„Gottesdienst ist eine der vitalsten Äußerungen kirchlichen Lebens“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Eine stabile Anzahl evangelischer Gottesdienstbesucher und eine wachsende Bedeutung von Sondergottesdiensten sind die beiden wichtigsten Ergebnisse eines wissenschaftlich begleiteten Projekts im Evangelischen Kirchenbezirk Reutlingen: Ein Jahr lang haben 29 evangelische Kirchengemeinden allwöchentlich alle Gottesdienstbesucher gezählt. Normalerweise geschieht dies nur fünfmal jährlich. „Es gibt eine vielfältige Gottesdienstlandschaft und sehr, sehr viele Menschen, die einen Gottesdienst besuchen“, bilanzierte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Annette Haußmann vom Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Tübingen am Freitag, 18. Oktober im Reutlinger Matthäus-Alber-Haus vor Journalisten.

 

Genau ein Jahr lang, nämlich vom 1. April 2012 bis zum 31. März 2013, wurde in 29 von 34 Gemeinden des Evangelischen Kirchenbezirks Reutlingen jeder Sonntagsgottesdienstbesucher, aber auch jeder Besucher von Taufen, Konfirmationen, Traugottesdiensten, Beerdigungen, Schulgottesdiensten und anderen kirchlichen Feiern statistisch erfasst. Ergebnis: Die 70.460 evangelischen Christinnen und Christen im Bezirk besuchen rund 330.000 mal einen evangelischen Gottesdienst. Statistisch besucht also vom Säugling bis zum Greis jeder evangelische Christ im Bezirk Reutlingen durchschnittlich 4,7 evangelische Gottesdienste pro Jahr. Bemerkenswert ist dabei die Aufteilung zwischen den regulären Sonntagmorgen-Gottesdiensten, die nur 61 Prozent der Besuche ausmachen, und den so genannten Kasual-Gottesdiensten, also eigenen Taufgottesdiensten, Trauungen und Beerdigungen, auf die 28 Prozent entfallen, sowie anderen Sondergottesdiensten, auf die elf Prozent der Besuche entfallen. „Der Einzelne geht heute statistisch nicht seltener in den Gottesdienst als vor hundert Jahren“, zeigte sich Kirchenrat Dr. Frank Zeeb vom Evangelischen Oberkirchenrat überzeugt: „Aber er geht zu anderen Anlässen, nämlich dann, wenn es ihn betrifft – bei Kasualien oder zu kirchlichen Hochfesten wie Weihnachten.“

 

Der Gönninger Pfarrer Alexander Behrend, der das Projekt zusammen mit der Reutlinger Pfarrerin Christina Hörnig angestoßen hat, wies auf eine weitere Erkenntnis der wissenschaftlichen Auswertung hin: „Die bunte Vielfalt in den Gottesdiensten findet überwiegend am Sonntagvormittag statt.“ Zweitgottesdienste zu anderen Zeiten spielten zahlenmäßig kaum eine Rolle, ihre Anzahl sei eher rückläufig.

 

Im statistischen Vergleich mit den Zahlen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg steht der Kirchenbezirk Reutlingen gut da: Besuchen EKD-weit rund 3,7 Prozent aller evangelischen Christen an einem normalen Sonntag den Gottesdienst, so sind es in Württemberg 5,2 Prozent. Denselben Wert hat Haußmann auch für den Bezirk Reutlingen errechnet. „Der Gottesdienst ist viel besser als sein Ruf“, bilanzierte  Haußmann: „Er ist eine der vitalsten Äußerungen des kirchlichen Lebens.“

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