Ein Juwel der Orgelromantik soll wieder erstehen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Sie ist die älteste und bedeutendste Orgel Esslingens und eine der wenigen noch erhaltenen Orgeln der deutschen Romantik. Für Organist Dr. Helmut Völkl und Bezirkskantor Uwe Schüssler ist es deshalb keine Frage, dass die 150 Jahre alte Orgel in der Esslinger Frauenkirche renoviert und wenn möglich auch in ihren Originalzustand zurückversetzt werden sollte. Am Jubiläumswochenende am 28. und 29. September will man sich deshalb auch über die Zukunft der Orgel Gedanken machen.

Das Instrument, das Helmut Völkl ein „Juwel“ und, weil es nur noch wenige ähnliche Exemplare gibt, „hochbedeutend“ nennt, wurde vor 150 Jahren vom berühmten Orgelbauer Carl Gottlob Weigle aus Echterdingen gebaut. „Sie war auf dem neuesten Stand des Orgelbaus: Eine Orgel der deutschen Romantik, mit wunderbaren Einzelregistern, schönen Klangkombinations- möglichkeiten und einem edlen Gesamtklang“ schwärmt Völkl. In ihrem Äußeren ist sie auf den Altar, die Kanzel und die Bänke abgestimmt, die wie die Orgel in den 1860er Jahren bei der Sanierung der Frauenkirche eingebaut wurden.

In den 1930er Jahren jedoch hatte sich der Geschmack geändert. Barocke Klänge waren en vogue. Der damalige Organist Dr. Walter Supper ließ das Instrument mangels finanzieller Mittel für eine neue Orgel umbauen und erweitern. „Damit konnte man barocke Orgelwerke wie die von Bach oder Buxtehude besser spielen“, erläutert Völkl.

 

Dazu wurden unter anderem Orgelpfeifen verkürzt, um einen helleren Klang zu erreichen. Zudem wurde in die Empore ein sogenanntes „Brüstungspositiv“ mit rund 350 Orgelpfeifen eingebaut, von denen manche einen etwas skurrilen Klang hätten, sagt der Organist. „Man bevorzugte damals eine klare musikalische Sprache, während es bei der Romantik mehr um die Fülle des Klangs ging“, erklärt Schüssler.

Gute Chancen für Rückbau

 

70 Prozent des romantischen Originalbestands sind noch erhalten. Deshalb sehen die beiden Kirchenmusiker wie auch Orgelfachleute gute Chancen, die Frauenkirchenorgel – anders als andere in gleicher Weise umgebaute Orgeln – wieder in ihren Originalzustand zu versetzen. „Sie wäre dann eines der wenigen erhaltenen Klangdenkmale der Orgelromantik“, sagt Völkl.

 

Weder Fisch noch Fleisch

 

„So wie sie jetzt ist, ist sie weder Fisch noch Fleisch“, beschreibt der Organist den Zustand der Orgel. Natürlich funktioniere das Instrument, „aber eben eingeschränkt“, ergänzt Schüssler. „Es hat keine eindeutige Ausrichtung. Man kann weder richtig barocke noch romantische Werke spielen.“ Deshalb findet Völkl auch, dass die Orgel derzeit für Konzerte eher weniger geeignet sei.

Vor allem die alten Teile funktionierten noch einwandfrei, weil die Orgel ursprünglich sehr solide gebaut worden sei, sagt Völkl. Defekt sind dagegen einige der im Krieg mit schlechtem Material eingebauten Stücke. Diese müssten ohnehin repariert werden.

Finanzierung durch Spenden

 

Eine Rückführung in den Originalzustand könne nur über Spenden finanziert werden, weiß Völkl. Allenfalls Zuschüsse vom Landesdenkmalamt könne man erwarten. Dieses unterstütze ein solches Vorhaben.

Für Uwe Schüssler ist es wichtig, die Frauenkirche in ihrer Gesamtheit im Blick zu haben. Schließlich sei die spätgotische Kirche der Resonanzraum für die Orgel. Es gelte, „ein Bewusstsein für dieses besondere Instrument zu wecken“.


Umfangreiches Jubiläumsprogramm

 

Die soll auch am Jubiläumswochenende geschehen:

Das Programm sieht am Samstag, 28. September, um 11 Uhr eine Orgelvorführung und von 13 bis 17 Uhr eine Orgelexkursion zu romantischen Orgeln in Esslingen-Berkheim, Neuhausen/Filder und die Franziskanerkirche in Esslingen vor. Anmelden kann man sich dazu beim Gemeindebüro der Stadt- und Frauenkirchengemeinde unter Tel. 0711-39697342 oder http://gemeindebuero.esslingen@dont-want-spam.elk-wue.de. Die Kosten betragen 12 €, ermäßigt 9 €. Um 19 Uhr gibt es eine Einführung und um 19.30 Uhr ein Orgelkonzert mit dem früheren Frauenkirchen-Organisten Prof. Christoph Bossert.

 

Am Sonntag, 29. September, wird um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst in der Frauenkirche mit Pfarrer Prof. Bernhard Leube gefeiert. Von 11 bis 12.30 Uhr wird sich ein Symposion mit der Zukunft der Frauenkirche und der Orgel beschäftigen. In kurzen Statements mit anschließender Diskussion soll unterschiedlichen Fragen nachgegangen werden – etwa, wie man Kirche und Orgel künftig nutzen könnte, unter anderem im Blick auf die Ausbildung von Kirchenmusikern. Beschrieben werden soll, wie sich die mögliche Renovierung auswirken würde. Aber auch die Geschichte der Frauenkirche als Esslinger Bürgerkirche und die Funktion der Orgel im Gottesdienst in Württemberg sollen Themen sein. Am Ende soll, so wünscht es sich Helmut Völkl, die Gründung eines Freundeskreises oder Orgelfördervereins stehen.

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