„Globalisierung der Menschlichkeit“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der Jubel der Weihnachtsbotschaft treffe auf eine zerbrechliche, verletzliche Welt, sagte der evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose in seiner Weihnachtspredigt am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember in der Marienkirche: „Aber sie schenkt Mut, Unrecht beim Namen zu nennen.“ Die liturgisch-musikalische Gestaltung des Gottesdienstes orientierte sich am ersten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, das in der Marienkirche an den Sonn- und Feiertagen bis zum 6. Januar in insgesamt sechs Kantatengottesdiensten erklingt.

 

„Gott kommt uns nahe! In einem Kind kommt er in unsere Welt. Aus Knechten und Mägden macht er Gotteskinder“, sagte der Prälat in seiner Auslegung des Predigttextes aus dem Galaterbrief. Das sei Grund zum Jubel, den das Weihnachtsoratorium in seinem Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ zum Ausdruck bringe. Er stimme gerne in den Jubelgesang mit ein, sagte Dr. Rose, aber er könne es nicht, ohne dass das Elend der Menschen vor dem inneren Auge auftauche. Denn die frohe Botschaft treffe auf eine „Welt, in der es hinter den Glitzerfassaden viele dunkle Ecken und viel zu viel Leid gibt. Das war damals in Bethlehem und Galatien nicht anders als heute in Syrien und Afrika. Die Tragik reicht in unsere Tage herüber, wenn wir an das Schicksal der vielen syrischen Flüchtlinge in den kalten Winterlagern der Türkei und des Libanons denken. Die Tragik und das Unrecht nehmen kein Ende an den Grenzen Europas.“ Aber auch in Reutlingen könne das Fest für Menschen in prekären Lebenssituationen zum Albtraum werden, wenn sie nicht mehr mithalten könnten mit den üblichen Standards.

 

Die Weihnachtsbotschaft schenke gleichzeitig den Mut, Unrecht beim Namen zu nennen, führte der Prälat weiter aus: „Jesus wurde Mensch, um da zu sein, wo die Wunden der Welt sind. Es geht nicht an, dass im Mittelmeer ein Fischer bestraft wird, wenn er einen ertrinkenden Flüchtling an Bord nimmt. Es geht nicht an, dass die Europäische Union jetzt plant, bei der Abwehr von Bootsflüchtlingen Drohnen einzusetzen.“ Gegen eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zeige Weihnachten: „Gott wird Mensch und führt uns zur Globalisierung der Menschlichkeit. Er weist uns den Weg dorthin, wo die Wunden der Welt sind. Dort gehören Zagen und Klagen, Jauchzen und Jubeln zusammen.“

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