Diakonisches Handeln im Fokus

Evangelische Landeskirche Württemberg

Diakonisches Handeln ist ein Grundpfeiler christlichen Glaubens und damit ein ständiger Auftrag für die Mitglieder der Kirchengemeinden. Gleichzeitig sind Einrichtungen und Initiativen unter dem Dach der Diakonie vielfältig. Kirchengemeinden und Diakonie einander anzunähern, dieses Ziel verfolgte am Freitagabend die Frühjahrssynode des evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen.

Schwangerenberatung, Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Sozial- und Lebensberatung, Suchtberatung, Flüchtlingsbegleitung, Erwerbslosenberatung, Armutsprojekte, Altenhilfe, Sterbe- und Trauerbegleitung – die diakonischen Initiativen im Kirchenbezirk Nürtingen decken eine Vielzahl an Lebenssituationen ab, in denen Menschen kostenlose und fundierte Beratung in Anspruch nehmen können. Ein Löwenanteil dieser Hilfe wird durch ehrenamtliches Engagement getragen.

Der Dienst am Menschen als christlicher Imperativ stand am Freitagabend im Nürtinger Rathaus im Fokus der ersten von zwei Bezirkssynoden des evangelischen Kirchenbezirks im Jahr 2012. „Wir erleben zur Zeit einen Paradigmenwechsel“, berichtete Stefan Wannenwetsch. Aus einer Diakonie für andere, wie man sie in den letzten 150 Jahren kannte, entwickelten sich derzeit neue Formen, so der Diakoniepfarrer. Wo früher große Einrichtungen wie etwa Behindertenheime standen, die man ehemals Anstalten nannte, fokussiere man heute dezentrale, ortsnahe Betreuungsformen in Kleingruppen. An Stelle der Maxime, für den Patienten oder Klienten zu entscheiden, stehen heute Konzepte der Teilhabe und Integration in die Gesellschaft.

Kooperation zwischen Kirche und Diakonie sinnvoll und fruchtbar

Wannenwetsch weiß: „Diese Umstellung ist für viele Einrichtungen schwierig zu stemmen.“ In der modernen Gesellschaft sei daher die Kooperation zwischen Kirche und diakonischen Einrichtungen – und politischen Akteuren, wie Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich und Landrat Heinz Eininger betonten – sinnvoll und fruchtbar. „Für das Erwirken von Teilhabe für alle an der Gemeinschaft ist die Diakonie unverzichtbar“, so Eininger.

Welche Vielfalt an diakonischen Einrichtungen der Kirchenbezirk zu bieten hat, das konnten die rund 100 Synodalen, die sich aus den Pfarrern und gewählten Vertretern der Gemeinden im Bezirk zusammensetzen, in Gruppendiskussionen entdecken. Es stellten sich folgende Initiativen innerhalb des Kirchenbezirks vor: Das Dr.-Vöhringer-Heim als Institution der Altenhilfe, die Armutsprojekte Diakonieladen, Vesperkirche und Tafelladen, Diakoniestation, Hospiz und Trauerbegleitung, der Runde Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal, die Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung Tragwerk, die Schwangerschaftsberatung der Diakonischen Bezirksstelle, die Sozial- und Lebensberatung des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV), die Suchtberatungsstelle (als Beispiel einer Kooperation zwischen KDV und Landkreis), der Tagestreff und die Werkstatt am Neckar für Menschen mit psychischer Erkrankung.

Eberhard Haußmann, KDV-Geschäftsführer, warb bei den Synodalen um Kooperation und Unterstützung der Initiativen: „Wir werden die Unterstützung der Kirchengemeinden brauchen.“ Weitere finanzielle Zuwendung sicherte die Bezirkssynode dem KDV am Freitagabend zu, indem sie die Finanzierung des Verbandes für die kommenden zehn Jahre sicherte, wenngleich mit einer Budgetkürzung von einem Prozent pro Jahr. „Das ist ein klares ‚Ja‘ zum Kreisdiakonieverband“, versicherte Dekan Michael Waldmann.

Eine weitere zukunftsweisende Entscheidung steht der Herbstsynode 2012 bevor. Dann stimmen die Synodalen über den künftigen Pfarrplan für die kommenden sechs Jahre ab, der die Forderung umsetzen muss, 1,75 Pfarrstellen einzusparen – aus 31,75 Pfarrstellen sollen bis 2018 30 geworden sein. Waldmann stellte den Synodalen dazu zwei Modelle vor, die der Pfarrplansonderausschuss erarbeitete. Ein eher konservativer Vorschlag sieht die Kürzung der Pfarrstellen bei gleichbleibenden fünf Distrikten vor. Ein zweites Modell – laut Waldmann zukunftsweisender, da es bereits Entwicklungen über den Pfarrplan bis 2018 hinaus bedenkt – steht für eine Umstrukturierung der Bezirke innerhalb des Kirchenbezirks und ihre Zusammenfassung von fünf in vier Bezirke. Der Ausschuss sprach sich einstimmig für dieses Modell aus. Die Kirchengemeinden haben nun bis zur Herbstsynode dieses Jahres Zeit, ihre Entscheidung zu treffen.

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