„Verbindung von Glauben und Verstehen“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Die Tübinger Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer ist nach 17-jährigem Dienst an der Spitze des größten württembergischen evangelischen Dekanatsbezirks in den Ruhestand verabschiedet worden. Am Festgottesdienst am Sonntag, 15. Juli in der voll besetzten Stiftskirche nahmen neben dem zuständigen Regionalbischof Prälat Professor Dr. Christian Rose auch weitere hochrangige Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft teil.

 

„Wer hierher in den Stiftskirchengottesdienst kommt, der sucht die Verbindung von Glauben und Verstehen“, sagte die Dekanin in ihrer Abschiedspredigt: „Das habe ich hoch geschätzt.“ Die Theologie sei dazu da, den Menschen zu helfen, sich selbst und ihr Leben zu deuten, führte sie weiter aus: „Wo immer auf der Welt das Evangelium in menschlicher Sprache zu uns kommt, tritt Gott in Christus heilsam in die Mitte.“ Für die Kirche sei es wichtig, dorthin zu gehen, „wo die Menschen in ihrem Leben unterwegs sind. Die Kirche geht aus ihren Mauern heraus in die Kliniken, in die Hochschule, ins Altenpflegeheim, in die Schulen, mit der Notfallseelsorge an die Orte größter Verzweiflung und mit den Gottesdiensten auf die Festplätze – damit es zu überraschenden Begegnungen kommt.“

 

Prälat Dr. Rose bescheinigte der scheidenden Dekanin angesichts der Vielfalt in den Kirchengemeinden des Bezirks „Kenntnis, Einfühlungs-, Beharrungsvermögen und Respekt gegenüber den je eigenen und eigenwilligen Traditionen in den Orten.“ Ihr anspruchsvolles Amt habe Dekanin Dr. Kling-de Lazzer „mit großem Sachverstand, mit Weitblick und Engagement, mit Liebe für das Evangelium und zu den Menschen ausgeübt“. Oberbürgermeister Boris Palmer erinnerte schmunzelnd an die Auseinandersetzung um Christbäume an öffentlichen Plätzen der Stadt. Nachdem eine städtische Sparmaßnahme gescheitert war, habe die Dekanin in einem Zeitungsbeitrag erklärt, die Wiederkehr der Christbäume sei ein Vorgeschmack auf’s Paradies. „Noch nie wurde mir eine politische Niederlage so versüßt“, sagte Palmer. Der katholische Dekan Dr. Tomas Begovic überbrachte die Grüße der Diözese und lobte seine evangelische Amtskollegin als „kluge, weitsichtige und kompetente Gesprächspartnerin.“ In der Ökumene sei man an der Basis weiter als in den Kirchenleitungen, so Begovic, doch dürfe und werde es einen Stillstand in der Ökumene nicht geben. Professor Dr. Volker Drehsen sagte als Vertreter der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität: „Sie haben theologisches Denken als geistliche Orientierungskraft in Ihrer Amtsführung zur Geltung gebracht.“

 

Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer ist in Leutkirch im Allgäu geboren. Sie hat in Tübingen, Berlin und Zürich evangelische Theologie und Mathematik studiert. 1978 promovierte sie bei dem Tübinger Professor Dr. Karl Ernst Nipkow mit einer Arbeit über ein religionspädagogisches Thema. Ab 1979 war sie Gemeindepfarrerin in Stuttgart. 1995 wurde sie zur Dekanin in Tübingen gewählt; seitdem steht sie an der Spitze des Kirchenbezirks, zu dem rund 88.000 evangelische Christen gehören. Sie ist gleichzeitig Dienstvorgesetzte von rund 60 Pfarrerinnen und Pfarrern in 45 Kirchengemeinden. An der Tübinger Stiftskirche ist sie Gemeindepfarrerin mit einem eigenen Seelsorgebezirk und regelmäßigem Predigtdienst. Im Jahr 2005 fand ihre Kandidatur für das Amt des Landesbischofs überregionale Beachtung. Sie war damals vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ nominiert worden, der über keine Mehrheit in der Landessynode verfügte. In der Wahl unterlag sie dem heute amtierenden Landesbischof Frank Otfried July. Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer ist verheiratet mit dem Theologen, Rechtsanwalt, Schriftsteller und Drehbuchautor Dieter de Lazzer; die beiden haben einen erwachsenen Sohn. Als Nachfolgerin im Dekanatamt wird die bisherige Ditzinger Dekanin Elisabeth Hege voraussichtlich zum Jahresende nach Tübingen wechseln. Ihr galt das Schlusswort der scheidenden Dekanin im Gottesdienst: „Bitte nehmen Sie meine Nachfolgerin mit der gleichen Offenheit und Herzlichkeit auf, mit der Sie mich aufgenommen haben.“

 

http://www.evangelischer-kirchenbezirk-tuebingen.de

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