150 Jahre Evangelische Jugendarbeit in Stuttgart

Evangelische Landeskirche Württemberg

In Stuttgart lebten 1863 knapp 70.000 Menschen. Viele von ihnen waren junge Männer, die auf der Suche nach Arbeit in die aufkommenden Industriestandorte am Neckar gezogen waren. Doch das ungewohnte Leben in der Großstadt stellte besonders die Jüngeren vor große Schwierigkeiten. Die Suche nach einem Arbeitsplatz und Wohnraum, nach Gemeinschaft, sinnvoller Freizeitgestaltung und „geistlicher Begleitung“ waren einige der Herausforderungen. Die Evangelische Kirche reagierte mit der Anstellung eines Jugendpfarrers, denn ohne diesen würden „Tausende von jungen Leuten ohne seelsorgerliche Einwirkung bleiben und immer tiefer in das Verderben der Unsittlichkeit und Irreligiosität versinken“ so die Befürchtung, die im Antrag für die Stelle formuliert wurde. Mit Schlafstätten, Freizeit- und Bildungsangeboten sollten die Lehrlinge vor dem sittlichen Verfall, vor den Dirnen und dem Alkohol in den Winkelkneipen geschützt werden.

Zu den ersten Einrichtungen gehörten Lehrlingsheime, später kamen Arbeits- und Wohnungsvermittlung, Jugendfürsorge und -bewährungshilfe hinzu. Auch die evangelische Waldheimarbeit und die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben waren Teil des Jugendpfarramts. Um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, gründete der erste Jugendpfarrer Carl Neeff bereits 1864 den Jugendverein, einen Vorläufer der Evangelischen Jugend Stuttgart. Zwar wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hauptamtliche Pädagogen eingesetzt, doch bis heute sind ehrenamtlich Mitarbeitende die wichtigste Stütze der evangelischen Jugendarbeit. Etwa 3.000 junge Menschen engagieren sich inzwischen allein in den Angeboten der Evangelischen Jugend Stuttgart. Diese reichen von der Gruppen- und Projektarbeit in den Stuttgarter Kirchengemeinden, im Haus 44 oder in der Jugendkirche über Ferienwaldheime und Freizeiten bis hin zur Kooperation mit zahlreichen Schulen im gesamten Stadtgebiet.

Mehr als Historie: Festgottesdienst und Fest am 13. Oktober
 
Im Festgottesdienst am 13. Oktober 2013 um 10 Uhr geht es nicht nur um die Geschichte. In der Stiftskirche predigt der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider über die Vision des konstruktiven Miteinanders der Generationen, das preisgekrönte teatro piccolo der Evangelischen Jugend Stuttgart steuert Szenen bei. Eine Premiere ist das musikalische Miteinander von Orgel, Bläsern, Hymnuschor und elektronischer Musik. Im Anschluss lädt die Evangelische Jugend zu einem Fest ins Haus 44 ein. Zeitzeugen berichten aus vergangenen Zeiten, die Jugendreferentinnen und -referenten zeigen, was die aktuelle Jugendarbeit ausmacht.

Tipp: Die Festschrift „Vom Wir geprägt. 150 Jahre evangelische Jugendarbeit in Stuttgart“ beschreibt die Geschichte in Erzählungen, historischen Fakten und zahlreichen Fotos, erörtert aber auch die Herausforderungen evangelischer Jugendarbeit in der Großstadt. Zahlreiche Grußworte zeigen das große Netzwerk, in das die evangelische Jugendarbeit in Stuttgart eingebunden ist. Die Festschrift ist zu bestellen unter info@ejus-online.de und kostet 10,- € inkl. Versand.

Rolf Ahlrichs

Weitere Informationen erhalten Sie auf dem http://Blog der Evangelischen Jugend in Stuttgart

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*