„Liebesheirat“ zweier Kirchenbezirke auf und unter der Alb

Evangelische Landeskirche Württemberg

Zum 1. Dezember 2013 wollen die Kirchenbezirke Bad Urach und Münsingen fusionieren. Nach positiven Signalen aus Bad Urach hat sich am Freitag, 1. Februar die Münsinger Bezirkssynode mit großer Mehrheit für die Fusion entschieden. Der neue Evangelische Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen umfasst dann 55 Kirchengemeinden, in denen rund 61.000 evangelische Christen leben, davon rund 39.000 im Teilgebiet Bad Urach und 22.000 im Teilgebiet Münsingen.

 

„Nur die Fusion wird die Arbeit der Kirchengemeinden langfristig sichern“, zeigte sich der Münsinger Dekan Michael Scheiberg überzeugt: Als kleiner Kirchenbezirk müsse Münsingen seine Bezirksaufgaben durch eine weit überdurchschnittlich hohe Bezirksumlage finanzieren; dieser Anteil an der Kirchensteuerzuweisung würde ohne die Fusion weiter ansteigen und fehle dann den Gemeinden. Der Bad Uracher Dekan Harald Klingler erklärte als Gast der Bezirkssynode: „Wenn wir zusammengehen, gewinnen wir Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft.“ Edmund Friedl, ehrenamtlicher Vorsitzender der Münsinger Bezirkssynode äußerte die Überzeugung, „dass es heute um eine Liebesheirat geht.“ Nach kurzer Aussprache beschloss die Bezirkssynode mit 42 ja- und neun nein-Stimmen bei drei Enthaltungen, den Oberkirchenrat mit der Vorbereitung der Maßnahmen zur Fusion zu beauftragen.

 

Die Personalstellen in beiden Kirchenbezirken blieben auch nach der Fusion unverändert erhalten, versprach Dekan Scheiberg. Die beiden Teilgebiete des neuen Kirchenbezirks behalten auch künftig jeweils ihren Dekan am gewohnten Ort. Wenn dann der Bad Uracher Dekan Klingler im Februar 2014 in den Ruhestand geht, übernimmt der Münsinger Dekan Scheiberg bis zu seinem eigenen Ruhestand 2016 die Geschäftsführung für den gesamten Kirchenbezirk. Danach soll die Geschäftsführung dauerhaft beim Dekan in Bad Urach liegen, während Münsingens neuer Dekan oder Dekanin im eigenen Teilgebiet die Visitations- und Repräsentationsaufgaben sowie die Dienstaufsicht über die Pfarrerinnen und Pfarrer übernimmt. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Dekan Klingler in Bad Urach wird 2014 zunächst ohne Geschäftsführungsaufgaben starten und dann ab 2016 als geschäftsführender Dekan oder Dekanin auch den Vorsitz in der Kirchenbezirkssynode und im Kirchenbezirksausschuss führen. Das Wahlgremium für die jeweils neu zu besetzenden Dekansstellen setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertretern beider Teilgebiete zusammen. Ein einmaliger Zuschuss in Höhe von 640.000 Euro aus einem landeskirchlichen Sonderfonds soll finanzielle Belastungen im Zuge des Zusammengehens zusätzlich abfedern.

 

Mit dem Münsinger Grundsatzbeschluss dürfte der Weg zur Fusion nun frei sein. Zwar muss auch die Bad Uracher Bezirkssynode am 26. April noch offiziell zustimmen, doch hatte diese bereits im vergangenen November einstimmig für eine Fusion votiert. Am 15. März will die württembergische evangelische Landessynode bei ihrer Frühjahrstagung das eigens für diesen Zusammenschluss geschaffene Gesetz beraten und in ihren Rechtsausschuss verweisen. Der soll den Gesetzesentwurf dann zur Sommersynode am 5. Juli zum Beschluss vorlegen. Pünktlich zum Termin der Evangelischen Kirchenwahl am ersten Adventssonntag, dem 1. Dezember 2013, soll der neue Evangelische Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen an den Start gehen. Für den 11. oder 12. Januar 2014 stellte Dekan Scheiberg einen Festgottesdienst mit Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July in Aussicht.

 

Oliver Hoesch, Sprecher der Landeskirche

Peter Steinle, Pressepfarrer Prälatur Reutlingen

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