"Woche für das Leben"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Mehr Orte der Begegnung zwischen den Generationen haben Landesbischof Frank Otfried July von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Start der ökumenischen "Woche für das Leben" gefordert. Die Aktionswoche findet vom 21. bis 28. April statt und steht unter dem Motto "Engagiert für das Leben: mit allen Generationen".

Bei einem Generationenfrühstück im Mehrgenerationenhaus in Stuttgart-Stammheim äußerten sich am Freitag beide Bischöfe zum Zusammenleben der Generationen und der Rolle der Kirchen dabei. "Viele neue Ansätze der Generationenbegegnungen sind in Kirchengemeinden entstanden. Wir Kirchen sind mit unseren Gemeinden wahrscheinlich die einzigen Organisationen, die an allen Orten vertreten sind", erklärte Bischof July. Auch Bischof Fürst betonte die Wichtigkeit von Begegnungen zwischen den Generationen: "Es gilt, den Blick neu zu schärfen für Räume und Freiräume, in denen Menschen jeden Alters innerhalb der Gemeinde zusammenwirken können. Diese Räume müssen bewusst geschaffen und gepflegt werden." Beispiele, wie diese Räume aussehen könnten, präsentieren beide Kirchen im Internet.

Ein wichtiger Ansatz für Generationenbegegnungen seien Mehrgenerationenhäuser, wie Bischof July betonte: "In diesen Häusern werden Begegnungen zwischen den Generationen organisiert und institutionalisiert. Pflegebedürftige und Kinder begegnen sich bei Projekten: wie gemeinsame Musik und Bewegung, Malgruppe oder das Generationenfrühstück." Das Generationenhaus in Stammheim habe dabei erstaunliche Arbeit geleistet. "Die Erfahrungen zeigen, dass die gemeinsamen Veranstaltungen eine Bereicherung des Alltags sind", sagte Frank O. July. "Die Älteren genießen es, wenn sie sich um Kinder kümmern können. Sie sind nach den gemeinsamen Aktivitäten fröhlicher und ausgeglichener." Die Kinder würden es genießen, von den älteren Menschen umsorgt zu werden und verlören dabei gleichzeitig die Scheu vor ihnen. Solche Generationenhäuser seien zwar politisch gewollt. Beide Bischöfe bedauern aber, dass es keine auf Dauer angelegte Finanzierungsgrundlage gebe.

Bischof Fürst stellte die Gesellschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen vor, die sich durch die immer älter werdende Gesellschaft ergeben. Dabei sei vor allem die Zerstörung der Lebensgrundlagen für kommende Generationen ein großes Problem. "Die gegenwärtigen Generationen, nicht nur die Älteren, leben auf Kosten der kommenden. Dies widerspricht auch dem in der Schöpfungsgeschichte formulierten Auftrag, "die Erde zu bebauen und zu bewahren" (Gen 2,15)." Deshalb sei die heutige Gesellschaft zu einem maßvollen Lebensstil herausgefordert, bei dem die Ressourcen verantwortlich genutzt und gesellschaftlicher Reichtum geteilt werden sollte, wie der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart betonte. Eine Herausforderung sei hier zum einen im Abbau der Verschuldung der öffentlichen Haushalte zu sehen. Parallel dazu sei in Deutschland der private Reichtum gestiegen und vermögende Personen seien steuerlich entlastet worden. Daneben müsse eine altersgerechte öffentliche Infrastruktur geschaffen werden, unter anderem mit barrierefreien Neubauten. Ein weitere Aufgabe sei der Einsatz gegen Kinderarmut. "Etwa jedes zehnte Kind unter 18 Jahren in Baden-Württemberg lebt laut einer Studie der Caritas unterhalb der Armutsgrenze", sagte Fürst.

Vorhersagen von einem "Kampf der Jungen gegen die Alten" hätten sich trotz aller langjährigen Befürchtungen nicht bewahrheitet, wie Bischof July erklärte. Laut der Shell-Studie 2010 sind 71 Prozent der Jungen und 81 Prozent der Mädchen überzeugt, dass man eine Familie brauche, um glücklich zu sein. Die Zustimmung ist in den letzten zehn Jahren um circa fünf Prozent gestiegen. "Unter Jugendlichen heute hat die Familie also sogar einen höheren Stellenwert als noch vor einigen Jahren", so Landesbischof July. Auch Bischof Fürst betonte, dass der familiäre Generationenvertrag nach wie vor gelte. Er plädierte deshalb dafür, dass "der demografische Wandel als Chance für neue Altersbilder gesehen wird". July sieht ebenfalls in dem Älterwerden der Gesellschaft eine Chance. "Lebenserfahrungen können so miteinander geteilt und Geschichten des Lebens und Erfahrungen weitergegeben werden." Damit dies gelingt, fordert er allerdings, dass ähnliche sozialpolitische Regelungen für die Freistellung von Angehörigen bei der Pflege eingeführt werden, wie es sie für die Erziehung der Kinder schon gibt. Beide Bischöfe betonten, dass es die zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft sei, ältere Menschen unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit wertzuschätzen und jüngeren Menschen Zukunft zu eröffnen.

Die "Woche für das Leben" wird für Württemberg am Sonntag, 22. April, in Heilbronn eröffnet. Der Eröffnungsgottesdienst ist im Deutschordensmünster St. Peter und Paul um 17 Uhr. An dem Gottesdienst sind die Bischöfe Frank O. July und Gebhard Fürst, Superintendant Siegfried Reissing und Vertreter von generationsübergreifenden Projekten beteiligt. Bei einem "Markt der Möglichkeiten" im Gemeindehaus St. Peter und Paul stellen sich davor ab 15 Uhr verschiedene generationenübergreifende Ehrenamtsprojekte vor.

Unter http://http://www.woche-fuer-das-leben.de/ erhalten Sie weitere Informationen. 

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