Die Lage in Syrien ist so schwierig wie nie

Evangelische Landeskirche Württemberg

(Stuttgart, 19.09.2013) Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Syrien hat sich Dr. Habib Badr, Leitender Pfarrer der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut (NECB), mit einer eindringlichen Bitte um Unterstützung an die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) gewandt. „Nie war die Lage in Syrien so schwierig und kompliziert wie heute, besonders für uns Christen“, schreibt Badr. Was als friedlicher Aufstand gegen das Regime begonnen habe, sei nun eine sehr blutige Auseinandersetzung geworden, an der sich mittlerweile auch viele tausend radikal-islamistische Kämpfer aus dem Ausland und aus Syrien beteiligten. Die Opposition sei gespalten und habe keine gemeinsamen Ziele. „Es fehlt ihnen eine gemeinsame Vision von der Zukunft Syriens“, schreibt Badr.

Die eskalierende Gewalt in Syrien  zwingt immer mehr Syrerinnen und Syrer zur Flucht. Viele suchen Schutz in den Nachbarländern. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR haben bereits 1,9 Millionen Menschen das Land verlassen. Rund 530.000 haben in Jordanien Schutz gesucht, mehr als 730.000 Flüchtlinge leben derzeit im Libanon, der bei einer Gesamtbevölkerung von knapp vier Millionen die Hauptlast der Flüchtlingskrise trägt.  Allein in den Schulen des Libanon werden in diesem Schuljahr bereits mehr syrische als libanesische Kinder unterrichtet. „Der Libanon kann auf keinen Fall die Last dieses immensen Flüchtlings-Zustroms allein tragen“, sagt Badr. Die Folgen dieser Tragödie wirkten sich verheerend auf die Sicherheitssituation des an sich schon instabilen Libanon aus und verursachten einen enormen Schaden in Hinblick auf die libanesische Wirtschaft, die politische Stabilität und den sozialen Zusammenhalt, so Badr.

In seinem Schreiben bittet Badr die EMS-Gemeinschaft zu allererst darum, für den Frieden in der Region
zu beten. „Wir können und müssen für Frieden beten. Wir müssen mit unseren Herzen beten, in unseren Häusern, in unseren Kirchen am Sonntag und zu jeder anderen sich uns bietenden Gelegenheit“, schreibt Badr, der auch stellvertretender Vorsitzender des EMS-Missionsrats ist.

Außerdem fordert er dazu auf, sich auf allen Ebenen für Frieden, Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit einzu-setzen, „insbesondere gegenüber den eigenen Regierungen und Politikern“. Dazu gehöre eine klare Absage an Waffenlieferungen nach Syrien. „Wer auch immer Waffen an die Kriegsparteien liefert, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie auch gegen Christen und andere Minderheiten eingesetzt werden können.“ Badr sieht auch in einem möglichen Militärschlag der Amerikaner, der durch die diplomatischen Entwicklungen vorerst abgewendet werden konnte, keine Lösung. „Demokratische Strukturen können auf diese Weise nicht etabliert werden.“

Regierungen, Kirchen und NGOs sieht Badr in der Pflicht, humanitäre Hilfe für die leidende Zivilbevölkerung und die Flüchtlinge zu liefern. „Wir müssen unsere menschlichen und materiellen Ressourcen nutzen, um das Leiden unserer christlichen und nicht-christlichen Brüder und Schwestern in Syrien und im Libanon zu lindern. Wir müssen ein Licht in der Dunkelheit anzünden, die derzeit Gottes Volk im Nahen Osten umfängt.“

Pfarrerin Marianne Wagner, Vorsitzende des EMS-Missionsrats, ruft die EMS-Gemeinschaft zur Unter-stützung der Geschwister im Nahen Osten auf: „Wir nehmen schon lange Anteil am Leiden der Menschen in Syrien und im Nahen Osten. Nun hören wir, dass die Lage immer schlimmer wird. Ich bitte alle in der EMS-Gemeinschaft und darüberhinaus, auf die Bitte unserer Geschwister um Unterstützung zu antworten und für die Menschen in Syrien und für Frieden in der Region zu beten.“

Die EMS-Geschäftsstelle ist in engem Kontakt mit Kirchen vor Ort.   „Wir müssen die kämpfenden Parteien zu Verhandlungen drängen, sagen in Gesprächen viele Christen im Nahen Osten wie in Deutschland“, berichtet Pfarrerin Ulrike Schmidt-Hesse, Leiterin der Abteilung Mission und Partnerschaft der EMS. „Ich hoffe sehr, dass die Verhandlungen, die jetzt zum Abbau der  Chemiewaffen in Syrien führen sollen, ein erster Schritt sind, und dass es sehr bald Friedensgespräche gibt, an denen alle Gruppen beteiligt sind.“

Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) ist ein Zusammenschluss von 23 Kirchen und fünf Missions-gesellschaften in zehn Ländern in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Europa. Sie setzt sich ein für welt-weite Mission und kirchliche Zusammenarbeit. Zur EMS gehört auch der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen (EVS), der zwei Schulen in Jordanien und im Libanon unterstützt.

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