Kann verzichten Spaß machen?

Evangelische Landeskirche Württemberg

Schluss mit lustig! Am Aschermittwoch endet die Fasnacht. Die Mitglieder der Narrenzünfte tragen ihre Gewänder und Verkleidungen zum letzten Mal. An einigen Orten wird die Fasnacht symbolisch verbrannt. Und manche Narren haben Abschiedstränen in den Augen.

In vergangenen Zeiten hatten die Menschen sogar noch mehr Anlass zur Trauer. Denn am Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Dazu haben der Verzicht auf Fleisch und Eier gehört. Und auch Tanzen, große Feste feiern und andere „öffentliche Lustbarkeiten“, wie es damals hieß, waren verboten. Verzicht und Askese statt Spaß und Lust.

Deshalb war ich überrascht, als ich die beiden Wörter „Askese“ und „Lust“ neulich zusammen in einem Satz gelesen habe. Der Benediktiner-Mönch Anselm Grün hat geschrieben: „Askese ist die Lust, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.“ (Anselm Grün, Buch der Lebenskunst, S. 208).

Verzichten kann also Spaß machen? Das klingt wie ein Widerspruch. Aber ich finde, das ist ein Widerspruch, der Sinn macht, je länger ich darüber nachdenke. Denn Verzichten bedeutet: Ich bestimme selbst, wie viel ich esse, trinke oder sonst was tue. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es sich anhört. Ich denke, viele kennen die Erfahrung, dass die Tafel Schokolade plötzlich alle ist, obwohl ich doch nur ein Stückchen essen wollte. Da habe nicht ich die Schokolade im Griff, sondern die Schokolade mich. Mit vielen anderen Dingen ist es ähnlich, und das Gefühl, dass ich nicht das gemacht habe, was ich eigentlich wollte, ist ziemlich entmutigend. Wenn ich dagegen auf etwas verzichten kann, das normalerweise mich im Griff hat, dann ist das ein Erfolg. Ich fühle mich irgendwie frei.

Ich denke, so kann man die Fastenzeit tatsächlich verstehen: nicht als kirchlich verordnete Freudlosigkeit, sondern als Einladung, sein Leben in die Hand zu nehmen. Dieser Gedanke steckt auch hinter der Aktion „Sieben Wochen ohne“, zu der die evangelische Kirche einlädt. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet an Ostern. Worauf man verzichtet, das entscheidet jeder selbst: Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Fernsehen oder PC-Spiele, irgendeine Sache, bei der ich nicht mehr genau weiß, wer da wen im Griff hat. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn ich es dann tatsächlich schaffe, sieben Wochen lang darauf zu verzichten, dann spüre ich sie auch, „die Lust, das Leben selbst in die Hand zu nehmen“.

Weitere Informationen:

Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) steht dieses Jahr unter dem Motto: „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. In den Wochen vor Ostern stellen wir an dieser Stelle in lockerer Reihe Frauen und Männer vor, die ihre Vorsicht und Scheu abgelegt, sich etwas getraut und ihrem Leben eine neue Ausrichtung gegeben haben.

http://http://7wochenohne.evangelisch.de/

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