Eine erfrischend andere Art Kirche zu sein

Evangelische Landeskirche Württemberg

In England ist es eine breite Bewegung. Nun will ein neues Netzwerk auch in Deutschland "Fresh expressions of church" unterstützen. Viele wurden durch die Konferenz "Gemeinde 2.0" im März 2011 in Filderstadt inspiriert. Diese hatte sich "Frische Formen für die Kirche von heute" auf die Fahnen geschrieben. Eine deutschlandweite Kooperationsplattform wird jetzt neue Ausdrucksformen von Gemeinde fördern. Vorbild für die deutsche Bewegung sind jüngste Entwicklungen in England. In der anglikanischen und methodistischen Kirche wurden dort in den letzten zehn Jahren rund 3.000 "fresh expressions" gegründet. Erzbischof, Bischöfe und Kirchenleitung unterstützen dies intensiv. "Fresh expressions" sind für die englischen Kirchen inmitten von finanziellen Abbrüchen und Mitgliederschwund ein unübersehbares  Hoffnungszeichen.

Neue Zielgruppen erreichen

Café-Gemeinden, "Überraschungskirche" für junge Familien, Jugendkirchen und diakonische Gemeindeformen in sozialen Brennpunkten – für bisher wenig erreichte Zielgruppen wird Kirche durch solche frische Formen wieder relevant. Sie verstehen sich als Ergänzung zu vorhandenen Ortsgemeinden und wollen die bisherige Form von Kirche bereichern, nicht ersetzen. Auch wenn das neue Zusammenspiel erst gelernt werden muss, sind die jeweiligen Stärken offensichtlich. Ortsgemeinden haben eine geographische Nähe mit gewachsenen volkskirchlichen Chancen und Kontaktbrücken. "fresh expressions" haben ihre Stärken eher in kirchenfernen Milieus und setzen auf Beziehungsnetzwerke und ganzheitlich gelebte Gemeinschaft.

Ein deutsches "fresh X"-Netzwerk etabliert sich

Bei einem Runden Tisch am 10. und 11. Februar 2012 in Kassel haben sich verschiedene Kirchen und freie Werke zu einer intensiven Kooperation in Sachen "fresh expressions" verpflichtet. Mit dabei sind beispielsweise die Evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Baden, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover, das Amt für missionarische Dienste (AMD) in Berlin und der Dachverband der Landeskirchlichen Gemeinschaften. Aber auch das Bistum Hildesheim und damit die katholische Kirche, die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland, das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald (IEEG), das EKD-Zentrum Mission in der Region (ZMiR), die Vineyard-Gemeinschaften in Württemberg und das Theologen-Netzwerk „churchconvention“ sitzen mit am Tisch. Die Jugendarbeit repräsentiert das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) zusammen mit dem gesamtdeutschen CVJM. "fresh X" – das bedeutet, mit Interesse, Phantasie und Liebe gemeinsam auf Menschen zugehen und mit ihnen unterwegs zu sein, Erfahrungen sammeln und ermutigende Erfahrungen machen. Ich halte es für eine einzigartige Chance, über die  Grenzen der einzelnen Landeskirchen hinweg Neues zu wagen, Erfahrungen auszutauschen und Grundlegendes wieder neu zu entdecken und schätzen zu lernen" erläutert Oberkirchenrat Werner Baur die Beteiligung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an der neu gebildeten Kooperation.

Filmclips und Basistraining

Als erster Schritt sind 20 Filmclips mit deutschen Beispielen geplant. Sie werden  Anfang 2013 zur Verfügung stehen. Parallel wird bis Ende 2013 das "Basistraining Gemeinde-Innovation" entwickelt. In einem knappen Jahr vermittelt dieser Kurs, der in England schon von über 2.500 Personen absolviert wurde, die nötigen theologischen Grundlagen, Grundeinstellungen und Kompetenzen für den Aufbau und die Gestaltung einer "fresh expression". Rückenwind geben der Bewegung große Konferenzen Anfang nächsten Jahres. Englische "fresh expression"-Vertreter sind bei "Neues wagen", einer großen Konferenz des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes in Erfurt, mit dabei. Wenig später werden sie auch die Konferenz "Kirche hochzwei" in Hannover prägen, die gemeinsam von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hannover wie dem Bistum Hildesheim verantwortet wird. Eine presbyterianisch geprägte Familienstiftung in den USA unterstützt das erste Jahr der noch jungen Bewegung in Deutschland. Dadurch konnten Regine und Michael Born, die im Sommer ihr theologisches Examen in Heidelberg abgelegt haben, als Prozess-Koordinatoren im EJW angestellt werden. Zusammen mit Markus Weimer (churchconvention) und Reinhold Krebs (EJW) sollen sie die ersten Schritte des neuen Netzwerkes gestalten.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar