Ein Lob für die geliebte Laus

Evangelische Landeskirche Württemberg

Schon mehrfach hatten Ostfilderner Kirchengemeinden versucht, Professor Fulbert Steffensky einzuladen. Bei den sechsten Ökumenischen Tagen hat es endlich geklappt. Lohn der Mühen war ein spannender Vortrag in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche zum Thema „Gewagter Glaube“.

Steffensky war Benediktinermönch, Familienvater und Ehemann der evangelischen Theologin Dorothee Sölle. Er war Professor in Hamburg, lebt heute in Luzern, ist ein gefragter geistlicher Lehrer und Buchautor. Aufgewachsen ist der Saarländer in einem katholischen Dorf. Was man zu denken und zu glauben hatte, war dort für alle klar.

Das ist lange vorbei. „Das muss man heute aushandeln“, sagte Steffensky. Das sei zwar schwierig, aber zugleich ein Fortschritt. „Der Glaube hat eine Schwester, die er lieben sollte, das ist die Skepsis“, findet Steffensky. In einem fiktiven Dialog ließ er „Skepsis“ und „Glaube“ als Personen heftig miteinander streiten. Die Skepsis hatte die leichtere Zunge, argumentierte gut. Dennoch lies Steffensky den Glauben gegen allen Augenschein wetten, dass die Güte stärker ist als alle Kälte unserer Welt. „Das ist nicht deine Sprache, du zitierst die Bibel“, maulte die Skepsis, als es um das „Abwischen aller Tränen“ ging. „Hast du für deine Hoffnung keine eigenen Worte?“ „Ich bin froh, dass ich eine Fremdsprache habe, in die ich meinen eigenen kargen Glauben bergen kann“, entgegnete der Glaube.

Der Glaube sah den Problemen ins Gesicht, nannte sich „religiös verwundet“. Er blieb ein selbstständig denkender Freigeist – aber ein demütiger Freigeist, der seine Grenzen kennt. Er sprach die Skepsis an als „Laus in meinem religiösen Pelz, die mir keine Ruhe lässt“. Aber sie sei die Schwester, „die jede Religion braucht, ohne die sie zu gefährlich wird“. Der Glaube, so Steffensky, blühe erst dort, werde erst dort schön, wo er seine Selbstverständlichkeit verloren habe.

Steffenskys Lieblingskapitel in der Bibel ist Römer 8. Dort sei zu lesen, das über allem die Gnade stehe. „Man lebt unter dem leichten Gedanken, dass man als Mensch Fragment bleiben kann.“ Aber ein allzu leichter, rein innerlicher Glaube ist nicht Steffenskys Sache – wie er auch Bonhoeffers Sache nicht war. „Gott züchtet keine Faulpelze“, betonte Steffensky. „Es gibt keine Spiritualität ohne die Empörung über das Unrecht, keine Gotteserkenntnis ohne Barmherzigkeit.“ In Jesus, in Armut geboren, zeige sich „ein geheimnisvoller Gott, den das Leben aufs Kreuz legt“.

Steffensky sprach auch beim Gottesdienst in der voll besetzten St.-Dominikus-Kirche. Die Liturgie gestalteten die Pfarrer Klaus Schopf, Peter Martin und Cornelia Kraus in methodistisch-katholisch-evangelischer Zusammenarbeit. Diese gab es auch am genauso ökumenischen Kindersamstag. Bei ihm entstanden bunte Untersetzer, bunte Mobile und noch buntere Regenbogenwaffeln.

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