Christbaumschmuck als Spiegel seiner Zeit

Evangelische Landeskirche Württemberg

Ulm. Die Weihnachtsgurke ist der neueste Schrei in Sachen Christbaumschmuck und war in diesem Jahr wohl auf fast jedem Weihnachtsmarkt zu finden. Angeblich ist es ein alter Brauch, eine grüne Gurke irgendwo im Baum zu verstecken. An Heiligabend heißt es dann: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Denn wer die Gurke als erster findet, bekommt ein Extra-Geschenk. In der diesjährigen Weihnachtsausstellung des Museums für Brotkultur in Ulm sucht man die Weihnachtsgurke allerdings vergebens, findet dafür aber ganz anderen und nicht weniger sonderbaren Christbaumschmuck – einen Panzer zum Beispiel oder die „dicke Bertha“, ebenfalls ein Kriegsgerät, aus Gablonzer Perlen.

Strohschmuck als Klassiker
Ob Panzer oder Kugel, Strohstern oder Plastikglocke: Am Baum hängt, was gefällt und was gerade in ist. Denn ein geschmückter Christbaum ist nicht nur einfach Weihnachtsdekoration, „sondern immer auch ein Spiegel seiner Zeit“, sagt Matthias Mayerhofer, der die Ausstellung im Ulmer Brotmuseum zusammengestellt hat. Als die immergrünen Tannenbäume im 16. Jahrhundert zur Weihnachtszeit die bürgerlichen Wohnzimmer eroberten, dienten vor allem essbare Gegenstände als Dekoration: Nüsse, rote Äpfel, Zuckerzeug, Plätzchen. Aber auch Strohschmuck war sehr beliebt. Während Plätzchen & Co. aus eher praktischen Gründen am Baum hingen, haben Äpfel und Strohschmuck ihre eigene, nämlich biblische Geschichte. „Der Apfel am Baum soll an den Sündenfall erinnern“, erklärt Mayerhofer, „und der Strohschmuck daran, dass Jesus nach seiner Geburt in eine Krippe voll mit Stroh gelegt wurde.“ Bis heute gehört der Strohschmuck zu den Klassikern des Christbaumschmucks.

Christbaumkugeln aus dem 19. Jahrhundert
Nach dem 17. Jahrhundert wurde es dann schon etwas voller am Baum: Miniaturspielzeug, Engel, andere weihnachtliche Figuren und Sterne aus Wachs, Watte, Papier, Pappe, Stroh, Holz oder Zinn baumelten von den nadligen Zweigen, meistens selbstgebastelt. Nach dem Vorbild der essbaren Äpfel entstanden zu Beginn des 19.Jahrhunderts die ersten Glaskugeln: groß, schwer und in sattem Rot. Es folgten Zapfen und Trauben. Der Vorteil des künstlichen Christbaumschmucks liegt, laut Mayerhofer, auf der Hand: „Naturprodukte vergehen mit der Zeit, die Kugeln dagegen können jedes Jahr wieder verwendet werden.“ Dafür waren sie aber auch ziemlich teuer.

Bezug zu aktuellen Ereignissen
Einmal angeworfen spuckte die Christbaumschmuckmaschinerie nun jedes Jahr neue Behänge in allen erdenklichen Farben und Formen aus. Sternbilder, Kinderwägen, Handwerkssymbole – dem Erfindungsreichtum der Gestalter waren keine Grenzen gesetzt. „Der Baumschmuck nahm aber auch immer Bezug auf Ereignisse, die den Menschen im Gedächtnis bleiben sollten“, erklärt der Ausstellungsleiter. Während U-Boote, Panzer und andere Insignien des Militärischen den Nationalstolz nach 1870/71 symbolisierten, standen Radio und Zeppelin für die technischen Errungenschaften einer bestimmten Zeit.

Wie die insgesamt 400 Objekte, allesamt Leihgaben einer Privatsammlung, am Christbaum tatsächlich aussehen, bleibt freilich der Phantasie des Betrachters überlassen. Sie liegen nämlich gut ausgeleuchtet in den Vitrinen, die sich rund um einen reich geschmückten Christbaum formieren. Und der ist natürlich ganz traditionell aufgemacht: mit roten Kugeln, Strohsternen und vielen Springerle.

 

„Aufgeputzt“ heißt die diesjährige Weihnachtsausstellung des Museums für Brotkultur in Ulm, die bis einschließlich 12. Januar 2014 historischen Christbaumschmuck aus der Sammlung der Firma Schreiner in Rißtissen zeigt.


Öffnungszeiten: Täglich 10-17 Uhr (an Silvester geschlossen, am 1.Januar von 13-17 Uhr). Der Eintritt beträgt vier Euro, ermäßigt drei Euro. Führungen: Es gibt eine Führung zur Finissage am Sonntag, 12. Januar, um 15 Uhr.
Adresse: Museum der Brotkultur, Salzstadelgasse 10, 89073 Ulm

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Infos auf: http://www.museum-brotkultur.de

 

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