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„Zeitungen sind systemrelevant“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Das wichtigste Medium für die Kirche sei weder das Internet noch die Zeitung, sagte Melanie Huber, die Leiterin des Internetportals evangelisch.de der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): „Das Premiumprodukt sozusagen ist und bleibt der Gottesdienst.“ Beim neunten Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche am Donnerstag, 15. März traf sie auf Einladung des Reutlinger Prälaten Professor Dr. Christian Rose und des Arbeitskreises evangelischer Unternehmer (AEU) als Veranstalter mit dem Reutlinger Verleger Valdo Lehari zusammen, der als Gastgeber sein ehemaliges Druckhaus in der Burgstraße zur Verfügung gestellt hatte. Rund 130 geladene Gäste aus Kirche, Politik und Medienszene waren der Einladung gefolgt.

 

Zeitungen seien für eine Demokratie systemrelevant, betonte Lehari: „Das ist ein Gut, mit dem man pfleglich umgehen muss.“ Nur rund 22 Prozent der Weltbevölkerung käme in den Genuss von Pressefreiheit. Diese sei nicht nur in China oder Ungarn bedroht, sie müsse auch in Deutschland immer wieder verteidigt werden: So habe Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur alleine aus parteipolitischen Gründen gehen müssen, kritisierte Lehari, der auch Vorsitzender des Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger und Vizepräsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbands ist. „Unsere Gesellschaft wird durch digitale Medien zunehmend segmentiert und gleichzeitig durch Konzerne wie Google, die auch noch den Datenschutz verletzen, monopolisiert“, kritisierte Lehari: „Gerade in dieser Zeit müsste man die Zeitung erfinden – wenn es sie nicht schon gäbe.“

 

Melanie Huber sagte, im Internet finde ein großer Teil der Meinungsbildung statt: „Ich meine sogar: der größte.“ Dennoch brauche das wichtigste kirchliche Medium weder Datennetze noch Systemadministratoren: „Der Gottesdienst und der Gemeindebrief sind die unverzichtbare Basis, auf der kirchliches Engagement in den alten und neuen Medien fußt.“ Das unter dem Schlagwort „web 2.0“ bekannte Mitmach-Internet sei keine Modeerscheinung, denn die direkte und hierarchiefreie Kommunikation mit den Medienproduzenten und mit anderen Mediennutzern sei das, was die Menschen heute wollten: „Einen Weg zurück zum ausschließlich passiven Konsumenten gibt es nicht“, zeigte Melanie Huber sich überzeugt. In Internetforen und Communities fänden Debatten statt, die die Kirche lebendig erhielten und der Kirchenbindung dienten. Sie rief ihre Kirche dazu auf: „Stellen wir uns dem Dialog, transparent und vertrauenswürdig, authentisch und persönlich!“

 

„Als Kirche haben wir eine Botschaft weiterzugeben, die Sinn stiftet und Orientierung gibt“, betonte Prälat Dr. Rose. Die gesellschaftsprägende Kraft der Kirche sei oft eher im Verborgenen wirksam, etwa durch ihr diakonisches Engagement und ihren Einsatz für die Menschenwürde. Für ihn sei die Bibel das Leitmedium, erklärte der Prälat: „Unsere Heilige Schrift enthält viele Geschichten mit exemplarischer Gültigkeit, die auch im 21. Jahrhundert hochaktuell und hochpolitisch sind.“

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