An Gottes Tisch essen

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Es ist genug für alle da“  – unter diesem Motto eröffnete am Sonntag, 19. Januar, die 20. Stuttgarter Vesperkirche. Sieben Wochen lang, bis zum 8. März, wird die zentral gelegene Leonardkirche wieder zu einem großen Begegnungsraum für arm und reich – und in ein Zuhause auf Zeit.

Durchschnittlich 600 Mittagessen geben die ehrenamtlichen Helfer pro Tag aus, dazu Getränke und die Vesperbrotbeutel. Hinzukommen Gesprächs- und Beratungsangebote; der ehrenamtliche Einsatz von Friseur, Ärzten und einer Zahnärztin, die Hilfe für Tiere und eine Fahrrad-Werkstatt runden das Angebot ab.

Auch zahlreiche Ehrengäste, darunter Bürgermeisterin Isabel Fezer, Grünen-Landtagsabgeordnete Muhterem Aras und Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle nahmen am Eröffnungsgottesdienst teil und Stadtdekan Søren Schwesig erzählte in seinen Vesperkirchenworten von Comedian Anke Engelke, die einst einen „Chor der Muffligen“ ins Leben gerufen hatte, also einen Chor unglücklicher Menschen, bei denen Wissenschaftler nach den Proben deutlich mehr Glückhormone nachweisen konnten: Bestimmt hatte Schwesig dabei auch das Band- und Chorprojekt der Vesperkirche „rahmenlos und frei“, das sich aus Gästen der Auferstehungskirche und aus Profis wie dem Musiker Patrick Bopp und dem Comedian Roland Baisch zusammensetzt und seit Jahren sehr erfolgreich auftritt – in der Vesperkirche und aber auch bei zahlreichen Veranstaltungen außerhalb.

Und schlug einen eleganten Bogen von den Hymnus-Chorknaben, die den Gottesdienst stimmungsvoll untermalt hatten, hin zum Thema der Predigtserie zur Vesperkirche: „Glück ist…“ Karin Ott, Diakoniepfarrerin und Leiterin der Vesperkirche, predigte am Sonntag zum Thema „Brot und Rosen“ und bezog sich dabei auf einen Streik der Textilarbeiterinnen, 1912 in den USA, und auf ein Lied, das zu dieser Zeit berühmt wurde: Brot steht darin für das Lebensnotwendige und Rosen für das, was das Leben darüber hinaus erst lebenswert macht: „Her mit dem ganzen Leben, Brot und Rosen, Brot und Rosen“ heißt es darin. Interessant: Während sich heute Textilarbeiter etwa in Bangladesh oder China gegen widrige Lebensumstände wehren, waren es damals überwiegend europäische Auswanderer in den USA, vor allem Iren und Deutsche.

Ebenfalls zur Eröffnung war auch Wiebke Wähling, Dekanin im Ruhestand gekommen. Sie erinnerte sich an die Anfangsjahre der Vesperkirche, die 1994 vom mittlerweile verstorbenen Pfarrer Martin Friz angedacht wurde: „Damals dachten alle: Sind die spinnert!“ Doch die Vesperkirche ist seither stetig gewachsen, 26 Vesperkirchen sind seither nach Stuttgarter Vorbild entstanden. Auch der heutige Laienvorsitzende der Leonhardgemeinde erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Martin Friz hatte einen Traum: Ich kenne das aus Frankfurt, da bewirten drei Kirchengemeinden abwechselnd Bedürftige – so was Ähnliches will ich auch in Stuttgart“ Hubert Moser ist seither regelmäßig zu Gast. Wie findet er die Vesperkirche? „Absolut notwendig heutzutage! Und an Gottes Tisch zu essen ist keine Schande“ Hat es denn an diesem ersten Tag geschmeckt? Es gab als typisch schwäbisches Sonntagsessen Schweinebraten mit Nudeln und Salat: „Das war ein wirklich extrem supergutes Mittagessen!“

Um beim Bild Brot und Rosen zu bleiben, gibt es nun aber auch an allen Vesperkirchen-Sonntag die Veranstaltungsreihe „Kultur in der Vesperkirche. Jeweils um 16 Uhr finden großartige Konzerte mit beeindruckenden Künstlern von den Stuttgarter Philharmonikern bis zur Pop-Formation Fools Garden statt: Den Auftakt bildete am Sonntag der Auftritt des Knabenchors collegium iuvenum Chors am Sonntagnachmittag. Der Eintritt ist frei um wirklich jedem den niederschwelligen Zugang zu den Kulturhighlights ermöglichen – Spenden sind natürlich willkommen. Schauen Sie doch mal rein!

Die Vesperkirche ist täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen dazu gibt es bei Diakoniepfarrerin Karin Ott unter Telefon 0711/2068-181, unter Diakoniepfarramt.Stuttgart@elk-wue.de oder auf http://www.vesperkirche.de.

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