„Gott arbeitete sechs Tage effizient und gerecht“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Hohe Gewinne, von denen auch die Mitarbeitenden angemessen profitieren könnten, ließen sich in Deutschland zwar von innovativen Wirtschaftsunternehmen erzielen, nicht aber im Bereich der Alten- oder Krankenpflege. In dieser kritischen Einschätzung waren sich die Diskutanten einig beim elften Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche am Donnerstag, 13. März im Dettinger Werk des Automobilzulieferers ElringKlinger.

 

In seiner Firma bekomme schon der Mitarbeiter, der den Hof kehre, so viel Gehalt wie eine berufserfahrene Krankenschwester, berichtete der Vorstandsvorsitzende der ElringKlinger AG, Dr. Stefan Wolf als Hauptreferent: „Dass bei uns Gewerkschaften wie die IG Metall erfolgreich Klientelpolitik betreiben und alle anderen hinten runterfallen, das ist nicht gerecht!“, kritisierte er. Der Stiftsungsratsvorsitzende der Reutlinger BruderhausDiakonie, Professor Martin Beck, stimmte ihm in der Podiumsdiskussion zu: Diakonische Einrichtungen müssten seit der Einführung der Pflegeversicherung auch unternehmerisch denken und profitabel arbeiten. Die Spielräume dafür würden aber immer enger, mahnte Beck: Größter, manchmal sogar einziger Auftraggeber sei der Gesetzgeber, der die Pflegedienstleistungen so günstig wie möglich einkaufen wolle. Gleichzeitig sei die Diakonie aber ihren Mitarbeitenden und Klienten verpflichtet: „Das ist Hochseilartistik!“, kritisierte Beck.

 

Dr. Wolf erklärte, seine Firma könne als erfolgreiches und innovatives Wirtschaftsunternehmen eine Erfolgsbeteiligung an seine Mitarbeitenden ausschütten, die genauso hoch sei wie die Dividende für die Aktionäre: Humankapital und Finanzkapital profitierten gleichberechtigt vom Unternehmenserfolg. Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich überzeugt: „Weil wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen, deshalb sind wir erfolgreich!“ Er könne jeden seiner Ausbildungsplätze zehnmal besetzen, während Pflegekräfte händeringend gesucht würden, kritisierte Dr. Wolf.

 

Für kirchliche Einrichtungen gelte in gleicher Weise wie für das Wirtschaftsunternehmen das Prinzip, die Mitarbeitenden durch einen Vertrauensvorschuss zu motivieren, erklärte die Direktorin des Pfarrseminars der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Pfarrerin Dr. Susanne Edel. Gottesdienstvorbereitungen oder Seelsorgegespräche dürften aber nicht unter dem gleichen Effizienzdruck stehen wie Handlungsabläufe in der Wirtschaft. Der Reutlinger evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose bekannte: „Mein Herz schlägt für die Diakonie und für die Menschen an den Hecken und Zäunen!“ Er sprach sich gegen eine einseitig nur vom Effizienzgedanken bestimmte Wirtschaftsordnung aus und betonte mit dem Hinweis auf den biblischen Schöpfungsbericht: „Gott arbeitete sechs Tage profitabel, effizient und gerecht – und es war sehr gut. Vollkommen werden die Werke aber erst durch den Ruhetag.“

 

Das Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche wird veranstaltet vom evangelischen Prälaten von Reutlingen gemeinsam mit dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehemer (AEU) sowie jeweils einem regionalen Mitveranstalter aus der Wirtschaft. Kooperationspartner sind die BruderhausDiakonie, die Handwerkskammer Reutlingen, die Industrie- und Handelskammer Reutlingen, die Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft in Mittel-und Osteuropa sowie der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt.

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