Manches dauert länger

Evangelische Landeskirche Württemberg

Manches braucht ein bisschen länger, bis man begreift. Ein Mensch tut, was er kann, damit es mir gut geht. Bemüht sich, mir eine Freude zu machen, immer wieder. Und ich begreife einfach nicht oder will es nicht glauben: Er tut das für mich. Er liebt mich. Er muss es mir erst sagen, was das bedeutet – dann kann ich es verstehen und glauben. Vielleicht kennen Sie solche Situationen. Manchmal dauert es ein bisschen länger, bis man begreift.

Den Jüngern von Jesus ging das wahrscheinlich auch so, in einer ganz anderen Situation. Jesus war tot. Hingerichtet am Kreuz. Und nun kamen ein paar Frauen und behaupteten: Wir haben ihn gesehen. Mit ihm gesprochen. Er lebt. Er ist auferstanden. Wie sollen sie das verstehen? Was soll das bedeuten? Können sie jetzt weitermachen wie vorher, als er noch am Leben war? Manche Erfahrungen sind so neu, dass man sie zunächst nicht begreifen kann.

Ich nehme an, die Jünger haben damals getan, was ich heute auch tun würde. Sie haben Erklärungen gesucht. Das einzige Nachschlagewerk, das sie damals hatten, war die Bibel. Die hatten sie im Kopf. Da sind sie vielleicht auf einen Satz gestoßen beim Propheten Jesaja: „Gott beseitigt den Tod für immer. Er wischt die Tränen ab von jedem Gesicht… Auf ihn setzen wir unsere Hoffnung.“ (Jes. 25,8-9)

Das kannten die Jünger damals oder jedenfalls ähnliche Worte aus ihren heiligen Schriften. Ich stelle mir vor, wie sie langsam geahnt haben: Das könnte jetzt passiert sein. Jedenfalls hat es angefangen. Einer ist vom Tod auferstanden. Bei Gott ist er lebendig. Gott kann lebendig machen: die Toten in seiner neuen Welt. Und auch was schon tot schien hier in unserem Leben: die enttäuschten Hoffnungen, den verlorenen Lebensmut. Gott kann lebendig machen. Den Jüngern damals hat das neue Hoffnung gemacht.

Und was bedeutet das nun für mich? Tröstet es mich, wenn ein Mensch gestorben ist, den ich lieb hatte? Ich gebe zu: Es tröstet nicht gleich. Es tut weh, wenn ein Mensch stirbt oder eine Liebe. Ich hab das schon erlebt. Und erfahren: Dann tut es gut, wenn einer bei mir bleibt. Mein Weinen aushält. Für mich glaubt und hofft und mich erinnert: Unser Gott ist einer, der lebendig macht, was tot ist. Mich hat das ruhiger gemacht. Der, den ich lieb gehabt habe, ist lebendig bei Gott. Und eines Tages werden wir uns wiedersehen. Bei Gott. Denn Gott macht die Toten lebendig.

Ich habe gemerkt: Das kann einen wirklich trösten. Aber das dauert. Und man muss erinnert werden. Immer wieder einmal, von Worten wie diesem aus der Bibel. Oder von Menschen, die das glauben können, wenn ich es nicht kann. Denn es braucht ein eine Weile, bis man es glauben kann.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*