Erfahrungen mit Ostern

Evangelische Landeskirche Württemberg

Den zweiten Tag feiern die Christen, dass Jesus auferstanden ist. Ostermontag: Man sieht den Frühling schon, überall ist es grün, es blüht, die Vögel singen. Schon Goethe hat in seinem Faust einen Osterspaziergang beschrieben. Die Natur ist vom Eise befreit, hat er gedichtet, und die Menschen genauso: "Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden." Genauso ist es. Der Frühling hilft einem, die Auferstehung zu feiern. Man kann es ja sehen, riechen, hören: Das Leben ist stärker als der Tod. Auch wenn alles abgestorben schien und kalt und starr, es gibt doch immer wieder einen Anfang.

Aber ist das wirklich alles, wenn wir Christen an Ostern die Auferstehung feiern? Dass wieder Frühling wird? Das vielleicht eine neue Liebe wächst, neues Leben? Ist das nicht einfach bloß normal und natürlich? Und muss man nicht gleich dazu sagen: Ja, aber im Herbst fallen die Blätter wieder ab, dann wird wieder alles starr und kalt und die Liebe geht vielleicht auch wieder zu Ende? So ist das Leben, am Ende ist doch alles tot? Und außerdem: was tröstet diejenigen, die gerade einen Menschen verloren haben, der Frühling?

Ich glaube, dass Auferstehung mehr ist. "Das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist erfüllt von Gottes Herrlichkeit …und voller Kraft!" (1. Kor. 15, 43). So haben die ersten Christen damals den auferstandenen Jesus erlebt und so hat der Apostel Paulus das später beschrieben. "Erfüllt von Gottes Herrlichkeit …und voller Kraft!" Als vor ein paar Jahren meine Mutter gestorben ist, nach Jahren von Krankheit und Demenz, da haben mich diese Worte sehr getröstet. Und in den letzten Tagen habe ich oft an die Eltern der belgischen Kinder gedacht, die in der Schweiz mit dem Bus verunglückt sind. 22 Kinder sind gestorben. Vielleicht nicht jetzt gleich, aber irgendwann wird es hoffentlich auch ihre Angehörigen trösten, dass sie glauben können "Das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist erfüllt von Gottes Herrlichkeit …und voller Kraft." Was sonst könnte sie trösten?

Allerdings: Wenn der Tod einen berührt, dann ist es schwer, das zu glauben. Deshalb hat Gott selbst die traurigen Jünger damals Erfahrungen machen lassen. Ganz verschiedene Erfahrungen, die ihnen gezeigt haben: Jesus ist auferstanden. "Erfüllt von Gottes Herrlichkeit und voller Kraft!" Und ich denke manchmal: Solche Erfahrungen schenkt Gott uns heute auch. Zum Beispiel im Frühling die Blumen, die Vögel und die Sonnenstrahlen. Damit es leichter fällt, zu glauben: Nach dem Tod fängt das Leben neu an. Erfüllt von Gottes Herrlichkeit.

Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer für Kirche im SWR, http://www.kirche-im-swr.de

Dieser Beitrag wurde in SWR1 und SWR4 gesendet.

 

 

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