"Wie spricht man Menschen in Glaubensfragen an?"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Fast neun Jahre war Bernhard Zeh evangelischer Pfarrer an der Plochinger Stadtkirche. Nun geht der 65-Jährige in den Ruhestand. Am 6. Mai wird er verabschiedet.

"Wie spricht man Menschen in Glaubensfragen an?" Diese Frage hat Bernhard Zeh stets umgetrieben – als Vikar in Hemmingen ebenso wie später als Pfarrer in Rommelshausen, Gerstetten und Plochingen. Um den Glauben überzeugend zu vermitteln, müssten Menschen das Gesagte nachvollziehen können: "Glauben und Verstehen hängen eng zusammen", sagt Zeh. Das könne aber auch bedeuten, Gott nicht zu verstehen.

Immer wieder war der evangelische Theologe auf der Suche nach Mitteln und Wegen, "das Evangelium den Menschen unserer Zeit zu vermitteln". Inhalte weitergeben könne man aber nur, wenn man mit Menschen eine Beziehung aufbaue und erkenne, was sie bewegt. Dieser pädagogische Ansatz ließ ihn unter anderem auf die Suche gehen nach Geschichten, "die nicht nur moralisch sind, sondern aus denen das Leben selbst spricht". Denn er ist sicher: "Der Glaube wirkt am Leben und ist verzahnt mit allen Bereichen des Lebens."

Bernhard Zehs Interessen liegen auch stark auf naturwissenschaftlichem und philosophischem Gebiet. Für die Theologie entschieden hat er sich, weil sie umfassender sei und einen "breiten Horizont" eröffne. Der Pfarrer hat sich intensiv mit aktuellen Glaubensfragen und den Herausforderungen der Zeit – ob Bioethik, Islam oder dem Gegensatz zwischen Naturwissenschaft und Glaube – auseinandergesetzt.

 

In Zeitfragen sprachfähig sein

Immer wieder beschäftigte er sich damit, wie Kirche in diesen Zeitfragen sprachfähig sein kann. Vor allem auch in den Angeboten der Erwachsenenbildung fand dies seinen öffentlichen Niederschlag: Dass die Plochinger Gemeindemitglieder "sehr wach und interessiert" an solchen Themen sind, freute den Pfarrer. Manches Gespräch oder Seminar habe auch seinen eigenen Horizont erweitert.

Bei aller Liebe zur Pädagogik steht Bernhard Zeh fest zum Pfarrersberuf: "Hier bin ich mit dem Menschen in seinem ganzen Lebensbogen in Kontakt." In Plochingen hat er neben der Seelsorge in seinem Verantwortungsbereich und den Gottesdiensten die Erwachsenenbildung organisiert, die Seelsorge im Johanniterstift verantwortet, den Kontakt zu den Hospizgruppen gehalten und Religionsunterricht am Gymnasium gegeben. "Die Mitarbeit und Offenheit der Jugendlichen im Religions- und Konfirmandenunterricht hat mich oft selbst beflügelt", sagt Bernhard Zeh. Auch der Kleinkindergottesdienst in der Ottilienkapelle im Team mit Müttern, zu dem bis zu 60 kleine Kinder mit ihren Müttern und auch Vätern kamen, habe ihm viel Freude gemacht, sagt der Pfarrer.


Schutzräume sind wichtig

Nicht leicht sei es ihm zuweilen gefallen, unter dem großen Zeitdruck kreativ zu sein und den vielfältigen Aufgaben und Erwartungen gerecht zu werden. "Eng getaktet arbeiten", nennt er das. Sich Schutzräume zu schaffen, sei dabei sehr wichtig. Ausgleich fand er nicht nur beim Lesen, sondern auch in der Natur beim Jogging.

Den Ruhestand werden Bernhard Zeh und seine Frau in Gerstetten im Kreis Heidenheim verbringen, wo er früher Pfarrer war. Eine Tochter  – das Ehepaar hat zwei Töchter und zwei Söhne – lebt mit ihrer Familie dort ebenso wie andere Familienmitglieder. Die Verwandtschaftsbeziehungen intensiver zu pflegen ist eines von Bernhard Zehs Vorhaben im Ruhestand. Ein Jahr Auszeit will er sich gönnen, dann kann er sich durchaus vorstellen, sich in Gerstetten im Bereich der Erwachsenenbildung ehrenamtlich zu engagieren.

Abschiedsgottesdienst am 6. Mai

Am Sonntag, 6. Mai 2012, wird Bernhard Zeh im Gottesdienst um 18 Uhr in der Plochinger Stadtkirche offiziell verabschiedet. Bis seine Stelle wieder besetzt ist, übernimmt Pfarrer Dr. Joachim Hahn, der in den 90er Jahren bereits Pfarrer an der Stadtkirche war, die Vertretung.

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