich geöffnet werden.

Zur Eröffnung wird gefeiert: Festwoche ab 27. April

Zur offiziellen Eröffnung ist ab 27. April eine Festwoche mit vielseitigem Programm geplant. Erster Programmpunkt ist am 27. April ein Festgottesdienst mit Landesbischof Frank Otfried July. Daran schließt sich ein Festakt an. Am Montag (28. April) stehen Debatten und Stadtrundgänge von und mit Jugendlichen und Politikern im Mittelpunkt. An den folgenden Tagen gibt es Schnupperkurse, Hausführungen, „Tanz in den Mai“, Konzerte und Kabarett. Bevor die Festwoche am 4. Mai mit einem Gottesdienst schließt, gibt es eine Gedenkveranstaltung an der „Büchsenschmiere“, dem ehemaligen Gestapo-Gefängnis auf dem Gelände des Hospitalhofs.

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as vollständige Festprogramm finden Sie unter http://www.hospitalhof.de.

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