4.500 junge Leute beim EJW-Jugendtag in Ludwigsburg

Evangelische Landeskirche Württemberg

Ludwigsburg. Zum Jugendtag des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) am Sonntag, den 29. September sind rund 4.500 junge Leute nach Ludwigburg gekommen. Zwischen MHP-Arena und Friedenskirche gab es ein vielfältiges und umfangreiches Programm. Neben einer Auftaktveranstaltung mit den Gewinnern des „Mach Mit! Award“, dem Bandnachwuchswettbewerb „EIGENSINNiCH“, zehn thematischen Foren, vielen Mitmach-Aktionen, sportlichen Herausforderungen und vier Gottesdiensten stand ein Konzert mit dem Songwriter Florian Ostertag auf dem Programm.

Gesellschaftliche Debatte über den Wert der Jugendarbeit gefordert

Am Rande der Veranstaltung sagte Gottfried Heinzmann, Leiter des EJW, gegenüber der Presse, dass junge Leute durch G8, Ganztagesschule und veränderten Prüfungszeiten an den Hochschulen immer weniger selbstbestimmte Zeit hätten, in denen sie sich ehrenamtlich engagieren können. Er forderte eine gesellschaftliche Debatte über die Frage, welchen Stellenwert die außerschulische Jugendbildung habe. Kirchenrätin Heike Bährens, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bekräftigte diese Forderung. „Die Jugendarbeit leistet einen unschätzbaren Wert für unsere Gesellschaft, der durch diese neue Entwicklung verloren gehen kann.“

„Eine Leiter zum Himmel“

Im Forum mit dem Thema „Schläfst Du, Gott?“ erzählte Sandra Schlitter von einem Erlebnis mit ihrem Sohn Mirco. Vor fast genau drei Jahren wurde der zehnjährige Junge entführt, missbraucht und erdrosselt. In den Sommerferien vor der schrecklichen Tat hatte er sich zusammen mit seiner Schwester auf dem Spielplatz eine Leiter geschnappt, in den Sand gerammt und war daran hochgeklettert. „Ich baue mir eine Leiter zum Himmel“, hatte er dazu gesagt. „Mein Kind hatte ein Ziel gehabt, er wollte nahe bei Gott sein“, sagte Sandra Schlitter vor 200 aufmerksamen jungen Zuhörern. „Das wünsche ich uns, dass wir nahe an Gottes Vaterherz kommen. Dass wir ihn finden, egal wie schwer manche Situation für uns ist.“ Ilse-Dore Seidel, Referentin des CVJM-Landesverbands, forderte die Jugendlichen auf, sich in guten Zeiten solche „Leitern in den Himmel“ zu bauen. „Das trägt durch die dunklen Zeiten.“

Ein von Gott geliebter Mensch

Beim „Kick Off“des Jugendtags sagte Pfarrer Gottfried Heinzmann, dass ihn manche Fernseh-Dokus ärgern, weil sie unterschwellige Botschaften wie „auch Du kannst schön und berühmt sein. Du musst nur etwas aus dir machen“ enthielten. Ihn ärgert, dass auch er immer wieder darauf hereinfalle und wie schnell selbst er manchmal diese Wahrheiten akzeptiere. Er verwies auf Psalm 86 in dem es heißt: „Zeige mir, Herr, deinen Weg. Ich möchte nach deiner Wahrheit leben.“ Die Botschaft Gottes sei: „Du bist geliebt. Ich freue mich an dir. Nicht erst dann, wenn du etwas Besonders geleistet hast. Nicht erst dann, wenn du etwas aus dir gemacht hast. Du bist geliebt. Mit deinen schönen Seiten, aber auch mit deinen Macken. Mit deinen Stärken und mit deinen Schwächen. Mit deinen Gaben und mit deinen Grenzen. Du bist geliebt. Von Anfang an.“ Der Jugendtag solle den Jugendlichen helfen, das zu entdecken und zu überlegen, wie dies konkret werden könne.

Der Landesbischof im Interview-Taxi

Beim „Mitfahr-Gottesdienst mit Drive“ saß Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July im Interview-Taxi und berichtete, daß auch er Zweifel und Situationen kennt, in denen er nicht wusste, wie er damit umgehen und wie es weitergehen soll. Auch angesichts des Leides im Bürgerkrieg in Syrien komme ihm die Frage, was das mit Gott zu tun habe. Jugendevangelist Dieter Braun (EJW und CVJM) erzählte in der Dialogpredigt von den Jüngern Jesu, die nach seinem Tod nackte Zukunftsangst hatten und nach einer erfolglosen Nacht auf dem See Tiberias vom Fischzug mit leeren Netzen zurückkamen und dann in der Morgendämmerung Jesus am Ufer begegneten. Jesus half ihnen „in einer Art und Weise, die geradezu unheimlich erschein“ die Netze zu füllen. Dieter Braun rief den Jugendlichen zu: „Wohin du auch gehst, wenn dieser Jugendtag zu Ende geht, wohin es dich treibt in den kommenden Wochen, auf welche Meere es dich verschlägt und an welche Ufer es dich auch spülen mag in deinem Leben. Jesus steht schon am Ufer. Keine Nacht, in der er dich allein lässt. Keine Angst, um der er nicht wüsste. Kein Ufer, an dem dein Herr nicht auf dich wartet. Wohin du auch gehst. Er ist da. Heute und morgen, An jedem Tag der kommenden Woche. Dein ganzes Leben lang. Und darüber hinaus.“

MachMit Award verliehen

Im Rahmen des Jugendtags wurde auch der diesjährige Jugenddiakoniepreis vergeben. In der Altersgruppe von 13 bis 17 Jahren ging der 1. Platz an das Café Seniorengarten der VAB-Schüler der Gustav-Werner-Schule in Heilbronn. Das „Inklusive T-Shirt Label Wahnsinn“ aus Reutlingen erzielte den 1. Platz in der Altersgruppe von 18 bis 27 Jahren. Ein Sonderpreis ging an den 15-jährigen Siyar Yeniay aus Rottenburg.  Getragen wird der „Mach Mit!“ Award von der Diakonie Baden und Württemberg gemeinsam mit den Zieglerschen und seit diesem Jahr auch von der evangelischen Jugend in Baden und Württemberg. Unterstützt wird er von der Stiftung Diakonie Baden, der Stiftung Diakonie Württemberg und vom Jugendradio bigFM. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige Jury.

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