„Advent ist für mich wie Hefeteig“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Wenn ich Brot backe, richtig gutes Brot mit gutem Mehl, kräftigen Körnern, goldenem Öl, einer Prise Salz und natürlich mit Hefe und Sauerteig, dann dauert das seine Zeit. Ich muss kneten, der Teig muss gehen, durchsäuern. Ich muss ihn hegen und pflegen, warmhalten, kneten zur rechten Zeit, warten. Die Hefe geht auf, quillt über, der Teig wird mehr und mehr. Dann kommt er in den Ofen. Ein wunderbarer Duft erfüllt die Wohnung. Und dann erst ist es so weit: knuspriges, gutes Brot – zum Essen, zum Genießen, am besten noch warm, am besten mit würzigem Käse und knackiger Wurst. Und am allerbesten zum Teilen mit guten Freunden rund um den Tisch.

Advent ist für mich genauso wie Hefeteig. Gottes Segen darf in mir wachsen. In aller Ruhe. Denn das dauert seine Zeit. Ich darf mich hegen und pflegen, darf warten. Advent ist Zeit zum Auftanken. Zeit zum Einatmen – trotz und in all dem Weihnachtstrubel. Zeit, zu kneten. Zeit, um den Teig gehen zu lassen. Dann breitet Gottes Segen sich aus, wie ein Duft aus einer anderen Wirklichkeit. Stärkt mich, erfüllt mich.

Aber ist Advent nicht eigentlich Bußzeit, Zeit, Buße zu tun und Einsicht in die eigenen Sünden zu nehmen? – Ja, genau, das ist er! Das Wort Sünde kommt von „Sund“ und das heißt „Graben“. Sünde ist das, was uns von Gott trennt. Und wenn ich Gottes Segen in mir Raum gebe, dann werde ich auch das, was mich von Gott trennt, verscheuchen können. Der Segen wächst, durchsäuert mich. Die Hefe geht auf. Wie wohl mir dabei wird!

Advent ist für mich wie Hefeteig. Gottes Segen geht auf. Und das Brot, das daraus entsteht, das teile ich dann gern: mit Freunden, mit Fremden. Ich muss es gar nicht ganz verschenken. Ich muss mich nicht überfordern. Das, was überquillt, das, was Gottes Segen mir zu viel geschenkt hat, das gebe ich weiter: sei es ein bisschen Zeit, Liebe oder Zuwendung, sei es ein böses Wort, das ich herunterschlucke, sei es die Spende für einen guten Zweck, ein aufmunterndes Wort. Und: Ich darf behalten, was ich selbst brauche zum Glücklich sein.

Advent ist wie Hefeteig: Gottes Segen geht auf. Das Brot, das mir daraus geschenkt ist, kann ich teilen. Denn: „Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, beschieden hat“ (5. Mose 16,17).

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