„Zur öffentlichen Debatte und Position verpflichtet“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat am heutigen Freitag in Bad Herrenalb die Schwerpunkte seiner Arbeit für das Jahr 2014 festgelegt. Im Themenjahr „Reformation und Politik“ der Lutherdekade wird sich das Leitungsgremium der evangelischen Kirche in besonderer Weise mit den vielfältigen Beziehungen zwischen Protestantismus und Politik beschäftigen.

„Das Verhältnis von Staat und Kirche stellt für den Protestantismus seit der Reformation eine besondere Herausforderung dar. Gerade in Deutschland blicken wir auf eine wechselvolle Geschichte von Nähe und Distanz zurück“, sagte der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider. „Das Jahr 2014 bietet durch das Gedenken an die Jahrestage des Beginns der beiden Weltkriege Gelegenheit, die Schattenlinien und die Lerngeschichte im Verhältnis von Staat und Kirche in den Blick zu nehmen. Auftrag und Geschichte unserer Kirche verpflichten uns, auch in aktuellen politischen Fragen Beiträge zur Debatte zu leisten und unsere Position öffentlich darzulegen.“

Mit einer Stellungnahme der Kammer für Öffentliche Verantwortung zu den aktuellen Aufgaben evangelischer Friedensethik am kommenden Montag, dem 27. Januar, in Berlin wird die EKD die Reihe ihrer friedensethischen und friedenspolitischen Debattenbeiträge fortsetzen. Die EKD-Veröffentlichung (unter dem Titel „,Selig sind die Friedfertigen‘ – Der Einsatz in Afghanistan: Aufgaben evangelischer Friedensethik“) reflektiert den Einsatz in Afghanistan anhand der Prinzipien der Friedensdenkschrift der EKD von 2007 („Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“) und formuliert friedensethische und friedenspolitische Aufgaben für die Zukunft. Weiterhin werden wir in diesem Jahr eine ethische Reflexion der Militärtechnologie (Drohnen, Kampfroboter) und ihrer Verselbständigung in militärischen Bezügen beauftragen und uns als evangelische Kirche in die aktuelle Diskussion einbringen“, so Schneider, „denn das Maß und die Möglichkeit zu verantwortlichem Handeln der einzelnen Menschen wird immer weiter reduziert.“ 

Anlässlich der in den vergangenen Wochen wiederaufgekommenen politischen und gesellschaftlichen Diskussion um ein Gesetz zum Verbot der organisierten Suizidbeihilfe hob Schneider hervor: „Der Rat der EKD begrüßt eine breite gesellschaftliche Debatte zur Sterbehilfe. Dabei ist unsere Position klar: Die evangelische Kirche ist dem Schutz menschlichen Lebens und seiner unverfügbaren Würde verpflichtet – dies gilt besonders für Grenzsituationen. Deswegen ist aus christlicher Perspektive die Selbsttötung eines Menschen grundsätzlich abzulehnen, weil das Leben als eine Gabe verstanden wird, über die wir nicht eigenmächtig verfügen sollen. Das gilt es auch als prinzipielles ,Ja zum Leben‘ durchzuhalten – bei allem Verständnis für die Tragik menschlicher Ausweglosigkeiten. Seelsorgerliche Begleitung und Trost gelten den Verzweifelten.“

Die Kammer für Öffentliche Verantwortung wird sich 2014 unter dem Arbeitstitel „Ordnungen der Freiheit – Vielfältige Lebensformen und die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie“ mit der Rolle der Kirche in der modernen pluralen Gesellschaft auseinandersetzen. Hierbei sollen ausdrücklich auch aktuelle Konfliktfelder wie etwa Sonntags- und Feiertagsschutz thematisiert werden. Die Kammer wird damit eine Aktualisierung der Demokratie-Denkschrift „Ordnungen der Freiheit – Vielfältige Lebensformen und die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie“ aus dem Jahre 1985 vorlegen, die dem Wandel der Gesellschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten Rechnung trägt. 

Die Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD wird im Februar einen Text zum Thema „Global Governance“ vorlegen, in dem die zentralen Herausforderungen des globalen Wandels beschrieben werden. Darin empfiehlt die Kammer Reformen im Sinne einer nachhaltigen und menschenrechtsbasierten Entwicklung und formuliert zudem theologische und ethische Perspektiven für die menschengerechte Gestaltung von globalen politischen und wirtschaftlichen Prozessen. 

Mit den Folgen der Globalisierung befasst sich auch eine gemeinsame Stellungnahme, die der Rat der EKD zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz ebenfalls im Februar präsentieren wird. Schneider: „Mit dieser ökumenischen Initiative für eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung werden die großen Veränderungen und Herausforderungen im ökonomischen und sozialen Leben reflektiert, die von den Triebkräften der Globalisierung geprägt sind. In den 17 Jahren seit der Veröffentlichung des gemeinsamen ökumenischen Wortes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage haben sich im Bereich der Wirtschaft und des Sozialen viele und tief greifende Veränderungen und neue Herausforderungen ergeben, vor deren Hintergrund wir uns erneut zu Wort melden.“

Neben diesen Beiträgen zur politischen Diskussion wird die EKD in diesem Frühjahr die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung präsentieren. Diese fünfte soziologische Untersuchung seit der ersten Erhebung 1972 liefert umfangreiche Erkenntnisse über den Charakter und die individuellen Ausprägungen von Kirchenmitgliedschaft in Deutschland im 21. Jahrhundert und deutet diese durch ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Untersuchung, so Nikolaus Schneider, sei auch für die Leitungsverantwortlichen „ein wichtiges Instrument, um Kirche im 21. Jahrhundert zu gestalten“.

Auf der Praxisebene trägt die EKD den Veränderungen im kirchlichen Alltag durch eine Großveranstaltung im Mai dieses Jahres in Wuppertal und im Ruhrgebiet Rechnung: Erstmals organisiert das Projektbüro Reformprozess im Kirchenamt der EKD ein „Zukunftsforum für die „Mittlere Ebene“, also für die Leitungsverantwortlichen auf Kirchenkreis- und Dekanatsebene. Erwartet werden vom 15. bis 17. Mai 2014 über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 wird die EKD noch im Frühjahr 2014 einen theologischen Grundlagentext vorstellen, den eine Ad-hoc-Kommission des Rates unter Vorsitz von Prof. Dr. Christoph Markschies erarbeitet. Für die Umsetzung der evangelischen Projektvorhaben im Jubiläumsjahr hat Ende 2013 ein gemeinsam von EKD und Deutschem Evangelischen Kirchentag (DEKT) getragener Durchführungsverein seine Tätigkeit aufgenommen. Nikolaus Schneider: „Die Planungen für 2017 werden im Laufe dieses Jahres an Klarheit gewinnen und der Öffentlichkeit im Herbst 2014 präsentiert.“

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