Spirituelles Angebot auf dem Marktplatz des Lebens

Evangelische Landeskirche Württemberg

Mit dem Einkaufskorb in die Kirche – das ist bei der Ökumenischen Marktandacht, die seit 25 Jahren jeden Mittwoch um 9 Uhr im Münster St. Paul am Esslinger Marktplatz gefeiert wird, Programm. Marktbesucher werden vor, während oder nach dem Einkauf zum geistlichen Impuls eingeladen. In ökumenischer Verbundenheit gestalten die Kirchengemeinden in der Esslinger Innenstadt – die evangelische Stadt- und Frauenkirchengemeinde, die katholische Kirchengemeinde St. Paul, die evangelische Johanneskirchengemeinde, die evangelisch-methodistische Kirche, die evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und die Adventgemeinde diesen kurzen Gottesdienst im Wechsel.

„Wir wollen das Evangelium auf dem Marktplatz des Lebens verkündigen“, sagt Christoph Bäuerle, Pfarrer der Evangelischen Stadt- und Frauenkirchengemeinde. „Zum kulinarischen Angebot des Wochenmarktes kommt ein spirituelles in der Kirche dazu“, ergänzt sein katholischer Kollege Pfarrer Stefan Möhler. Wie das bunte Warenspektrum auf dem Markt zeichne sich das geistliche Angebot durch große Vielfalt und Qualität aus. „So können die Menschen mit Nahrung für Leib und Seele nach Hause gehen.“

Entstanden war die Idee eines geistlichen Impulses während des Wochenmarktes im Ökumenischen Arbeitskreis Innenstadt. Am 13. April 1988 fand dann die erste Marktandacht statt. 1253 Andachten werden es bis zum Jubiläum am 10. April 2013 sein, hat Marianne Müller, die für die Johanneskirchengemeinde im Team ist, ausgerechnet. Männer und Frauen, Theologen und Laien aus den verschiedenen Kirchengemeinden wechseln sich bei den Andachten ab. „Die Marktandacht ist ein Selbstläufer geworden“, erklärt Christel Hoffmann, die fast von Anfang an als Vertreterin der Stadtkirchengemeinde dabei ist. Es habe sich eine richtige Marktgemeinde von bis zu 30 Personen gebildet, die regelmäßig zur Andacht komme. Doch häufig mischen sich auch andere Besucher unter die Gottesdienst-Teilnehmer. So wie jene Touristin aus Wien, die so begeistert war von diesem spirituellen Angebot, dass sie eine Marktandacht auch dort initiierte.

Eine gute Viertelstunde dauert die Liturgie mit Begrüßung, Lied, einer kurzen Ansprache und einem Fürbitte-Gebet mit Vaterunser. Das Orgelspiel besorgt ehrenamtlich Münster-Organist Felix Muntwiler. Ganz besonderes Engagement zeigt auch Mesner Christoph Gründken. „Wann immer jemand ausfällt, springt er spontan ein“, erzählt Marianne Müller. Worüber in der Andacht gesprochen wird, bleibt jedem überlassen. Das Thema muss nicht hoch-theologisch sein. „Es geht um den Alltag der Menschen und es ist schön, wenn die Erfahrungen aus dem eigenen Leben einfließen“, ermutigt Christoph Bäuerle, in den Ansprachen an die persönlichen Erfahrungen anzuknüpfen. Ihre schwierigste Marktandacht hatte Christel Hoffmann nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 zu halten. „Da wusste ich lange nicht, was ich sagen sollte.“ 1994 hat sie gemeinsam mit dem damaligen Münster-Pfarrer Wolfgang Tripp eine Auswahl der Marktandachten in dem inzwischen allerdings vergriffenen Band „Marktplatz des Lebens“ herausgegeben.

Einen geistlichen Impuls mitten im alltäglichen Leben zu setzen, unterscheide die Marktandacht vom sonntäglichen Gottesdienst, sagt Stefan Möhler. „Wir dürfen nicht warten, bis die Menschen zu uns kommen, sondern müssen dahin gehen, wo die Menschen sind“, ist er überzeugt. Das niederschwellige Angebot der Marktandacht erleichtere es Menschen, in die Kirche zu gehen, ergänzt Christoph Bäuerle.

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