Chapeau, Kandidat!

Koch meint…

Noch eine gute Woche, dann ist Bundestagswahl. Für die ich an dieser Stelle natürlich keine Wahlempfehlung abgeben möchte. Stattdessen ist mir daran gelegen, den Kandidatinnen und Kandidaten, die am 22. September ins Rennen gehen, schon einmal zu danken. Zum einen sind sie es, die eine solche Wahl überhaupt erst möglich machen. Zum anderen ist der Wahlkampf in den Wochen davor alles andere als vergnügungssteuerpflichtig, und zwar weder im Kleinen noch im Großen.

Im Kleinen und aus eigener kommunalpolitischer Erfahrung gesprochen: Die samstäglichen Infostände in der Fußgängerzone sind mit das Schlimmste. Um welche der eine Wahlbürger einen großen Bogen macht und sich partout in kein Gespräch verwickeln lassen will. Der oder die andere aber – in der Regel die üblichen Verdächtigen – steuert zielgenau darauf zu, um den ganzen Frust von vier Jahren loszuwerden. Argumente helfen wenig, eher schon Luftballons, Kugelschreiber und Gummibärchen. Dazu kommen Plakate aufstellen, Broschüren verteilen, Hausbesuche machen, an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Es soll Kandidatinnen und Kandidaten geben, die das lieben. Ich selber aber finde Wahlkampf, ehrlich gesagt, nur …

Und was ist mit dem Wahlkampf im Großen? Auch da will ich ehrlich sein: Nicht einen einzigen Tag im Wahlkampfleben von Angela Merkel oder Peer Steinbrück würde ich mitmachen wollen – und am allerwenigsten den Abend des Fernsehduells. Bei dem du vor einem Millionenpublikum für deine Partei und ihre Anhänger siegen musst, die anderen dagegen nur auf einen Patzer von dir warten, und wo ein Quartetto infernale tückische Fragen stellt, ohne dass echte Antworten wirklich möglich sind. Eine dieser Antworten hole ich deshalb hier nach: Ja, ein Bundeskanzler, eine Bundeskanzlerin verdient wohl wirklich zu wenig! Jedenfalls würde sich für so einen Stress und 250.000 Euro im Jahr in der Fußballbundesliga kein Spieler auch nur auf die Reservebank setzen.

Damit wir uns richtig verstehen: Mitleid ist fehl am Platz, weil vor allem die „Großen“ wollen es ja so. Trotzdem: Gewinnen kann eigentlich immer nur einer, viele andere aber kandidieren quasi umsonst, und das nicht zuletzt deshalb, damit wir eine Wahl haben. Dafür gebührt, auch wenn’s pathetisch klingt, Dank.

Wie aber äußert sich dieser Dank am besten? Bei mir so, dass ich am 22. September auf jeden Fall wählen gehe. Und hier und heute damit schließe: Chapeau, Kandidat – und Kandidatin natürlich auch! Denn stell dir vor, es ist Wahl, und niemand kandidiert.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?

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