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Ein Seelsorgebezirk so groß wie halb Deutschland
Evangelische Landeskirche Württemberg
Stuttgart/Allen (epd). Lutherisch sein im katholisch geprägten Argentinien – das ist nach wie vor kein Heimspiel. Der württembergische Pfarrer Reiner Kalmbach hat vor über zwanzig Jahren aushilfsweise zur Evangelischen Kirche am la Plata gewechselt und ist schließlich dort hängengeblieben. Als Gemeindepfarrer wohnt er in der Stadt Allen in Patagonien, 300 Kilometer südwestlich von Buenos Aires. Doch diese Art der Seelsorge scheint nicht zukunftsfähig, denn er betreut Lutheraner in großen Städten in den Anden und muss dazu am Wochenende insgesamt 1.500 Kilometer fahren. Deshalb trommelt er nun in Württemberg für Projektgelder, um auf vorerst drei Jahre eine weitere Pfarrstelle finanzieren zu können.
Südamerikas Lutheraner unterscheiden sich von anderen Konfessionen nicht nur im Verständnis bestimmter christlicher Lehren, sondern auch in ihren Vorstellungen von tätiger Nächstenliebe. "Alle unsere Gemeinden machen Sozialarbeit – und sie müssen das selbst finanzieren", erläutert der 56-Jährige Kalmbach. Die Katholiken hätten zwar auch soziale Einrichtungen, ließen sich diese aber im Wesentlichen vom Staat bezahlen. Die rasant wachsenden Pfingstkirchen sieht Kalmbach sehr kritisch. Seiner Beobachtung nach predigen sie ein Wohlstandsevangelium. Es gehe ihnen ums Geld, sie arbeiteten wie multinationale Konzerne und errichteten auch in ärmeren Gegenden teure Kirchen, um ihre Erfolgsbotschaft nach außen zu dokumentieren. Die armen Menschen bleiben dabei auf der Strecke, findet der Lutheraner.
Seine Gemeinde in Allen in der Provinz Rio Negro liegt in einem der größten Obstanbaugebiete der Welt. Zur Kirche gehört ein Altenheim mit 28 Betten, das von Kalmbachs Frau, einer Sozialpädagogin, geleitet wird. Für den Pfarrer ist das eine gewagte Konstruktion, denn sollte sich das Ehepaar aus der Gemeinde verabschieden müssen, wäre es äußerst kompliziert, sofort Nachfolger in der Altenheimleitung und in der Gemeindeleitung zu bekommen.
Fraglich ist auch, ob einem Nachfolger zuzumuten wäre, die Betreuung der 550 Kilometer entfernten Gemeinde San Martin de Los Andes zu übernehmen. Die Distanzen sind zu groß, sie kosten zu viel Zeit und Energie. Die Lösung scheint zu sein, in San Martin einen eigenen Pfarrer zu installieren, der dann die Städte El Bolsón und San Carlos de Bariloche versorgen könnte.
Engagierte Lutheraner vor Ort gibt es. Sie haben im Stadtzentrum von San Martin ein Grundstück gestiftet bekommen, auf dem nun ein Gemeindezentrum entsteht, das Mitte 2013 eingeweiht werden soll. Württembergs Landesbischof Frank Otfried July hatte sich 2009 vor Ort umgesehen und die Pläne zeigen lassen. Unterstützung gibt es seit vielen Jahren vom Gustav-Adolf-Werk in Württemberg, das im Rahmen der Freiwilligendienste immer zwei junge Menschen für ein Jahr in Kalmbachs gigantischen Seelsorgebezirk schickt. Undenkbar scheint es allerdings, dass die kleine Gemeinde von San Martin nun einen neuen Pfarrer finanziert – in einem Land, das keine Kirchensteuer kennt.
Seelsorger Kalmbach ist indessen überzeugt, dass das ein Selbstläufer wird. Durch einen Pfarrer vor Ort wird die Gemeinde attraktiver, dadurch gewinnt sie neue Mitglieder und die wiederum verbreitern durch ihre Spenden die finanzielle Basis der kirchlichen Arbeit. Deshalb betrachtet er die beantragten Fremdmittel von jährlich 16.250 Euro für das Pfarrergehalt sowie 20.000 Euro für ein Auto auch nur als Anschubfinanzierung. Danach, so seine Hoffnung, kann die Gemeinde ihren Pfarrer im Wesentlichen alleine aushalten.
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Veröffentlicht unter: Landeskirche








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