„Die Liebe hat nicht aufgehört, darin liegt Sinn und Trost“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Nach einer Trauerfeier in der evangelischen Stiftskirche ist der am Sonntag, 9. Juni verstorbene Tübinger Philologe und Rhetorikprofessor Walter Jens am Montag, 17. Juni in einem Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof beerdigt worden. Unter den rund 1.000 Trauergästen waren auch Verkehrsminister Winfried Hermann als Vertreter der Landesregierung, Prälatin Gabriele Wulz als Vertreterin der Kirchenleitung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Oberbürgermeister Boris Palmer sowie zahlreiche Professoren wie Hans Küng, Eberhard Jüngel und Jürgen Moltmann.

Walter Jens habe mit seinen Gaben und Möglichkeiten und mit seinen Überzeugungen, Themen und Interessen großartig in sein Jahrhundert gepasst, sagte Stiftskirchenpfarrer Dr. Karl Theodor Kleinknecht in seiner Traueransprache. Seine Predigt war der einzige Redebeitrag; auf Wunsch der Familie erklang anstelle von Nachrufen das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart in voller Länge. Pfarrer Dr. Kleinknecht ging auch ein auf die letzte Lebensphase des Verstorbenen und auf die von ihm zuvor selbst aufgeworfenen ethischen Fragen: „Der große Denker, einer der großen Intellektuellen seiner Zeit, einer, der sich mit den Fragen von Alter, Krankheit, Hilflosigkeit und würdigem Sterben besonders beschäftigt hatte und gerade noch entschieden für das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben eingetreten war, gerät selbst in die Lage, die er gerade noch als unakzeptabel und nicht mehr lebenswert beschrieben hat: hilflos und um fast alles beraubt, was zuvor sein Stolz und sein Anspruch gewesen war – und will leben.“ Die Pflegerin der letzten Jahre, Margit Hespeler, verglich Pfarrer Dr. Kleinknecht mit der Schreinergattin Lotte Zimmer, die den kranken Dichter Friedrich Hölderlin in Tübingen jahrelang gepflegt hatte. Pfarrer Dr. Kleinknecht sagte: „Unsere Ansprüche ans Leben sind andere, und doch gilt: Auch das aufs Kreatürliche reduzierte Leben bleibt Kreatur, bleibt Leben, bleibt von Gott bejaht, bleibt der Liebe wert und der Liebe fähig, wie begrenzt auch immer.“ An die Familie und die Pflegerin gewandt, sagte er: „Da ist Ihnen viel gelungen, liebe Frau Jens, liebe Frau Hespeler mit allen, die daran beteiligt waren. Die Liebe hat nicht aufgehört, darin liegt Sinn und Trost, auch heute.“

Peter Steinle

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