Neues Ziel für die Partnerschaft der Kirchen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Seit einem Vierteljahrhundert besteht die Städtepartnerschaft zwischen Esslingen und  Molodetschno in Weißrussland. Fast ebenso lange, seit 1991, pflegt der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen intensive Beziehungen zur dortigen orthodoxen Kirche. „Eine solche Partnerschaft zwischen einer evangelischen und einer russisch-orthodoxen Kirche ist einmalig“, weiß Günter Wagner. Der Pfarrer im Ruhestand und Vorsitzende des Esslinger Arbeitskreises Belarus ist verantwortlich für diese Partnerschaft.

 

Viel ist in 21Jahren in Molodetschno entstanden: Kirchen wurden errichtet und mit finanzieller und organisatorischer Hilfe aus Esslingen eine Diakonische Station als Anlaufstelle für Bedürftige aufgebaut. Auch ein Treffpunkt für Behinderte ist dort eingerichtet worden. Nun nimmt man ein neues Projekt in Angriff: „Wir wollen Ehrenamtliche in Kursen für die häusliche Krankenpflege ausbilden“, erklärt Günter Wagner. Er ist soeben von seiner 17. Reise nach Molodetschno zurückgekehrt. Begleitet wurde er unter anderem von Alexej Wassin, einem orthodoxen Priester, der derzeit in der Evangelischen Landeskirche arbeitet. Ziel der Fahrt war es zu klären, wie die weitere Zusammenarbeit aussehen soll. Mit ermutigenden Eindrücken ist Wagner zurückgekehrt.

 

Generationswechsel in der Priesterschaft

 

Gerade das soziale Engagement der Esslinger Kirche in Molodetschno mache sie in den Augen der orthodoxen Christen glaubwürdig, sagt Wagner. Nach dem Tod des früheren Dekans im April hat dieses Amt nun der junge Priester Vitali Bogdanjonok übernommen. Von diesem Generationswechsel, der sich auch unter den Priestern vollzieht, erhofft sich Wagner eine andere, offenere Art der Arbeit in der orthodoxen Kirche. Schon jetzt zeige sich dies daran, dass mehr junge Leute in die Gottesdienste kämen. Nachdem nun etliche Kirchen gebaut worden seien, gehe es in Molodetschno darum, die Gemeindearbeit aufzubauen.

Auch das soziale Engagement der Kirche zeige Wirkung – nicht nur bei denen, die in der Diakonischen Station Kleidung, Essen oder medizinische Versorgung bekommen. Der Staat interessiere sich nun für die Arbeit mit erwachsenen Behinderten. Diese saßen nach der Schule bisher zuhause. Deshalb gab es von Seiten der Kirche Pläne, eine Behindertenwerkstatt aufzubauen. Dafür gab es starke Unterstützung aus Esslingen. Inzwischen baut der Staat eine eigene Arbeit mit erwachsenen Behinderten auf. Die Initiative der Kirche hat dazu geführt, dass er selbst tätig wird.

Ausbildung für Krankenpflegerinnen

 

Nun aber wollen evangelische und orthodoxe Kirche die soziale Arbeit in eine andere Richtung weiterentwickeln. Gemeinsam planen sie ein Ausbildungsprogramm für häusliche Krankenpflege. „In Molodetschno gibt es keine ambulanten Pflegedienste“, erzählt Günter Wagner. In Kursen sollen Ehrenamtliche aus- und weitergebildet werden, um Menschen zuhause zu pflegen. Daraus soll sich eine orthodoxe Schwesternschaft entwickeln, meint der Pfarrer. Anders als Diakonissen oder Nonnen sind das Ehrenamtliche, die ihren Dienst neben ihrem normalen Beruf tun. Unterrichtet werden sollen die Kursteilnehmer von Experten aus Deutschland. Im Herbst 2013 soll der erste Kurs starten. Organisiert werden die Kurse von der Kirchenleitung in Minsk. Sie werden in der Diakonischen Station in Molodetschno stattfinden.

 

Spenden werden dringend benötigt

 

Die Finanzierung erfolgt durch Fördermittel des Bundes. Für Hilfsmittel und Materialien und auch um den Ehrenamtlichen eine kleine 

Aufwandsentschädigung bezahlen zu können, hofft Wagner aber auf Spenden. „Wir bräuchten einen Fundus von 10 000 Euro.“ Auch zur Unterstützung der Diakonischen Station brauche der AK Belarus dringend weitere finanzielle Hilfe. Denn die Unterstützung für die beiden Mitarbeiterinnen erfolgt ausschließlich aus Spenden. 2013 ist der Besuch einer Gruppe aus Molodetschno in Esslingen geplant. Auch ein Besuch aus Esslingen in Molodetschno mit Dekan Bernd Weißenborn ist vorgesehen. Einen großen Wunsch haben die Eltern der erwachsenen Behinderten: Sie würden gern mit ihren Kindern nach Esslingen kommen. Das wird aber nur möglich sein, wenn Esslingen finanziell kräftig hilft.


Spendenkonto: Evang. Kirchenbezirk Esslingen, Stichwort „Molodetschno“, Konto: 902579, Kreissparkasse Esslingen (BLZ 611 500 20).

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