Schluss mit (zu) billig

Koch meint…

Immer wieder am Wochenende ist bei mir Kopfschütteln angesagt. Da flattert nämlich ins Haus, was es so eigentlich gar nicht gibt: das Leben von seiner billigsten Seite. Das der samstägliche Stapel von Werbeprospekten aller möglichen Supermarktketten verspricht und dabei mit Preisen lockt, die jenseits von Gut und Böse sind. Weil weder eine Kiwi für 11 Cent noch beispielsweise ein Kilogramm Pflaumen zu 1,79 Euro wirklich sein können, und das schon gar nicht Ende März.

Nur dass sich über zu niedrige Preise natürlich keiner beschwert. Im Gegensatz zu den exorbitant hohen, die eine ganze Nation in Aufruhr versetzen können wie derzeit beim Benzin. Durchaus zu Recht übrigens. Trotzdem: Was nicht sein kann, sollte auch nicht sein. Weil sonst andere den Preis dafür bezahlen. Der Kiwianbauer, der kaum noch etwas für seine Arbeit bekommt. Oder die Frau an der Kasse, die von ihrem Lohn nicht leben kann. Und noch jemand zahlt für solche Dumpingpreise die Zeche: unsere Umwelt, die gegen über Hunderte oder Tausende von Kilometern herbeigebrachte Pflaumen, Erdbeeren und dergleichen machtlos ist.

Was zugegebenermaßen etwas arg holzschnittartig gerade jetzt gesagt sei, weil an diesem Wochenende über 10 000 Schleckerangestellte ihren Arbeitsplatz verlieren – als Opfer vor allem einer verfehlten Unternehmenspolitik, aber auch einer an ihre Grenzen geratenden „Geiz ist geil“-Mentalität in unserer Gesellschaft. Der man deshalb eine Rückbesinnung auf das wünschen würde, was leicht betulich, aber dennoch richtig so daherkommt: „Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert.“ Oder mit Worten des württembergisch-evangelischen Landesbischofs Frank Otfried July ausgedrückt: „Ich rufe mit allem Nachdruck in Erinnerung, dass in der sozialen Marktwirtschaft faire Löhne und faire Preise zusammengehören.“ So dieser Tage von ihm nicht zuletzt im Blick auf die Schleckerfrauen gesagt.

Apropos „mit allem Nachdruck“: Die Bibel nimmt noch weniger ein Blatt vor den Mund. Jeremia 22,13: „Wehe dem, der seinen Nächsten arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht!“

Es ist also Aufregung angesagt – Aufregung auch im Blick auf zu niedrige Preise. Weil wie gesagt weder eine Kiwi für 11 Cent noch beispielsweise ein Kilogramm Pflaumen zu 1,79 Euro wirklich sein können, und das schon gar nicht Ende März. Lassen wir das Zeug deshalb einfach in den Regalen liegen! Dann ist von allein Schluss mit (zu) billig, und zwar bald.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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