Gerechtigkeit für Kinder in Syrien und Kleinsparer in Zypern

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der Karfreitag mache deutlich, wie nahe Macht und Ohnmacht Gottes beieinander liegen. Dies sagte der Reutlinger Prälat Professor Dr. Christian Rose als evangelischer Regionalbischof in seiner Predigt am Freitag, 29. März in der Sindelfinger Martinskirche.

 

Jesus sei mit Vollmacht unterwegs gewesen und habe Menschen in seinen Bann gezogen: „ Seine Bergpredigt war Balsam für die verwundeten Seelen“, zeigte sich der Prälat überzeugt. Von Seligpreisungen für diejenigen, die nach Gerechtigkeit dürsten, könnten die Menschen auch heute nicht genug hören, erklärte Prälat Dr. Rose: „Wie sehr sehnen wir uns danach, dass der Bergprediger wieder unter uns aufsteht, hineinspricht in die ausweglosen Situationen unserer Tage: Zu den verzweifelten Kindern in den Trümmern der zerstörten Städte Syriens. Zu den kleinen Leuten in Zypern, deren Zukunft Geldbarone verzocken. Zu den zahllosen Flüchtlingen in den Lagern der Welt, zusammengepfercht wie in einer Legebatterie.“

 

Macht und Ohnmacht seien aber Nachbarn, sagte der Regionalbischof: „Jesus hätte es den Spöttern so richtig zeigen können. Doch er verzichtet auf die Macht des Gottessohnes. Ohnmächtig hängt er am Kreuz und schreit seine Gottverlassenheit an den Himmel.“ Jesu Schrei gebe denen einen Stimme, die verstummt sind: „Er schreit mit für all diejenigen, die ohnmächtig aushalten müssen, was nicht auszuhalten ist. Es ist der Schrei der Millionen von vergessenen Flüchtlingen in den Lagern der Welt. Es ist der Schrei derer, denen ihr Leben aus den Händen geglitten ist, überfordert, missbraucht, verletzt, ohnmächtig. Es ist der Schrei der vielen einsamen, kranken, sterbenden Menschen. Jesus ruft seinen Schmerz an den Himmel. Er ist der Gott, der Schmerzen hat.“

 

„Wenn Jesus, der Gottessohn, seine Gottverlassenheit an den Himmel schreien darf, dann dürfen wir es erst recht“, führte der Prälat weiter aus. Das sei nicht wenig: „Es gehört zum Geheimnis des Karfreitags, dass ausgerechnet Jesu ohnmächtige Rufe den mächtigen römischen Hauptmann berühren und er den Spöttern entgegnet: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen. Gebe Gott, dass wir daraus Kraft, Mut und Zuversicht schöpfen können.“

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