Sponsorenlauf als Lebenslauf

Evangelische Landeskirche Württemberg

Laufen für ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt – das hatte sich Johannes Schultheiß vorgenommen und ging deshalb 2012 in sieben Langstreckenläufen für das Esslinger Hospizhaus an den Start. In sieben Monaten hat der Esslinger Bäckermeister und Diplomingenieur 250 Kilometer zurückgelegt – „damit unsere  Gesellschaft ein Stück wärmer wird“.

Weil der passionierte Läufer Gutes tun will, hatte er sich vorher Sponsoren gesucht, die jeden Kilometer mit einer bestimmten Summe unterstützten. Rund 25.000 Euro hat der „Hospizläufer“ Johannes Schultheiß so für das erste stationäre Hospiz im Landkreis Esslingen erlaufen, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen baut. Es wird Menschen aus dem ganzen Landkreis unabhängig von Religion oder Konfession offenstehen.

In seinen eigens kreierten Lauf-Shirts mit Hospizhaus-Logo trug Schultheiß die Idee auch ganz bewusst nach außen. „Ich wollte mich für jene einsetzen, die selbst keine Lobby haben“, beschreibt er seine Motivation. Er wolle dazu beitragen, dass Menschen am Ende ihres Lebens liebevoll und kompetent begleitet und ihre Angehörigen entlastet werden. Also motivierte er Freunde und Bekannte, sein Anliegen zu unterstützen.

Zum Laufen gekommen ist der heute 63-Jährige erst mit 50 Jahren. Weil er beruflich als Geschäftsführer der Stadtbäckerei Schultheiß mit Sitz in Ostfildern und in zahlreichen Ehrenämtern sehr eingespannt ist, suchte Johannes Schultheiß eine Sportart, die man spontan betreiben kann. „Laufen kann man bei jedem Wetter und zu fast jeder Tageszeit“, sagt er. Mehrmals pro Woche ist er, begleitet von seinem Hund, zum Training rund um Esslingen unterwegs.
Inzwischen zählen die Bergläufe zu seinen Favoriten. Das Laufen in der Natur spricht Johannes Schultheiß besonders an. Dabei fühlt er sich eingebunden in die Schöpfung: „Auch mein Körper ist Produkt der Schöpfung. Wenn ich nicht achtsam mit ihm umgehe, scheitere ich.“ Dass er beim Laufen oft heftigen Wetterbedingungen – Kälte, Hitze, Regen oder gar Schnee – trotzen muss, ficht ihn nicht an.

„2012 war meine bisher intensivste Laufsaison“, gibt Schultheiß zu. Doch die Anstrengung habe sich mehr als gelohnt – nicht nur wegen der erlaufenen Sponsorengelder. Im Rückblick erkennt er in verschiedenen Läufen zu ganz unterschiedlichen Bedingungen auch eine unbewusste Dramaturgie „Es ist wie ein Lebenslauf.“

Angefangen hatte alles Anfang April sozusagen im Frühling bei herrlichem Sonnenschein beim Freiburg-Marathon. Dass die Kondition noch im Winterschlaf lag, habe dem jugendlichen Übermut nichts ausgemacht. „Was kostet die Welt?“, so die kühne Frage. Auch beim Lichtenwalder-Halbmarathon und beim Heilbronner Trollinger-Marathon sagte er sich: „Gas geben ist angesagt“, selbst  als der Lauf herausfordernd wird. Stadtläufe laufe er nicht mehr so gerne, erzählt Schultheiß. Er mag’s lieber in freier Natur. Dennoch hat er im Sommer den Stuttgarter und den Esslinger Stadtlauf absolviert – für den guten Zweck.
Seine Sponsoren hat der Hospizläufer Johannes Schultheiß immer auf dem Laufenden gehalten. Geradezu euphorisch werden seine Schilderungen, wenn es in die Berge geht. Ob „Swiss Alpine“ oder „Jungfraumarathon“ – die Bergwelt fasziniert ihn auch bei zeitweise widrigen Wetterbedingungen und in seinem „Lebenslauf“ fühlt er sich immer noch „auf der Überholspur“. Da macht es ihm auch nichts aus, wenn es zum Teil über Stock und Stein, Schnee und Geröll, Bäche und Almwiesen geht. „Herausforderungen werden gesucht und Energien gebündelt, auch wenn die Kräfte vielleicht schon gezehrt werden“, interpretiert Johannes Schultheiß.

Der Abschluss der Laufsaison Ende Oktober beim Albmarathon in Schwäbisch Gmünd wird dann schwer: Nasskaltes, eisiges Schneetreiben und Nebel machen dem Hospizläufer zu schaffen. „Unwirtlicher konnte das Wetter gar nicht sein“, erzählt Johannes Schultheiß. Das Feld zieht sich in die Länge, der Läufer ist meist allein auf der Strecke, jeder Schritt tut weh. Auch die Ankunft nach 50 Kilometern ist eine einsame Angelegenheit. Die Zuschauer haben sich ins Warme und Trockene verzogen, nur die Zielfotografen und die beiden Mädchen, die ihm die Siegermedaille umhängen, begrüßen den Hospizläufer. „Es wird einsam am Ende des Lebens, aber es gibt auch Zuwendung“, übersetzt Schultheiß diese Lauf-Erfahrung ins Leben.

Weitere Informationen
http://www.ev-kirche-esslingen.de/cms/startseite/aktuelles/hospizhaus-esslingen
http://www.ev-kirche-esslingen.de

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*