Himmel auf!

Evangelische Landeskirche Württemberg

Karfreitagsstimmung. Kennen Sie das? Wenn alles tot scheint und man keine Hoffnung mehr hat? Wenn die Liebe gestorben ist? Wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll? Dann ist Karfreitagsstimmung. "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Jesus hat so geschrien, als er hingerichtet wurde. Sogar Jesus selbst, an dessen Tod am Kreuz wir Christen an Karfreitag denken, kannte also die Karfreitagsstimmung.  

Solche Karfreitagsstimmung ist eigentlich Sünde, sagt der Glaube. Sünde ist für den Glauben erst mal nichts Moralisches, sondern dass man nicht an Gott glauben kann. Dass man ihm nicht vertrauen kann und nicht auf das Leben, das er für seine Geschöpfe gedacht hat. Wo sie einander leben helfen und einander gut tun. Wo keiner das Gefühl haben muss, er kommt zu kurz. Am Karfreitag kann man das nicht glauben. Da kann man nicht an den lieben Gott glauben, der es gut meint mit den Menschen. Wenn man es genau nimmt, ist das Sünde. Diese Sünde macht das Leben kaputt.

Gibt es einen Weg heraus aus der Karfreitagsstimmung? Kann man sein Gottvertrauen und das Vertrauen ins Leben wieder finden, wenn alles zu Ende scheint?

Am Karfreitag wird in den Evangelischen Gottesdiensten ein Stück aus dem Hebräerbrief aus der Bibel vorgelesen. Darin steht: Der Karfreitag selbst ist so ein Weg zurück ins Vertrauen. Jesus selbst, heißt es da, "ist ein für allemal erschienen, um durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben." (Hebr. 9, 26) Er hat sich geopfert, damit Menschen wieder auf Gott vertrauen können. Sogar, wenn alles dagegen spricht. Sogar wenn man sagen muss: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen", so wie er das gesagt hat.

Ich glaube: Jesus hat sein Leben gegeben, damit wir genau das sehen und glauben können. Damit Schluss ist mit der Sünde, die sagt: Ich kann Gott nicht vertrauen. Er kümmert sich ja nicht um mich. Er lässt mich zugrunde gehen. Wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht.

An Jesus kann man sehen: Gott verlässt auch die nicht, für die alles zu Ende ist. Auch die nicht, die sich selber alles verdorben und kaputt gemacht haben. Zu einem Verbrecher, der mit ihm hingerichtet wurde, hat er gesagt: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!" Nicht einmal der Tod ist eine endgültige Grenze und auch keine Strafe. Das hat Jesus dem anderen, der mit ihm sterben musste, versprochen.

Und ein paar Tage später haben seine Anhänger es erlebt, gesehen, erfahren: Nach dem Tod geht der Himmel auf! Und auch wenn alles zu Ende schien: Es gibt neues Leben. Und Karfreitag ist es immer nur vorübergehend. Gott sei Dank.

Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer für Kirche im SWR, http://www.kirche-im-swr.de

Dieser Beitrag wurde in SWR1 und SWR4 gesendet.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*